Die Öko-Avantgarde: Nur eine diskursmächtige Minderheit mit hoher Bildung und Einkommen kann sich nachhaltigen Lebensstil leisten. Warum die Politik die Umwelt retten muss.
Der ökologische Diskurs zeichnet sich in Deutschland durch eine bemerkenswerte Skepsis gegenüber den Möglichkeiten institutionalisierter Politik aus. Die Notwendigkeit "umweltfreundlichen" Handelns wird dementsprechend auf zwei Ebenen thematisiert. Gefragt sei nicht nur eine konsequente Umweltpolitik, vonnöten seien mindestens ebenso sehr Bewusstseins- und Verhaltensänderungen im Alltag eines jeden Einzelnen.
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Als Autos noch keine Haltung, sondern PS haben mussten: Werbung für die US-Automarke Oldsmobile, 1951. (© Foto: TV-yesterday)
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Im gegenwärtigen Boom von Klimaratgebern und Öko-Lifestyle-Internetportalen, im Kauf von Autos mit Hybrid-Antrieb oder dem Wechsel zu Ökostrom-Tarifen drückt sich nicht nur ein fehlendes Vertrauen in den Politikbetrieb aus, sondern zugleich auch eine immense Überschätzung "politisierter" Alltagspraxis. Denn diese gelangt selten über die Sphäre der symbolischen Ökonomie des Avantgarde-Bewusstseins hinaus.
Der Wunsch, den eigenen Alltag entlang einer politischen Leitidee zu organisieren, ist selbstredend nicht in allen gesellschaftlichen Schichten gleich stark verankert. Auch wenn in der Diskussion um den Klimawandel gern hervorgehoben wird, dass das "Überleben der Menschheit" auf dem Spiel stehe, so hat eine Mehrzahl der Bundesbürger offensichtlich drängendere Alltagssorgen.
Den Versuch eines "nachhaltigen Lebensstils" unternimmt lediglich eine kleine, wenn auch diskursmächtige Minderheit, die sich nicht zuletzt durch eine Kombination von hohen Bildungsabschlüssen und Einkommen auszeichnet.
Die gesteigerten Ansprüche an das Klimabewusstsein des verantwortungsbewussten Einzelnen sind jedoch nur um den Preis einer Verkomplizierung seiner Alltagspraxis zu haben. Schließlich ist beinahe jede Handlung in irgendeiner Weise klimarelevant. So entsteht der Öko-Avantgarde aber nicht nur ein deutlich erhöhter Bedarf an Orientierungswissen. Sie muss sich zudem mit dem selbst gewählten Anspruch herumschlagen, dieses Wissen trotz vielfacher Widerstände auch handlungsleitend werden zu lassen.
In Milieus, in denen die dazu notwendigen Kapazitäten zeitlicher, kognitiver und finanzieller Art eher schwach ausgeprägt sind, wird ein klimabewusster Lebensstil fremd bleiben müssen. Ein solcher ist aus Sicht des Einzelnen nur dann erstrebenswert, wenn die eigenen Anstrengungen auch mit positiven Bedeutungskonnotationen versehen werden können.
Die ruinieren unser Klima
Am sichersten gelingt diese Operation noch immer im beständigen Vergleich mit anderen, weniger umweltbewussten Existenzen - sei es in der moralisierenden Abwertung der Ignoranten in der eigenen Nachbarschaft ("das muss doch wirklich nicht sein"), sei es in der selbstgerechten Verurteilung von China, Brasilien und den USA, die gern unter Generalverdacht gestellt werden, "unser Klima zu ruinieren".
Man könnte über die Fragwürdigkeit solcher Motivlagen getrost hinwegsehen, wenn sie denn spürbar positive Klima-Effekte nach sich ziehen würden. Dies aber ist allzu häufig nicht der Fall, vor allem deshalb, weil der Einzelne der Komplexität klimapolitischer und energiewirtschaftlicher Funktionszusammenhänge meist nicht gewachsen ist.
