Unsaubere Geschäfte der Gates-Stiftung Kinder verseucht, aber gegen Masern geimpft

Wo kommt das viele Geld her, dass Gutmensch Bill Gates und Gattin unter die Armen der Welt streuen? Eine Liste zeigt, dass die Millionen für gute Taten verdient werden mit Aktien dubioser Unternehmen.

Von Sonja Zekri

Es ist ein Weltverbesserungskosmos, wie man ihn noch nicht gesehen hat: Die Bill and Melinda Gates Stiftung besitzt 24,5 Milliarden Euro, sie wird - dank der märchenhaften Spende des amerikanischen Investors und zweitreichsten Mannes der Welt, Warren Buffett, in wenigen Jahren über 50 Milliarden Euro verfügen, und damit über ein Vermögen, das die Bruttosozialprodukte von 70 Prozent aller Länder der Welt übersteigt. Und nichts anderem dient dieses Geld als dem Kampf gegen Elend, Unwissenheit und Krankheit. Nun ja, fast nichts anderem.

Zwar hat die Stiftung im Jahr 2005 knapp 1,1 Milliarden Euro ihres Stiftungskapitals für Stipendien von Darfur bis Washington D.C. ausgegeben, für Bibliotheken, Katastrophenhilfe, Grundlagenforschung in Disziplinen wie der Infektionsbiologie, die fast ausschließlich auf die Gelder aus Seattle bauen. Dies aber betrifft nur fünf Prozent des Vermögens. Den gigantischen Rest investiert die Stiftung. Und da liegt das Problem.

Was von Kritikern der Stiftung seit Jahren angeprangert wird, hat nun die Los Angeles Times in einem umfassenden Bericht zusammengetragen, der den globalen Wohlfahrtskonzern in etwas anderem Licht erscheinen lässt: Die Stiftung besitzt Aktien an Firmen, die alle Standards sozialer Verantwortung brechen, weil sie die Umwelt zerstören, ihre Angestellten diskriminieren oder die Rechte der Arbeitnehmer verletzen. Zum Beispiel in Nigeria. Hier fördert die Gates-Stiftung für 167 Millionen Euro ein Impfprogramm gegen Kinderlähmung und Masern. Zugleich aber besitzt sie Anteile an einer Öl-Firma des italienischen Eni-Konzerns, der wie viele Firmen im Niger-Delta, überschüssiges Öl in einer riesigen Flamme abfackelt - und einen Regen von 250 giftigen Substanzen auf Mensch und Umwelt niedergehen lässt. So bekommen Kinder Atemwegserkrankungen, die dank der Gates-Stiftung gegen Masern geimpft werden.

325 Millionen Euro hat die Gates-Stiftung nach Angaben der Times in Konzerne wie Eni, Royal Dutch Shell, Exxon Mobil oder das französische Total investiert, ,,Unternehmen, deren Flammen das Delta so stark verseuchen, wie es in Amerika oder Europa niemals geduldet würde'', so die Times. Die Stiftung besitze Anteile von Firmen, die zu den schlimmsten Umweltsündern in Amerika und Kanada gehören, etwa Dow Chemical. Während sie insgesamt 1,5 Milliarden Euro für den Kampf gegen Aids ausgegeben hat, verdient sie ein Vermögen durch Aktien von Pharma-Unternehmen, die ihre Aids-Medikamente so teuer verkaufen, dass sie für die Patienten etwa in Afrika unerschwinglich sind. Paul Hawken, Direktor des Natural Capital Institute, das Investitionen untersucht, nennt es ein ,,schmutziges Geheimnis''.

Andere, kleinere Stiftungen achten inzwischen verstärkt darauf, dass sie ihr Vermögen in Unternehmen mit hohen ethischen oder ökologischen Standards anlegen. Die Gates-Stiftung aber, die, wie es der Berater der Rockefeller-Stiftung ausdrückte, durch ähnliche Prinzipien eine geradezu ,,seismische Verschiebung'' in der Welt der Philanthropie auslösen könnte, hat sich zu diesen Fragen bislang nicht einmal geäußert. Und so mehren sich - bei aller Begeisterung über die gewaltigen Fortschritte, die die Stiftung ermöglicht - die Zweifel an einem Wohlfahrtsimperium, das mit vollen Händen Stipendien vergibt, um die Welt zu verbessern, aber dieser durch ihre Investitionspolitik zugleich schadet.

Dass man sich innerhalb der Stiftung des Widerspruches bewusst ist, zeigt eine Maßnahme, die wohl kosmetisch gemeint ist, aber noch schlimmere Folgen haben könnte. Seit einiger Zeit schon werden der karitative und der investive Zweig strikt getrennt. Nun verkündete die Stiftung, man wolle den letzteren Teil auslagern in einen eigenen Trust. So könnte er unabhängiger wirtschaften. Nicht zum ersten Mal übrigens fällt ein Schatten auf ein so edles Unternehmen. Die Nobel-Stiftung, die jedes Jahr das Preisgeld für die wichtigsten Preise der Welt gibt, soll ihr Kapital in Aktien von Unternehmen angelegt haben, die Splitterbomben und Atomwaffen produzieren.