"Twilight - Biss zum Ende der Nacht, Teil 2" Kompliziert, aber egal

Auffällig ist, dass Kristen Stewart beim Ausleben ihrer neuen Vampirkräfte hier mehr wie ein lebendiges Mädchen aussieht als in den vier Filmen zuvor. Vielleicht liegt das daran, dass es ihr Spaß macht, endlich unabhängig im Wald herumzurennen und auf hohe Felsen zu klettern, jedenfalls wischt die Bewegung die schlechte Laune aus ihrem Gesicht. Bis zum ständigen Strahlen eines Robert Pattinson ist es allerdings noch ein weiter Weg, aber so viel Glück wie er will man sowieso nicht gern im Gesicht tragen.

Kristen Stewart als Bella und Robert Pattinson als Edward in "Twilight: Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)".

(Foto: dpa)

Ist das junge Paar dann daheim, wird der Alltag der Großfamilie gezeigt: Die verschiedenen Vampirpaare stehen in Zweierformation herum, voll Zuneigung schimmern die gelben oder roten Augen, gesprochen wird nur das Nötigste. Ziemlich steif wirkt das alles, und ob sachfremde Zuschauer das noch verstehen werden, ist fraglich.

Genauso fraglich ist aber auch, ob es überhaupt noch sachfremde Zuschauer geben wird. Die vier Romane von Stephenie Meyer sind Zugangsvoraussetzung, und dann spielte das Drama auch noch endlos in der Realität der Leute-Spalten und Teenie-Medien weiter, weil die Hauptdarsteller Kristen Stewart und Robert Pattinson tatsächlich ein Paar wurden, in der Realität sogar süffiger als im Film, mit Fremdgehen, Trennung, öffentlichen Entschuldigungsbriefen - und Kristen Stewart am Pranger des globalen Dorfs, die exemplarische Beziehungssünderin ihrer Generation. Todesdrohungen, Kreisch-Premieren - alles jetzt bald vorbei.

Um das Finale also entsprechend gewaltig zu begehen, muss eine letzte große Bedrohung der Vampire her, eine Bedrohung, wie sie nur von der eigenen Spezies ausgehen kann. Schon marschiert der machthungrige Zirkel der Volturi aus Italien an, schwarze Mäntel schwingen rhythmisch durch den Schnee. Die Gründe der Fehde sind kompliziert, aber egal. Eine Konfrontation steht aus seit Band zwei des Buches, oder, wenn man Dracula fragt, der hier einen plötzlichen Auftritt hinlegt, seit fünfzehnhundert Jahren. Um der Gefahr entgegenzutreten, mobilisieren Bella und Edward alte Vampirfreunde, und das Ergebnis sieht aus wie eine Hippie-Kommune im Skiurlaub. Gestalten mit sehr viel Haar und gewagter Bekleidung versammeln sich um Lagerfeuer, ein Superkräftemessen wird veranstaltet.

Die kleinen Freuden der Familie

Viele der angereisten Vampire haben besondere Talente, ähnlich wie Superhelden, aber wer auf einen Showdown hofft, bei dem diese Kräfte differenziert zum Einsatz kommen, der wird ein bisschen enttäuscht. Natürlich gibt es den Clash der Vampire, wilder als erwartet, aber hier werden ihre magischen Künste der lästigen Pflicht zum Actionfilm unterworfen. Bei aller Gewalt wirkt die große Vampirschlacht eher mittelfurios, sobald die Kamera das Geschehen aus der Totalen zeigt - in der Weite der Wälder und Berge machen selbst hundert wütende Vampire nicht allzu viel her.

Vielleicht braucht "Twilight" aber genau diese physische Note, damit endgültig klar wird, wo hier die Prioritäten liegen - nämlich bei den kleinen Freuden der Familie. Die Saga begann unter Teenagern, die von daheim in die Welt hinausdrängten, ganz gleich ob Mensch oder Vampir. Sie hatten Pläne und Heimlichkeiten, sie wollten Abenteuer mit ihresgleichen erleben, nicht mit ihren Eltern. Jugendlicher Größenwahn, kombiniert mit der Unsterblichkeit des Vampirs - Edward hätte mit seiner Freundin jede Grenze überschreiten können. Und doch zeigt sich nun, dass der ewig Siebzehnjährige einem biederen Lebensentwurf folgt. Statt Weltherrschaft oder Heldentum anzusteuern, lässt er sich nach einem - zugegeben langwierigen - Ausflug in allerlei Beziehungswirren wieder klaglos ins familiäre Gefüge einbinden.

Im Zuge seiner fünf Teile hat "Twilight" zudem den Vampir als Loverboy etabliert, weit weg von seinem einst so gefährlichen Image. Der Vampirismus ist dabei eine Art Ideal geworden - nur hier sind die Elternhäuser noch intakt, herrscht noch ein Bewusstsein für Tradition und Herkunft. Also ist es Bella, die Edward folgt. Sie gibt ihre Welt für ihn auf, sie legt ihr lebendiges Herz für ihn still. Das ist zwar eine schöne Geste, aber doch eine ordentlich altmodische Haltung - selbst wenn als Preis dafür die große Liebe winkt.

Kann diese alles rechtfertigen? Werden ihr nicht, nach 500 Jahren Ehe, doch erste Zweifel kommen? Das wird man jetzt nur noch in der Realität beurteilen können: Sobald man sieht, was aus dem Traumpaar Stewart-Pattinson wird, wenn die letzte Premiere des Films vorüber ist.

Breaking Dawn - Part 2, USA 2012 - Regie: Bill Condon. Buch: Melissa Rosenberg. Kamera: Guillermo Navarro. Mit Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Peter Facinelli. Concorde, 116 Min.