Nur ein Beispiel: Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass Stromsparen im Haushalt zu einer Verminderung des CO2-Ausstoßes führen wird. Dem ist jedoch mitnichten so. Denn das EU-Emissionshandelssystem ist so konstruiert, dass das Gesamtvolumen der Emissionsberechtigungen, die von Kraftwerksbetreibern und energieintensiven Industriezweigen erworben werden müssen, schon auf Jahre hinaus festgelegt ist, mit stetig sinkender Tendenz. Eine verminderte Elektrizitätsnachfrage privater Haushalte ändert nichts an der Gesamtzahl der ohnehin knappen Zertifikate.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum Stromsparen nicht weiterhilft.
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Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
...die Natur und das Klima sind immer stärker der Ausbeutung ausgesetzt und wirtschaftliche Einzelinteressen stehen über dem Allgemeinwohl. Naturgesetze so auszunutzen und den gesamtwirtschaftlichen Schaden von mehr als 400 Billionen US $ sind langfristig zu multiplizieren und ergeben somit einen Bankrott, da Einzelgewinne nicht über den Belangen der gesamten Menschheit stehen dürfen. Die Globale Betrachtung der Erde als Gesamtkunstwerk tut Not und die Weltregierung zum Wohl nicht zum Unwohl sollte mal angedacht werden, damit das Gleichgewicht nicht radikal kippt und derzeitige Währungen und Reichtümer gar keine Rolle mehr spielen, da die Weltordnung dann eine komplett andere wird.
Resourcenverschwendung und Raubau und -ausbeutungen haben Folgen und die können durch nichts abgefangen werden. Vielleicht stehen wir kurz vor einem Kollaps und die Weltgemeinschaft steht nicht mal zusammen, sondern begeht Kriege und andere Vernichtungen von Resourcen am laufenden Band.
Eigentlich spricht man von der Generation der Hochtechnik, aber wenn die Natur angegriffen wird, scheint sich die Dummheit und Verständnislosigkeit leider rasant zu verbreitern, denn wer zerstört schon den Ast, auf dem er sitzt ?
Macht und Gier sind nicht mit Gemeinwohl zu vereinbaren und das Oberste Gericht dürfte hier wohl eine Verurteilung planen, da das Weltklima an verschiedene Grenzen
stößt und kollabiert - zum Schaden aller, nicht von Einzelnen.
Möge die Politik sich seiner Verantwortung bewußt sein, denn dann gehen ca. 5 Millarden Menschen auf die Straße und schlagen den Verantwortlichen alles um die Ohren, weil eine Rettung nicht in Sicht ist und versucht wurde.
Zuviele wollen durch Ausbeutung profitieren und das ohne Rücksicht auf den Verlust der Lebensgrundlagen aller !!! Was für eine riesen Sauerei und bodenlose Gemeinheit, dies unseren Kindern als Erbe anzubieten !!! Schämt Euch Ihr Politiker, die Ihr nur hinschaut und wegschaut, statt wie die Feuerwehr zu reagieren und den Brand zu löschen, aber nicht mit Öl, Benzin und Kraftwerken usw.!!!
Profitgier in einer Welt des Ultrakapitalismus erscheint derzeit eher als edel und gewünscht, als verwerflich. Das gesunde Wachsum muss man da bezweifeln !!!
sehr realistische Einschätzung, kann mich nur anschließen
@Dowanda
Wer sagt denn das jener der gegen den Tiertransport ist und gleichzeitig Tierversuche befürwortet?
Ein wenig über den Kamm geschert?
Im Prinzip haben sie auf eine Weise recht, Es wird immer schnell Panik gemacht, so als ob wir Morgen sterben würden. Es vermitelt einem das Gefühl eines wilden Hühnerhaufens, welches von einer Ecke in die nächste gescheucht wird.
Warum etwas gegen die Mülltrennung spricht, verstehe ich nicht im Zusammenhang mit der Regierungsfreundlichen profitierenden Industrie? Nur weil jemand die Taschen aufhält um abzuzocken ist einfach kein Argument gegen die Mülltrennung.
Es ist sicherlich richtig, dass das Konzept "Emissiionshandel" dramatischer Verbesserungen bedarf. Nicht nur innnerhalb der EU, sondern weltweit.
