Interview von Hans Hoff

RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger spricht im Interview über Stefan Raabs Attacke auf DSDS, das Erfolgsrezept der RTL-Shows und die Fehler der Konkurrenz.

SZ: Herr Sänger, stimmen Sie zu, dass aus der Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS) die Luft raus ist?

tom sänger rtl

Tom Sänger ist bei RTL seit Juni 2002 Bereichsleiter Unterhaltung Show & Daytime und damit verantwortlich für Shows wie DSDS, Let's Dance und Wer wird Millionär?, aber auch für Soaps wie Alles was zählt, GZSZ und das Coachingformat Helfer mit Herz. Begonnen hat Sänger, 38, seine Fernsehkarriere 1994 direkt nach dem Studium der Informationswissenschaften als Newsdokumentar bei Vox. Noch im selben Jahr wechselte der gebürtige Siegener zu RTL, wurde erst Leiter der Programmplanung und im Jahr 2000 Ressortleiter Daytime. (© Foto: RTL)

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Tom Sänger: Ein entschiedenes Nein. Da kann die Luft nicht raus sein, wenn wir in der vierten Staffel immer noch Marktanteile von mehr als 31 Prozent im Schnitt erreicht haben.

SZ: Das war aber mal besser.

Sänger: Nur zum Start 2003. Wir lagen jetzt mit der aktuellen Staffel auf dem zweithöchsten Niveau, seit es DSDS gibt.

SZ: Aber zwischendurch hat es in der vierten Staffel schon arg gekränkelt.

Sänger: Wir hatten in den Castingshows sechs, sieben Millionen und in den Endrunden um die fünf Millionen Zuschauer. So betrachtet ist es etwas nach unten gegangen. Der Marktanteil hat sich aber anders entwickelt. Es lag auch daran, dass wir im April noch nie Hochsommer hatten. Die gesamte Fernsehnutzung war zurückgegangen. Das haben wir auch bei DSDS gemerkt.

SZ: Wie haben Sie die öffentliche Attacke von Stefan Raab empfunden, der ja bei Pro Sieben zur "Befreiung" des ausgestiegenen DSDS-Teilnehmers Max Buskohl aufforderte und ankündigte, Ihre Sendung zu stören.

Sänger: Wenig clever. Auf lange Sicht wird ihm das eher schaden. Vor allem, wenn er zu einem Protest bei DSDS aufruft und sagt, er sei am Samstag da, und dann kommt er nicht. Da standen vier Fans von ihm, die jetzt wohl keine mehr sind. Das war ein Strohfeuer.

SZ: Lebt nicht die ganze Unterhaltung von Strohfeuern?

Sänger: Ich glaube nicht. Das Unterhaltungsfernsehen besteht zwar an bestimmten Punkten aus großem Feuerwerk, aber vor allem aus nachhaltig funktionierenden Marken. Die Leute wollen vor allem Verlässlichkeit.

SZ: Klingt wie ein Plädoyer für den Musikantenstadl.

Sänger: In der Zielgruppe, an die sich der Musikantenstadl richtet, funktioniert dieses Heile-Welt-Fernsehen ja genauso. Ich schalte das Fernsehen doch nicht ein, damit mir Stress gemacht wird.

SZ: Verlässlichkeit haben die Menschen im Alltag - der ist bei vielen immer gleich.

Sänger: Da erlebe ich aber auch meine Krisen. Fernsehen sollte keinen Stress machen. Zu viel Neues auf einmal, zu viele Pauken und Trompeten sind nicht gut. Es ist das Wichtigste für uns Fernsehmacher, diese Ausgewogenheit zu finden. Der Zuschauer muss wissen, was auf ihn zukommt. Er sieht das blaue Oval von DSDS, er weiß, worum es geht, er hat ein klares Ziel, ein klares Regelwerk. Also begibt er sich auf die Reise. Der Weg zum Ziel kann dann Überraschungen bieten, aber das Vehikel muss der Zuschauer kennen. Wir haben alle gelernt, nicht in ein gänzlich fremdes Auto zu steigen.

SZ: Schlag den Raab von Pro Sieben ist aber eine Innovation.

Sänger: Aus meiner Sicht ist es nicht so innovativ, wie es vielleicht scheint. Es hat zwar das Ziel, dass ich einen hohen Preis gewinnen kann, ist aber nicht neu. Dass ich gegen den Moderator antreten muss, ist neu, aber es bringt eine Antipathie mit sich. Ich muss es ja toll finden, wenn Raab geschlagen wird. Das ist der Motor dieser Sendung, funktioniert aber schon beim dritten Mal nicht mehr so doll, weil der Weg so gleich ist. Wenn ich zum dritten Mal Tischtennis spiele, dann wird das zum Einerlei. Ich muss eine Klarheit im Format haben, aber die Umsetzung muss variieren.

Seite 2: Die Liga der außergewöhnlichen Moderatoren.

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