U2 haben live kein Charisma. In Barcelona präsentieren sie sich trotzdem als weltbeste Stadionband - dank der rechten Hand ihres Gitarristen.
Das Stadion Camp Nou in Barcelona ist ein Betonkessel, der knapp 99000 Zuschauer fassen kann. Legt man das Spielfeld mit Bodenplatten aus, lässt sich die Zahl noch erhöhen. Als U2 diese Woche ihre aktuelle Welttournee im Camp Nou eröffneten, sollen sie die 100000er-Marke übersprungen haben. Wobei die genaue Zuschauerzahl keine Rolle spielt, denn wenn ein Publikum dieser Größe auf den Anfangsakkord eines Songs wie "Beautiful Day" erst mit frenetischem Jubel reagiert, um dann in den Refrain einzufallen, entwickelt das einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Wie eine Science-Fiction-Kulisse ragt die Bühne mit 50 Meter hohem Stahlgerüst und einer 360-Grad-Leinwand in den Nachthimmel. (© Foto: getty images)
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Und weil das Konzert in jenem Stadion stattfand, in dem sonst der FC Barcelona spielt, dessen Fans ebenso leidenschaftlich wie launisch sind, wogten schon vor dem Konzert La-Ola-Wellen durch die Ränge, skandierten Fanchöre so laut, dass Bono das Programm unterbrach, um sich minutenlang der bedingungslosen Begeisterung der Hunderttausend zu ergeben, die seine missionarischen Politpredigten später jedoch mit ungeduldigem Schweigen quittierten.
Stadionkonzerte sind die Königsdisziplin der Rockmusik. Spätestens mit ihrem Konzertfilm "Rattle and Hum", den sie vor über 20 Jahren aufnahmen, haben sich U2 als ewige Herausforderer der größten Stadion-Acts des Rock positioniert. Sie haben gegen die Legenden der Konzerte von The Who, den Rolling Stones, Bruce Springsteen und AC/DC angespielt.
U2 beherrschen die Königsdisziplin des Rock: Stadionkonzerte
Bei einer Umfrage unter Rockstars und -journalisten nach den 50 besten Livebands aller Zeiten kamen sie letztes Jahr nach Rammstein und Motörhead zwar nur auf Platz 27. Doch das hat einerseits mit der Last der Geschichte zu tun, die im Rock immer schwerer wird (Jimi in Monterey! Led Zep im Madison Square! Queen im Wembley!). Vor allem aber mit den Schwierigkeiten, die so viele Rockkritiker mit U2 haben. Denn eigentlich ist U2 schon lange die beste Stadionband ihrer Zeit. Das hat weniger mit ihrem Charisma zu tun (das haben sie nicht) oder der Show (selbst mit 50 Meter hohem Bühnenaufbau nie im Vordergrund), sehr viel jedoch mit ihrer Musik.
Der Schlüssel zur Musik von U2 liegt in der rechten Hand des Gitarristen David Howell Evans mit dem bedauerlichen Künstlernamen "The Edge". Live lässt sich das am besten nachvollziehen, denn auf der Bühne reduzieren U2 ihre Songs auf das spartanische Arrangement eines Rocktrios. Während eines typischen U2-Songs wie "Where The Streets Have No Name" oder der aktuellen Single "Magnificent" baut "The Edge" mit raffiniert verlangsamten Arpeggien eine melodiöse Spannung auf, die er spätestens im Refrain mit einem Staccato aus Powerchords auflöst. Damit erzielt er einen Effekt, der an Surfer erinnert, die mit großer Kraft auf eine Welle und in ihren Kamm paddeln, um sich dann aufzurichten und den enormen Schub des Brechers abzugleiten.
Verstärkt wir dieser Effekt durch Schlagzeuger Larry Mullen Jr., der das Staccato der Powerchords auf der kleinen Trommel aufnimmt, und Bassist Adam Clayton, der sich darauf beschränkt, die Grundtöne des jeweiligen Akkords mit gezupften Achtel- oder Viertelnoten zu akzentuieren.
Das Geheimnis liegt im aufdringlichen Pathos
Entwickelt haben U2 diese Formel in ihren ersten Jahren. Zementiert wurde sie auf dem Album "The Joshua Tree", das Bands wir Coldplay, Snow Patrol oder Kings of Leon bis heute als Blaupause für stadiontauglichen Rock dient. Der Vergleich mit den Surfern ist dabei nur ein Aspekt des U2-Effekts. Der entscheidende Unterschied zu den unzähligen Bands, die U2 seit über 20 Jahren nacheifern, liegt im inbrünstigen Pathos und der gar nicht so subtilen christlichen Spiritualität, mit der Sänger Paul David "Bono" Hewson seine Fans in die Verzückung und so viele rechtschaffene Rockfreunde in verzweifeltes Fremdschämen treibt.
In einem ausverkauften Stadion hat die Methode allerdings eine unwiderstehliche Wirkung, denn so treiben U2 das Leitmotiv der Rockmusik auf eine neue Spitze: Es geht ihnen nicht nur um die Befreiung, es geht ihnen um nicht weniger als um die Erlösung.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, was Bono mit der Jungfrau Maria zu tun hat.
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- USA: Urteil des Supreme Courts Verfluchtes Fernsehen 29.04.2009
- Bono Wenn das Ego zu stark ist 18.08.2008
Bundespräsident Gauck in Israel
@novocain
Bei U2 hat fast alles nur mit Musik zu tun. Das weiß man, wenn man U2 besser kennt. Ist aber kein Vorwurf. Die Bühne ist übrigens nur aus einem einzigen Grund so groß: damit das 360°-Konzept in einem großen Stadion mit hohen Tribünen aufgeht. Man muss nämlich von jedem Platz aus unter dem Bühnendach mit Leinwand usw. durchsehen können. Das haben die Bühnendesigner alles an anderer Stelle mal sehr schlüssig erklärt. Das Ding ist für mich eine Revulotion was Stadionkonzerte betrifft. Andere Bands werden es kopieren. Sicher. Man muss sich nur die Videos aus Barcelona auf youtube ansehen. Da sieht man wie toll das funktioniert (z.B. bei The Unforgettable Fire) und wie intim es sein kann (Angel of Harlem).
würde man das vor dieser phänomalen, glitzernden, maßlos übertriebenen Bühne eh nicht erkennen.
Ist aber keine Wertung. Ich bin kein Fan, noch kenn ich viele ihre Lieder.. aber warum halten die sowas für nötig. Größenwahn? Am besten im Hintergrund noch eine Trägerrakete zur Zugabe abschießen. Dann sind die Zuschauer am Ende nicht nur blind, sondern auch taub. Hat doch mit Musik nichts mehr zu tun.
zitat:"Das hat weniger mit ihrem Charisma zu tun (das haben sie nicht)"
ach haben sie nicht? andrian, wie kommst du zu so einer aussage?
*kopf schüttel*