Allerdings kann der Einzelne sehr wohl ein grosses Stueck zum globalen Klimaschutz beitragen: Indem er, inzwischen ja beinahe unabhaengig von Einkommen und Status, weniger fliegt.
In einer grossen US Tageszeitung stand vor kurzem eine Formel, in die man seine Flugmeilen, gefahrene Kilometer mit dem Auto (unter Beruecksichtigung des durschnittlichen Benzinverbrauchs), Strom- und anderen Energieverbrauch im Haushalt etc. eintragen konnte, um so den persoenlichen CO2 "Fussabdruck" zu ermitteln.
Ergebnis: Nichts beeintraechtigt das Endergebnis auch nur annaehernd so stark wie das Fliegen. Beispielsweise liegt mein persoenlicher CO2 "Fussabdruck" bei - fuer mich schockierenden - 42 Tonnen pro Jahr. Der US Durchschnitt (ohnehin der schlechteste der Welt) liegt bei etwa 22 Tonnen. Ohne meine beruflich bedingte Vielfliegerei (rund 200,000 Meilen im Jahr) laege mein persoenlicher Wert bei 11 Tonnen. (Lieber waere mir lediglich 5 oder 6 Tonnen, aber das liesse sich durch die Abschaffung meines relativ spritfressenden Autos und bestimmter Umruestungen im Haushalt erzielen).
Darueberhinaus sollten sich viele Menschen mal einfach folgenden Wert vergegenwaertigen: Um ein Pfund (500 Gramm) Rindfleisch fuer den Supermarkt zu produzieren, sind knapp 10,000 Liter Wasser notwendig. Vom Methangasaussstoss der Rinder mal ganz zu schweigen. Vielleicht sollte man allein deshalb versuchen, so vegetarisch wie moeglich zu leben....
Kernzitat aus dem Artikel:
"Die gesteigerten Ansprüche an das Klimabewusstsein des verantwortungsbewussten Einzelnen sind jedoch nur um den Preis einer Verkomplizierung seiner Alltagspraxis zu haben."
Ich denke, das ist falsch. Eine wesentliche "Alltagspraxis", welche die Klimaveränderung überhaupt erst heraufbeschwört hat, ist nämlich schlicht die (zu) hohe menschliche Vermehrungsrate. Und die Entscheidung, wie viele Kinder ich habe, würde ich nicht als besonders kompliziert bezeichnen.
Mein Verdacht nährt sich aufs Neue:
Der saure Regen ist weg, das Ozonloch zieht nicht mehr genug, BSE bleibt auf der britischen Insel und dort nur selten, die Vogelgrippe war ein paniktechnischer Rohrkrepierer - also muss CO2 herhalten.
Obwohl sich immer mehr kritische Stimmen mehren; aber die werden mundtot gemacht oder als Spinner hingestellt. Was im Endeffekt dasselbe ist.
Anstelle der Religion tritt bei uns immer mehr ein Ökoterrorismus. Der fängt bei den obigen Beispielen an, geht über die Ernährung (ich sage nur Cholesterin, Transfette etc) bis hin zur Forderungen nach Menschenrechten für Tiere. Diese Themen werden mit dem Tauchsieder im inzestiösen Feuilleton embeddeder Journalisten so lange hochgekocht, bis sie zwar nur heisse Luft sind - aber eine heisse Luft, die allgegenwärtig ist und allein schon deswegen den Eindruck erweckt, es wäre was dran.
Damit erregt man nicht nur zurecht Trotz und Ungläubigkeit, sondern man diskreditiert auch all diejenigen, die in diesen Fragen mit Maß an die Sache herangehen. Die z.B. auch nicht dafür sind, Motoröl auf die Wiese zu kippen - sich aber fragen, wozu es gut sein soll wenn man teure Mülltrennungssysteme aufzieht von denen offenbar eine regierungsfreundliche Industrie profitiert. Die gegen Tiertransporte quer durch Europa sind, aber Tierversuche z.B. im medizinischen Bereich befürworten usw.
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