Nile Rodgers ist der Entdecker Madonnas - und der Sound-Designer von "Halo 2", dem erfolgreichsten Spiel für Microsofts Xbox. Während wir ihn sprachen, kündigt Funk-Erfinder George Clinton ein Album mit dem Wu-Tang Clan an. Offenbar ein Trend der Midem.
"Halo 2" ist einer der erfolgreichsten Ego-Shooter des Microsoft-Universums. Und Nile Rodgers ist einer der wichtigsten Musiker und Produzenten der Disco-Ära, Gründer der Gruppe "Chic", Entdecker von Madonna, Komponist für Stars wie Diana Ross oder Sister Sledge.
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Spielekonsolen auf der einen Seite, Dancefloor-Seligkeit auf der anderen - für amerikanische Verhältnisse kein Widerspruch.
"Als ich klein war", erinnert sich Rodgers auf der Bühne des Palais des Festivals in Cannes, "da gab es diese Spielautomaten. Vierteldollar rein, und wir versuchten so lange wie möglich nicht zu verlieren, schließlich war dann das Geld weg. Dazu gehörten auch diese frühen Jingles, wenn irgendetwas gekappt hat: Dideldideldi - das ist mir im Kopf hängen geblieben. Als ich elf war, habe ich dann Malcolm X gehört, der seinen Leuten predigte: Schwarze Menschen werden erst frei sein, wenn die Verteilung der Güter in den Händen anderer liegt. Auch das habe ich mir gemerkt!" Inzwischen ist Nile Rodgers der erste Afro-Amerikaner, dem mit "Sumthing" ein eigener Musikvertrieb gehört, und als Komponist und Produzent der Soundtracks zu den Halo-Serien einer von denen, der die Hörgewohnheiten der nächsten Generation bestimmt. Die Möglichkeiten, damit auch neue Stars zu kreieren, scheinen übrigens unbegrenzt. Ein Spiel, das wie Halo 2 bereits am Veröffentlichungstag rund 3,5 Millionen mal verkauft wurde, bietet eine Plattform, die völlig neue Vertriebswege erschließt.
Und bei den Kollegen übrigens als cool gilt. "Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass ich mich um Halo kümmere, stellte sich plötzlich heraus, das sie es fast alle kannten oder selbst spielten. Einige, wie John Mayer, sind sogar richtige Cracks". Rätselhaftes, wundersames Amerika. Kaum machte Rodgers seinen Platz auf den Bühne frei, folgte ihm eines der Originale der alten Schule. Weihehafte Stimmung herrschte im Saal, als der "Prime Minister of Funk" George Clinton (Parliament, Funkadelic) sich - mit übergroßem Filzhut anstatt der gewöhnten Dreadlocks - die Ehre gab. Da gab es unterhaltsame Anekdoten zu hören, wie diese: "John Lennon? Klar, den habe ich damals getroffen. Aber der lag nur mit Yoko nackt im Bett und hat nicht viel gesagt!". Oder Bonmots für das Poesiealbum der Popmusik wie jenes: "Was ist Funk? Ganz einfach: Funk ist alles, was dir das Leben rettet!" Ganz nebenbei erzählte der inzwischen 65-jährige Guru psychedelisch schräger Beats außerdem, dass er zur Zeit mit den Kollegen des Wu-Tang Clans zusammenarbeite und ein Album des Generationen übergreifenden Black Music Crossovers fast fertig habe.
Das wiederum ist eine kleine Sensation, schließlich treffen damit der Vater des Funks und die Söhne des Hiphops aufeinander. "Das "Mothership' landet mal wieder mittendrin", grummelte George Clinton amüsiert in seinen Bart und alle im Saal liebten ihn, den Freak der alten Schule.
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