Mit Nachrichten ist nichts mehr anzufangen: Das Beispiel N 24 zeigt, wie Finanzinvestoren Medienbetriebe von gesellschaftlicher Verantwortung abkoppeln.
Als Ende vergangenen Jahres bekannt wurde, dass Thomas Ebeling im Januar 2009 den Vorstandsvorsitz bei der Pro Sieben Sat1 AG übernehmen würde, war das nur vordergründig eine überraschende Personalie. Vordergründig, weil sich bekannte Branchenmanager wie der ehemalige Gruner+Jahr-Chef Bernd Kundrun oder auch Thomas Rabe, Finanzchef von Bertelsmann, für den Posten interessiert hatten und auch geeignet schienen, geeigneter als Ebeling.
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Thomas Ebeling (mit Moderatorin Sonya Kraus beim diesjährigen Oktoberfest) muss Wachstum bringen und diskutiert Sparpotentiale bei Pro Sieben Sat 1. (© Foto: dpa)
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Die Finanzinvestoren KKR und Permira, denen der mit dreieinhalb Milliarden Euro verschuldete europäische Medienkonzern gehört, wählten konsequenterweise einen "deutschen Top-Manager von internationalem Format", wie sie mitteilten, Ebeling habe bei seinen bisherigen Aufgaben "beeindruckende Wachstumsgeschichten geschrieben".
Geschrieben hat Ebeling, 50, sie bei einem Tabakfabrikanten und einem Getränkehersteller und in der Pharma-Industrie. Mit Fernsehen, den privaten Hausgebrauch ausgenommen, kam er nicht in Berührung, was bei seiner Verpflichtung durch Finanzinvestoren keine Rolle spielte. Fernsehen interessiert Männer wie Götz Mäuser und Johannes Huth eher weniger. Huth leitet seit Juni den Aufsichtsrat bei Pro Sieben Sat1 und ist bei KKR für das Europageschäft (ATU, Kion) zuständig. Mäuser ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Pro Sieben Sat1 und zuständig mit anderen für das Deutschlandgeschäft von Permira (Hugo Boss). Zusammen sind Mäuser und Huth verantwortlich, den Aktionären von Pro Sieben Sat1 mit den Kanälen Sat 1, Pro Sieben, Kabel1 und N 24 in der größten Werbemarktkrise Renditen und Ertragsphantasien zu liefern.
Das ist angesichts der gegenwärtigen Zahlen, angesichts von 129 Millionen Euro Verlust in 2008 und einem Rückgang des Umsatzes im dritten Quartal 2009 um fast 90 Millionen Euro eine schwierige Aufgabe. Sie hat mit Programmqualität, mit gesellschaftlicher Verantwortung, wie sie in Rundfunkstaatsverträgen oder in Landesmediengesetzen oder in Papieren zur Qualitätssicherung des dualen Systems stehen, nichts zu tun. Finanzinvestoren kaufen und verkaufen. Der Verkaufspreis sollte höher als der Einkaufspreis sein, zwischendurch, in einem Prozess, der selten länger als drei Jahre dauert, werden Kosten reduziert und Gewinne gesteigert.
In diesem Zwischenstadium, das im Fall von Pro Sieben Sat 1 durch den enormen Einkaufspreis von ungefähr drei Milliarden Euro und die fürs TV-Business schlechte wirtschaftliche Situation länger als drei Jahre dauern müsste, versucht Ebeling derzeit sein Bestes. Sein Bestes ist dabei immer das Beste für KKR und Permira. Und das Beste, was sich dabei über ihn sagen lässt, ist seine Ehrlichkeit, mit der er dabei vorgeht.
So zeigte er nach Aussage von Anwesenden während der Betriebsversammlung von N 24 am Dienstag der vergangenen Woche in Berlin ein Schaubild, auf dem die vier großen Kostengruppe des Konzerns aufgelistet waren: Nachrichten, Regionalprogramme, Fußball, Verträge mit amerikanischen Studios über Filme und Serien. Er glaube nicht, soll Ebeling mitgeteilt haben, dass mit Nachrichten noch etwas anzufangen sei, er bezog sich dabei wahrscheinlich auf die finanziellen Aspekte. Zwei Tage später formulierte er jedenfalls im SZ-Interview: "Wir haben mit Nachrichten ein wirtschaftliches Problem. (...) Die Frage lautet: Wie differenziert man sich, damit das Nachrichtengeschäft profitabel ist?"
Eine interessante Frage. Nicht einmal RTL verdient mit seiner eingeführten und mit Fernsehpreisen bedachten Nachrichtenabteilung Geld - obwohl das Programm RTL aktuell mit Anchorman Peter Kloeppel eine zufriedenstellende Einschaltquote am Vorabend erreicht, gleiches gilt für die Morgen-, Mittag- und Nachtjournale RTLs, in denen die klassischen News aus dem In- und Ausland untergebracht ist.
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Wettmanipulation im Fußball