Unruhe bei Kirch-Firma Sirius Am Ende der Medienallee

Dieter Hahn trennt sich von Sirius-Geschäftsführer Dejan Jocic - er soll sein Vertrauen missbraucht haben.

Von Christopher Keil

Es gab mal einen Geschäftsführer von Pro Sieben. Der hieß Dejan Jocic. Immerhin lenkte Jocic den kommerziellen Kanal aus der erloschenen Kirch Media von Mai 2004 bis Dezember 2005.

Das ist eine lange Weile, wenn man bedenkt, dass zwar Jocic sich für außerordentlich geeignet hielt, so eine verantwortliche, anspruchsvolle Position auszufüllen - außer ihm aber kaum jemand sonst.

Dafür war er bei den Produzenten sehr beliebt. Der neue Pro-Sieben-Boss brauchte Beratung. Und was da alles von Jocic bestellt wurde an Programm, war auch abenteuerlich.

Als er dann entlassen wurde, wünschte man ihm seitens der Pro Sieben Sat1 Media AG das Beste und wusste wohl, das Beste für Jocic würde ohnehin seine über Jahre geschliffene Nähe zu Dieter Hahn sein, Leo Kirchs großem Vertrauten. Doch offenbar reichte Jocic auch die größtmögliche Nähe zu Hahn und Kirch irgendwann nicht mehr. Seit Freitag vergangener Woche ist Jocic nicht mehr für Hahn und Kirch tätig, er wollte allem Anschein nach schlauer als beide sein.

Hahn, 47, hatte den 36-jährigen Jocic 2007 zum Geschäftsführer der Kirch-Firma Sirius gemacht und damit zu einem Botschafter in den Verhandlungen um den größten Deal mit der Fußball-Bundesliga aller Zeiten. Kirch plante, mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen Fernsehsender zu gründen und den Profiligen für die exklusive Vermarktung ihrer TV-Rechte von 2009 bis 2015 drei Milliarden Euro zu zahlen.

Das Kartellamt untersagte das Geschäftsmodell im Sommer, bis Ende September wollen DFL und Sirius ihre Kooperation dem Vernehmen nach niederlegen, die DFL wird dann die Fernsehrechte der Bundesliga wie bisher alleine ausschreiben.

Auf eigene Rechnung?

Man könnte meinen, Jocic geht zum richtigen Zeitpunkt, ganz freiwillig geht er nach SZ-Informationen nicht. So soll der Sirius-Geschäftsführer - dessen Jahresgehalt bei 500.000 Euro gelegen haben könnte - aus den Räumen der Sirius und unter Einbindung von Sirius-Mitarbeitern nebenher selbst den einen oder anderen Handel gemanagt und Hahn verschwiegen haben. Angeblich sei es dabei auch um die Vermarktung der Uefa-Cup-Spiele des Bundesligisten VfL Wolfsburg gegangen.

Eine Rolle bei der Rechtfertigung Jocics könnte das Unternehmensschild "Medienallee GmbH" gespielt haben. Medienallee ist eine Jocic-Firma. Über sie wickelte der gefallene Kirch-Mann in der vergangenen Saison zum Beispiel die Fernsehrechteverwertung der Uefa-Cup-Spiele des FC Bayern München ab. Über die Medienallee wurden anfänglich wohl vertragliche und logistische Angelegenheiten in Vorarbeit zu dem nun gescheiterten Milliarden-Abkommen mit der DFL geregelt.

Nach Gründung der Sirius ging vermutlich alles die Sirius Betreffende von der Medienallee auf die Sirius über. Aber das Firmenschild "Medienallee" am Stammsitz von Kirch und Hahn, der Kardinal Faulhaber Straße 15 in der Münchner Innenstadt, blieb. War das für Jocic die Legitimation, auf eigene Rechnung in Fernsehrechten zu machen?

An diesem Dienstag verhandelten Jocic und Hahn offenbar die Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Für Hahn, der Jocic aus den frühen 90er Jahren kennt, weil beide für das Deutsche Sportfernsehen (DSF) der Kirch-Gruppe im Einsatz waren, hat Jocic Vertrauen missbraucht, schildert ein Insider. Erstaunlich ist die Chuzpe, mit der Jocic mutmaßlich unterm Dach seines Mentors die eigene Karriere beförderte. Glaubte er während des Kartellamtsstreits um das Bundesligarechteverfahren nicht mehr an die Zukunft von Sirius und versuchte, sich auf eigene Beine zu stellen?

Jocic war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein Kirch-Sprecher mochte auf Anfrage keine Auskunft erteilen.

Es gab mal einen Geschäftsführer von Sirius.