Von Franziska Seng

Beim Aufklärungsfernsehen mit Jana Ina und Giovanni lernen selbst eingefleischte Verhütungsfanatiker, wie das denn in Wirklichkeit so geht mit der Schwangerschaft.

Es ist eines der letzten künstlerischen Tabuthemen. Egal, ob Anna Karenina oder Sissi-Film: Jahrhundertelang fielen Frauen in Ohnmacht und waren plötzlich in anderen Umständen. Wie das passieren konnte, und was in den folgenden neun Monaten wirklich geschah - darüber wussten selbst sprachgewandte Frauenversteher wie Theodor Fontane oder Leo Tolstoi nur spärlich Auskunft zu geben.

Schwanger oder nicht? Um sicher zu gehen, haben Jana Ina und Giovanni den Wer-hat-den-dickeren-Bauch?-Test gemacht. (© Foto: Pro 7)

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Wie so etwas geht, das weiß man zwar mittlerweile. Das ist voll und ganz dem revolutionären Aufklärungsmagazin Bravo zu verdanken, das vor mehr als fünfzig Jahren zum ersten Mal erschien.

Dank Bravo sind aber jetzt auch die Geburtenraten im Keller. Und einen Schwangerschaftsroman zu schreiben, das haben sich auch die großen Romanciers, von Günter Grass bis Charlotte Roche, immer noch nicht getraut.

Dafür gibt es jetzt, wenn auch leider noch nicht in endgültiger Buchform: Jana Ina und Giovanni. Das Model und der italienische Sofasurfer. Die brasilianische Freak-Beraterin und der Ex-Bro'Sis-Gymnast. Ein vielbeschäftigtes, verliebtes, junges, attraktives Ehepaar, das trotzdem noch Zeit finden will, um eine wichtige Message an die Nation zu bringen: nämlich, dass Baby kriegen "cool" ist.

Die Show kommt zum rechten Zeitpunkt. Denn: Können die heute paarungsreifen (Ex-)Bravo-Leser das überhaupt noch? Sex ohne Verhütung? Das funktioniert doch mittlerweile alles mechanisch!

So ist die Pro7-Produktion "Wir sind schwanger" eine gelungene Mischung aus emotionsschäumender Seifenoper und didaktisierendem Bravo-TV, allerdings für Twens. Jana Ina kann alles haargenau erzählen. Wie das so geht mit dem Schwangerwerden, wie man das so merkt, wenn da was anders ist mit dem Körper, und was man dann so machen muss. Sie ist ein Vorbild für alle jungen Frauen, die bei Themen wie "Eisprung", "Pipi" oder "Periode" in der Öffentlichkeit immer noch - zu Unrecht! - wortkarg werden.

Jana Ina fragt nach. Was man selber schon immer über Schwangerschaft wissen wollte, sich aber nie vor laufender Kamera zu fragen traute. Giovanni ist generell ein Beziehungsprofi und weiß, wie er sich zu verhalten hat. Während Jana Ina sich in der Apotheke zu Schwangerschaftstests beraten, den Ablauf beschreiben lässt, wartet er daheim geduldig auf dem Sofa. Als die Gattin nach Hause kommt, geht's los.

"Es ist besser, in ein Töpfchen zu machen und dann reinstecken!" Äh, echt? "Oh, ich glaube, es ist ein bisschen Pipi daneben gegangen!" Puh ...

Die Spannung wird sehr langsam immer unerträglicher. Das erste Ergebnis des Schwangerschaftstest: positiv, aber ist das auch wirklich sicher? Giovanni springt vom Sofa auf, düst mit seinem Geländewagen in die Nachtapotheke. Neuer Test, warten. Werbung.

Der Gipfel der Gemütlichkeit

Ergebnis: negativ. Jana Ina und Giovanni düsen am nächsten Morgen zum Frauenarzt. Test, warten. Bangen, jetzt auch beim Zuschauer. Warten, Werbung, Ergebnis dann doch positiv.

Es ist ein Fest der Liebe und der Erkenntnis, was den Zuschauer jetzt erwartet, wenn auch kleine Differenzen bei den werdenden Eltern nicht ganz zu vermeiden sind. Beim Babyshoppen zum Beispiel. Jana Ina will einkaufen, Giovanni erachtet den Zeitpunkt dafür noch zu früh. Er findet ein treffendes Gleichnis: "Wenn ich noch kein Auto habe, dann brauch' ich auch noch nicht in die Waschstraße fahren, weil das Auto noch nicht da ist." Richtig! Aber eingekauft wird dann trotzdem.

Lust auf ein trautes Heim, einen großen, herzlichen Familienkreis, das bekommt man wirklich. Spätestens, wenn man als Zuschauer beim Brunchen von Giovannis italienischem Clan ganz kuschelig nah dabei ist. Eine wirklich coole Schwester gibt es da zum Beispiel, die mal Giovannis Hamster umgebracht hat.

Der Gipfel der Gemütlichkeit ist aber erreicht, als die Sprache auf die bemerkenswerten Toilettengewohnheiten des werdenden Vaters kommt. "Jeden Abend um halb acht musste er", erzählt die Mutter kopfschüttelnd. "Ja, mit Stuhlgang hat er wirklich keine Probleme", bemerkt die glückliche Gattin, laut prustend.

Spätestens an diesem Zeitpunkt fühlt man sich dann doch gezwungen, abzuschalten. Weil das einfach nicht mehr zu ertragen ist. So viel Glück.

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(sueddeutsche.de/bica)