Wir lieben sie nicht mehr, pflegen sie nicht mehr, schenken ihr keine Aufmerksamkeit: Ist die deutsche Sprache am Ende?
Die deutsche Sprache, wie sie heute gesprochen und vor allem: geschrieben wird, ist eine Entwicklung des späten 18. Jahrhunderts. In einer beispiellosen Anstrengung schuf damals eine Handvoll Dichter, Philosophen, Gelehrter ein neues, reicheres, leichteres Deutsch - nicht für die Politik, denn die deutschen Länder besaßen damals weder eine tragfähige einheitliche politische Organisation noch eine politische Öffentlichkeit, sondern für die Kultur.
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Als Suppe wird sie noch genossen, ansonsten ist der Enthusiasmus für die deutsche Sprache erloschen (© Foto: ap)
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Gebrochene Kraft
Eng verbunden mit der Alphabetisierung, entstand das neue Deutsch in der Literatur, im Gespräch und in der Korrespondenz der Schriftsteller miteinander, in Büchern, in Briefen und auf der Bühne: für eine ganze Gesellschaft, ohne Ausnahme, in all ihren Bereichen. Die Aufmerksamkeit, die zu jener Zeit vor allem dem schriftlichen Ausdruck in der Muttersprache gewidmet wurde, der Erweiterung des Wortschatzes, der Abwehr von Fremdwörtern, den vielfältigen Möglichkeiten von Wortfolge und Satzbau, war dabei Ausdruck eines gewaltigen Bedürfnisses nach Verständigung und Verständlichkeit. Das neue Deutsch sollte sich auf der Höhe der anderen Kultursprachen befinden, also des Französischen sowie, vielleicht wichtiger noch, der antiken Vorbilder, des Lateinischen und des Griechischen.
Wann genau der ungeheure Enthusiasmus erlosch, der den Aufbruch zu einem neuen Deutsch trug, wann genau das allgemeine Bedürfnis verlorenging, sich um die Sprache zu sorgen und sich ihretwegen Gedanken zu machen, lässt sich nicht ermitteln. In einem gerade erschienenen Aufsatz unter dem Titel "Über das Ende der Sprache" (in dem Band: "Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache", herausgegeben von Markus Messling und Ute Tintemann. Wilhelm Fink Verlag, München 2009) berichtet allerdings der Berliner Romanist und Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant, wie die Kraft, die eine Erneuerung zumindest der geschriebenen Sprache hervorbrachte, von vornherein gebrochen war - daneben gab es immer noch die Hoffnung auf die eine, reine Sprache. Denn hatte man zuvor, streng aristotelisch, gerne geglaubt, die Verschiedenheit der Sprachen sei nur eine Verschiedenheit der Laute, fand die beginnende europäische Sprachforschung sehr schnell heraus, dass die einzelne Sprache sehr wohl einen Einfluss auch auf die Beschaffenheit des Denkens hat.
Je größer die Wissenschaft, desto kleiner das Verständnis
So träumte schon die Philosophie der Aufklärung von universellen Wörtern und universellen Grammatiken. Und besitzt nicht die Mathematik die Fähigkeit, jenseits der Sprache allen dasselbe zu sagen? Sie ist die erste Ausnahme bei dem Versuch, einer ganzen Gesellschaft eine alle Bürger vereinende Sprache zu geben - in Gestalt eines sich selber immer wieder erneuernden "Sprachdenkens" (Jürgen Trabant), dessen Medium nur die Literatur sein kann. Bald jedoch wanderten die Natur- und Ingenieurwissenschaften aus der gemeinsamen Sprache aus, und im selben Maße, wie sich diese Wissenschaften auf die Mathematik gründeten, entwickelten sie jeweils eine Kultur für sich selbst. Je größer diese Wissenschaften wurden, desto weiter entfernten sie sich von ihrem Ausgangspunkt, der Aufklärung und deren Anspruch, dass alles von allen solle verstanden werden können.
Lesen Sie auf Seite 2 über die Sprachfeindschaft unserer Kultur und was Goethe sagen dazu würde.
