Urheberrecht Keine friedliche Koexistenz

Hannes Wollschlägers Witwe verhindert das Erscheinen einer überarbeiteten Fassung seiner Joyce-"Ulysses"-Übersetzung von 1975.

Zehn Jahre dauerte es, den Roman "Ulysses" von James Joyce in der legendären, 1975 erschienenen Übersetzung von Hans Wollschläger zu überarbeiten. Ein Forscherteam um Harald Beck hatte 5 000 Änderungen und Korrekturen vorgenommen. Sie trugen der philologischen Forschung der vergangenen Jahrzehnte Rechnung, vor allem aber der 1984 erschienen neuen Fassung des Originaltextes, der "Gabler Edition", die sich als philologischer Standard durchgesetzt hat.

Doch nun kann, wie die Zeit berichtet, der Suhrkamp Verlag das Buch nicht veröffentlichen. Die Witwe Hans Wollschlägers, Gabriele Gordon, bezeichnet die Arbeit als "rechtswidrige Bearbeitung der Wollschläger-Ulysses-Übersetzung durch Harald Beck" und hat unter Berufung auf Paragraf 23 des Urheberrechtsgesetzes, demzufolge "Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes" nur mit "Einwilligung des Urhebers" veröffentlicht werden dürfen, die Freigabe der Revision verweigert. Der Suhrkamp Verlag teilt mit, Wollschläger selbst, der 2007 starb, sei bereits 1987 - "jedenfalls grundsätzlich" - zu einer Revision bereit gewesen: "eine friedliche Koexistenz beider Fassungen, wie wir sie geplant hatten, ist nun leider nicht möglich". Es sollen lediglich 200 nicht frei verkäufliche Exemplare der Revision für die Wissenschaft erscheinen.