Von Christopher Keil

Lange waren die öffentlich-rechtlichen Sender defensiv - nun erhöhen sie ihr Angebot für die Fußball-Europmeisterschaft 2008. Sage und schreibe 115 Millionen Euro wollen sie für 27 Spiele zahlen.

Erst vor kurzem hat die EU-Kommission ihre Untersuchung zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland eingestellt - und nun ist zu erfahren, dass ARD und ZDF mit einem neuen, hohen Angebot die Rechte an den Spielen der Fußball-Europameisterschaft 2008 kaufen wollen.

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Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll die von ARD und ZDF gemeinsam betriebene Sportrechte-Agentur Sporta 115 Millionen Euro für 27 der 31 Partien geboten haben. Bisher standen bei Sporta wohl nur 60 Millionen zur Debatte - für 20 Spiele. Der Durchschnittspreis stiege damit von drei Millionen auf gut 4,2 Millionen Euro. Dieses Modell hätte eine Beteiligung von RTL bedeutet. Der Privatsender gab vor einem Monat durch seinen Sportchef Manfred Loppe bekannt: ,,Die Gespräche zwischen uns und den Lizenzgebern laufen sehr konstruktiv.''

Tatsächlich schien es im März noch so zu sein, dass ARD und ZDF nicht bereit waren, die Übertragung der in der Schweiz und Österreich stattfindenden Euro08 zu jedem Preis zu übernehmen. Im Geschäftsplan, den Sportfive der Uefa vorlegte, stand - bezogen auf den deutschen Markt - angeblich eine Umsatzerwartung von 130 Millionen Euro. Da der europäische Fußballverband Uefa festlegte, dass der überwiegende Teil der Begegnungen im nationalen Free-TV zu empfangen sein muss (vom Viertelfinale an alles), ging die Sporta die Verhandlungen vermutlich gelassen an.

Zur aktuellen Angebotsentwicklung nahmen weder ARD/ZDF noch RTL Stellung. Die Differenz zwischen den gebührenfinanzierten Anstalten und Sportfive betrage derzeit zehn Millionen Euro, berichtet ein Beobachter. Die Summe verlangt der EM-Vermarkter für kleinere, bisher nicht näher definierte Lizenzen.

ARD-Vorsitzender Fritz Raff ließ noch vorige Woche wissen, zwischen dem, was sich die von der Uefa mit der Vermarktung beauftragte Agentur Sportfive vorstelle und dem, was ARD und ZDF böten, lägen Welten - in Zahlen: angeblich 50 Millionen Euro. Doch jetzt sind sich die Welten offenbar ganz nahe gekommen. Mit einem baldigen Abschluss kann gerechnet werden.

Unklar ist, ob eine Vereinbarung mit einem Pay-TV-Anbieter möglich ist. Das Sportfive-Management, das sich nicht äußern will, hat sich offensichtlich verkalkuliert. Der erwartete Bieterkampf der Pay-TV-Unternehmen findet nicht statt. Premiere lehnt ein Engagement ab: Es sei, heißt es, zu wenig Exklusivität geboten, wenn ARD und ZDF groß einstiegen.

Bliebe Arena, der Bundesliga-Kanal. Arena hat im ersten Geschaftsjahr einen Anlaufverlust von 132 Euro gesammelt und braucht dringend Kundschaft. Doch warum sollte sich jemand ein Abo für die EM bestellen, wenn sein Gebührenfernsehen die erste Reihe bietet?

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(sueddeutsche.de)