Von Simon Feldmer

Wir müssen nun doch keine Angst davor haben, für den Filmgenuss künftig unsere Fremdsprachenkenntnisse auspacken zu müssen. Was die EU mit der Forderung nach TV-Untertiteln wirklich will, ist etwas anderes.

Am frühen Mittwochabend erreichte eine erstaunliche Meldung Deutschland: "Fernsehfilme sollen nur noch mit Untertiteln laufen - Europaparlament sagt Synchronisierung den Kampf an." Sogar eine Rede von US-Präsident George W. Bush in der Tagesschau müsste danach im Original gezeigt werden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Was an sich nichts Neues wäre, da Tagesschau-Beiträge, genau genommen, noch nie synchronisiert worden sind.

Film kino dpa

Nicht die jungen Filmfans hat die EU mit ihrer Gesetzesänderung im Blick, sondern die gebrechlichen. (© Foto: dpa)

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Brauchen viele für französische Filme bald die Lesebrille? Der angebliche Anlauf zur Rettung der Sprachvielfalt in Europa zog weite Kreise, traf aber nicht ins Schwarze. Von genereller Untertitelung oder Kampf gegen die Synchronisation kann nämlich keine Rede sein.

Es gehe allein darum, schwerhörigen oder blinden Menschen geeignete Hilfsmittel zu geben, so Ruth Hieronymi, Berichterstatterin des EU-Parlamentes. Alles andere sei unrealistisch und mit den Gesetzgebern, insbesondere in Deutschland, nicht zu machen.

Bereits im Dezember wurde die neue EU-Fernsehrichtlinie (Product Placement, Regulierung von Internet-TV) verabschiedet. In Punkt 64 wird ausgeführt, dass Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen durch Gebärdensprache oder Untertitelung audiovisuelle Mediendienste zugänglich gemacht werden müssen.

Laut Hieronymi sei die aktuelle Erklärung des EU-Parlamentes ungenau formuliert, das Relevante bereits in der Fernsehrichtlinie verankert. In der Erklärung der Parlamentarier seien Dinge missverständlich vermischt, so die CDU-Politikerin.

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(SZ vom 11.4.2008/rus)