Urheberrecht Kosten und Nutzen

Der Social-Media-Konzern Facebook hat der Musikindustrie einen riesigen Deal angeboten: Um "Hunderte Millionen Dollar" soll es gehen. Doch was sollen die Musiker davon halten? Sind Deals mit Tech-Riesen für den Pop Teufelspakte?

Von Jens-Christian Rabe

Facebook hat der Musikindustrie offenbar einen gigantischen Deal angeboten. Der Social-Media-Konzern ist nach Berichten des amerikanischen Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg bereit, den Plattenfirmen "Hunderte Millionen Dollar" zu überweisen, wenn Facebook-Nutzer dafür künftig im Gegenzug urheberrechtlich geschützte Musik in ihren Videos verwenden dürfen. Das Angebot ist das vorläufige Ergebnis monatelanger Verhandlungen zischen Facebook und der Musikindustrie. Bislang können die Musikrechteinhaber von Facebook nur verlangen, Nutzer-Videos zu sperren, wenn in ihnen Songs zu hören ist, deren Nutzung nicht genehmigt wurde. Eine äußerst mühsame Sache.

Ursprünglich hatte Facebook nur geplant, den Urhebern die Möglichkeit zu geben, Rechtsverstöße automatisch verfolgen zu können - in zwei Jahren. So lange will die Musikindustrie aber wohl nicht mehr warten, zumal Facebook-Chef Mark Zuckerberg jüngst erklärte, dass die zentralen Inhalte für das Zukunftsgeschäft des Konzerns Nutzer-Videos seien.

Darüber, was der Deal, sollte er denn zustande kommen, für die Zukunft der Musikindustrie bedeutet, gibt es geteilte Meinungen. Einerseits gäbe es für die Urheber endlich etwas Geld von Facebook und nicht weiter nichts als brotlose Überwachungsarbeit. Andererseits wird ein vergleichbares Geschäft mit dem Facebook-Konkurrenten Youtube aus dem vergangenen Jahr längst sehr kritisch gesehen. Der Hauptanteil des jüngsten Wachstums der Musikindustrie stammt nämlich aus Erträgen, die über Streaming-Angebote wie Spotify und Apple entstehen. Die haben zwar weniger Reichweite, es stehen bei ihnen dafür die Musik und ihre Bezahlung stärker im Mittelpunkt. Bloomberg spricht sogar von einem "faustischen Pakt", den die Musikindustrie mit Tech-Riesen wie Facebook und Youtube eingehe, weil deren Interessen denen der Musiklabels exakt entgegenstünden. Während die einen weiter dafür kämpfen, dass Musik Geld kostet, gewöhnen die anderen ihre Nutzer an deren Kostenlosigkeit.