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Partyzone Flußufer
Sie schrieben zum Thema Deutsche im Ausland:"Sobald sich in einer Runde von 10 Deutschen 1 Ausländer dazugesellt, schaltet alles auf Englisch um. "
Ich kenne das in New York noch extremer: Selbst in einem rein deutschen Zirkel sprechen die Deutschen untereinander Englisch! Und so ergeben sich, wenn ich dabei bin, recht seltsame Konversationen. Ich spreche (aus Freude an der Muttersprache) deutsch, und alle anderen Deutschen antworten mir auf englisch! Einfach affig.
Vielleicht muss man auch den Druck auf die, die die Sprache nicht zu beherrschen gelernt haben (Sprachbabys, Schlagzeilenscanner, Glotzenanbeter) etwas erhöhen, damit sie nicht im Sumpf der Schnellsprache vergammelt. Nötig wär's.
Das Wort Albtraum ergibt eher einen Sinn, wenn es mit "b" geschrieben wird:
Alben waren in der germanischen Mythologie für die Träume zuständig. Auf sie führte man die schlechten Träume zurück. Insbesondere stellte man sich bildlich die Alben meist in menschenähnlicher Gestalt auf der Brust des Schlafenden hockend vor, was ein unangenehmes Druckgefühl auslöste, daher auch die ältere Bezeichnung Alb- oder Alpdruck. Alb ist verwandt mit Elf, Elfe.[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Albtraum
Allerdings wusste ich das bis vor einigen Jahren selbst nicht. Habe Alptraum immer mit p geschrieben, aber logisch ist es eigentlich nur mit einem "b".
In den Faellen, so wie sie hier die SZ bespricht, denke ich immer an die Buecher von Bastian Sick "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod". Zum Schreien komisch, aber eigentlich moechte man weinen bei soviel Bloedheit.
Am allerschlimmsten finde ich es, dass (!!!) die meisten Menschen "das" und "dass" nicht mehr auseinanderhalten koennen. Ich bin mir sicher, dass das "das" bald das einzige das ist :) und dass das "dass" bald ganz verschwindet aus der deutschen Sprache. Oh weh!
Herr Trabant tut mir echt leid. Es muss für so einen Sprachbewahrer grausam sein, täglich mitzuerleben, wie seine Geliebte misshandelt wird. Da hilft nur eins: mit gutem Beispiel voran. Ein tolles lyrisches Werk verfassen und allen Fachtexten endgültig den Rücken kehren. Vor allem solchen, die so kryptisch verfasst sind, dass sie nur von Wissenschaftlern gelesen werden können.
Es soll zwar Damen geben, die unentwegt plaudern ohne Luft zu holen, aber im Grunde nur ihr Innerstes nach außen kehren. So weit, so gut.
Es soll aber auch Politikermänner geben, die stundenlang reden können ohne einen sinnvollen klaren Satz von sich zu geben. Auch das will gekonnt sein.
Ein Bayer spricht zwar Mundart, aber sehr gekonnt auf das Wesentliche beschränkt:
Wuist was? Naaa!. Ich liebe meine Bayern. Und meine Ostfriesen, wobei Otto wohl eine plätschernde aber intelligente Ausnahme ist. Ein Wort am Tag reicht normalerweise. Zwei Worte sind schon Geschwätz.
Fragen Sie in Deutschland einen Passanten mit dunkler Haut nach dem Weg vielleicht noch auf Denglish, so kann es schon geschehen, dass er im schönsten Deutsch antwortet: Kanst scho schwäbisch mit mir schwätze.
Deutschland ist kunterbunt in seiner Kultur und Sprache, warum sind wir Deutschen nicht in der Lage uns darüber zu freuen und für unsere Sprache und unser Denken 10 Sekunden mehr Zeit aufzuwenden und nicht dumm daherzureden. Gedankenlos, wurschtig, deprimiert.
Um-Ba-Ga-Bu, was redst so gscheert daher, warum denkst du nicht nach, vor dem Reden?
Wei I net mog...
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