Urteil Bewährungsstrafe für Ex-MDR-Sportchef Mohren

Weil er sich für seine Berichterstattung bezahlen ließ ist Wilfried Mohren, früher Sportchef des MDR, wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der frühere Fernsehsportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, ist wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss der 51-Jährige 8250 Euro Geldstrafe zahlen. Das Landgericht Leipzig verurteilte ihn auch wegen Vorteilsannahme, Steuerhinterziehung und Betruges.

Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt: Ex-MDR-Sportchef Wilfried Mohren.

(Foto: Foto: AP)

Mohren hatte jahrelang am MDR vorbei Geld von Sponsoren kassiert, um bestimmte Sport-Veranstaltungen werbewirksam im Fernsehen zu zeigen. Er hatte unter Tränen ein Geständnis abgelegt. Seine Ehefrau wurde wegen Beihilfe zur Bestechlichkeit zu 6600 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte Mohren insgesamt 19 Fälle von Bestechlichkeit vorgeworfen. "Herrn Mohren lag zur Last, Sendungen des MDR verkauft zu haben und sich so ein erhebliches, dauerhaftes Einkommen verschafft zu haben." Unter anderem berichtete der MDR über ein Hallen-Fußballturnier, mit dessen Sponsor Mohren einen Beratervertrag hatte. Der Anklagevorwurf habe sich bestätigt, sagte Staatsanwältin Karin Schreitter-Skvortsov. Sie attestierte ihm "Dreistigkeit" und forderte drei Jahre Haft.

Die Wirtschaftsstrafkammer entschied, dass Mohren als Sportchef des öffentlich-rechtlichen MDR als Amtsträger anzusehen sei - und deshalb wegen Bestechlichkeit zu verurteilen war. Der 51-Jährige habe seinem Berufsstand mit seinem Verhalten erheblichen moralischen Schaden zugefügt, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Nickel.

"Ungewollt ein Eigentor geschossen"

Mohren hatte zunächst versucht, die Vorwürfe zu relativieren und zu erklären, dass er als "Sportchef einer nicht sonderlich gemochten Ost-Anstalt" Sponsoren zum Wohle des Senders akquiriert habe. Dabei habe er sich "ungewollt ein Eigentor geschossen". "Ich hätte mir größere Distanziertheit auferlegen müssen und das Geld nicht nehmen dürfen." Nach einer Prozesspause und längerer Beratung mit seinen Anwälten ergänzte Mohren dann das Geständnis. "Die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft erkenne ich als richtig an", ließ er über seinen Verteidiger Peter Manthey erklären.

Mit diesem Geständnis machte die frühere MDR-Spitzenkraft den Weg frei für eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe. Die Kammer hatte Mohren für den Falleines "glaubhaften Geständnisses" die Strafobergrenze von zwei Jahrenin Aussicht gestellt.

Kein geregelter Job

Auch Mohrens Ehefrau erklärte: "Ich räume die Anklage ein." Über ihre Werbeagentur wurden die Schmiergeldzahlungen abgerechnet. Insgesamt 330.000 Euro hatte das Ehepaar kassiert.

Mohren hat sich verpflichtet, den Schaden für den MDR wieder gut zu machen und will 380.000 Euro an den Sender zahlen. Das sei der Rest seiner finanziellen Mittel. Das Gericht wertete diesen Vergleich mit dem MDR unmittelbar vor Prozessbeginn als strafmildernd. Einen geregelten Job habe er derzeit nicht, sagte Mohren. Die Familie lebe von Zuwendungen der Schwiegereltern. "Wir sind im Augenblick ziemlich in den Knien."