Umstrittene "Vertriebenen-Ausstellung" Heimweh, das ich meine

Die Kritiker von rechts und links, aus In- und Ausland hatten längst die Messer gewetzt. Doch die Ausstellung über "Flucht und Vertreibung" in Berlin verkitscht, vergisst, vermengt und vernachlässigt ihre eigentliche Aufgabe in geschichtslosen Flucht-Requisiten und Heimat-Sammelsurium.

Von Sonja Zekri

Monatelang war es verdächtig still um die Ausstellung des ¸¸Zentrums gegen Vertreibungen" in Berlin, aber kurz vor der Eröffnung hatte sich das Crescendo doch noch eingestellt.

Das unkommentierte Nebeneinander unterscheidet auf den ersten Blick nicht, ob der Flucht womöglich ein Angriffskrieg vorangegangen ist.

(Foto: Foto: Katalog)

Im Abstand oft weniger Stunden meldeten sich zu Wort: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, der der Eröffnung mit ¸¸gelassener Neugier" entgegensah, aber keineswegs den Eindruck erwecken wolle, die Schau sei der Nukleus jenes ¸¸Zentrums gegen Vertreibungen", auf das die Chefin des Vertriebenen-Bundes Erika Steinbach seit nunmehr zehn Jahren hinarbeitet. Dann Bundestagspräsident Norbert Lammert, der die Ausstellung jedoch als ¸¸ausgezeichnete Visitenkarte" für ein solche Zentrum in Berlin sieht; der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel, der daran erinnert, dass sich der Bund der Vertriebenen mit seinem ¸¸sehr schiefen" Geschichtsbild für ein solches Zentrum disqualifiziert habe; Polens Präsident Lech Kaczynski, der feststellte, die Schau widerspreche ¸¸polnischen Interessen"; und natürlich Erika Steinbach selbst, die betonte, sie sei fest überzeugt, dass Angela Merkel sich für das avisierte Zentrum in Berlin einsetze.

Was also erwartete den Besucher im Kronprinzenpalais? Finsterer Revanchismus oder eine notwendige Ergänzung? Zunächst mal: Ein kleiner Eklat. Als Erika Steinbach im Foyer des Kronprinzenpalais vor die Kameras tritt, versuchen Demonstranten des ¸¸Berliner Bündnisses gegen Geschichtsrevisionismus" ein Transparent zu entrollen. Als das nicht gelingt, werfen sie Flugblätter in die Luft. Erika Steinbach unterbricht ihren Vortrag nicht für eine Sekunde. Und schließlich protestierten vor dem Palais auch noch Rechtsextreme gegen das geplante Zentrum: 50 Jugendliche, überwiegend aus Polen angereist, mit Transparenten und rot-weißen Fahnen.