Beim Aufklärungsfernsehen mit Jana Ina und Giovanni lernen selbst eingefleischte Verhütungsfanatiker, wie das denn in Wirklichkeit so geht mit der Schwangerschaft.
Es ist eines der letzten künstlerischen Tabuthemen. Egal, ob Anna Karenina oder Sissi-Film: Jahrhundertelang fielen Frauen in Ohnmacht und waren plötzlich in anderen Umständen. Wie das passieren konnte, und was in den folgenden neun Monaten wirklich geschah - darüber wussten selbst sprachgewandte Frauenversteher wie Theodor Fontane oder Leo Tolstoi nur spärlich Auskunft zu geben.
Schwanger oder nicht? Um sicher zu gehen, haben Jana Ina und Giovanni den Wer-hat-den-dickeren-Bauch?-Test gemacht. (© Foto: Pro 7)
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Wie so etwas geht, das weiß man zwar mittlerweile. Das ist voll und ganz dem revolutionären Aufklärungsmagazin Bravo zu verdanken, das vor mehr als fünfzig Jahren zum ersten Mal erschien.
Dank Bravo sind aber jetzt auch die Geburtenraten im Keller. Und einen Schwangerschaftsroman zu schreiben, das haben sich auch die großen Romanciers, von Günter Grass bis Charlotte Roche, immer noch nicht getraut.
Dafür gibt es jetzt, wenn auch leider noch nicht in endgültiger Buchform: Jana Ina und Giovanni. Das Model und der italienische Sofasurfer. Die brasilianische Freak-Beraterin und der Ex-Bro'Sis-Gymnast. Ein vielbeschäftigtes, verliebtes, junges, attraktives Ehepaar, das trotzdem noch Zeit finden will, um eine wichtige Message an die Nation zu bringen: nämlich, dass Baby kriegen "cool" ist.
Die Show kommt zum rechten Zeitpunkt. Denn: Können die heute paarungsreifen (Ex-)Bravo-Leser das überhaupt noch? Sex ohne Verhütung? Das funktioniert doch mittlerweile alles mechanisch!
So ist die Pro7-Produktion "Wir sind schwanger" eine gelungene Mischung aus emotionsschäumender Seifenoper und didaktisierendem Bravo-TV, allerdings für Twens. Jana Ina kann alles haargenau erzählen. Wie das so geht mit dem Schwangerwerden, wie man das so merkt, wenn da was anders ist mit dem Körper, und was man dann so machen muss. Sie ist ein Vorbild für alle jungen Frauen, die bei Themen wie "Eisprung", "Pipi" oder "Periode" in der Öffentlichkeit immer noch - zu Unrecht! - wortkarg werden.
Jana Ina fragt nach. Was man selber schon immer über Schwangerschaft wissen wollte, sich aber nie vor laufender Kamera zu fragen traute. Giovanni ist generell ein Beziehungsprofi und weiß, wie er sich zu verhalten hat. Während Jana Ina sich in der Apotheke zu Schwangerschaftstests beraten, den Ablauf beschreiben lässt, wartet er daheim geduldig auf dem Sofa. Als die Gattin nach Hause kommt, geht's los.
"Es ist besser, in ein Töpfchen zu machen und dann reinstecken!" Äh, echt? "Oh, ich glaube, es ist ein bisschen Pipi daneben gegangen!" Puh ...
Die Spannung wird sehr langsam immer unerträglicher. Das erste Ergebnis des Schwangerschaftstest: positiv, aber ist das auch wirklich sicher? Giovanni springt vom Sofa auf, düst mit seinem Geländewagen in die Nachtapotheke. Neuer Test, warten. Werbung.
Der Gipfel der Gemütlichkeit
Ergebnis: negativ. Jana Ina und Giovanni düsen am nächsten Morgen zum Frauenarzt. Test, warten. Bangen, jetzt auch beim Zuschauer. Warten, Werbung, Ergebnis dann doch positiv.
Es ist ein Fest der Liebe und der Erkenntnis, was den Zuschauer jetzt erwartet, wenn auch kleine Differenzen bei den werdenden Eltern nicht ganz zu vermeiden sind. Beim Babyshoppen zum Beispiel. Jana Ina will einkaufen, Giovanni erachtet den Zeitpunkt dafür noch zu früh. Er findet ein treffendes Gleichnis: "Wenn ich noch kein Auto habe, dann brauch' ich auch noch nicht in die Waschstraße fahren, weil das Auto noch nicht da ist." Richtig! Aber eingekauft wird dann trotzdem.
Lust auf ein trautes Heim, einen großen, herzlichen Familienkreis, das bekommt man wirklich. Spätestens, wenn man als Zuschauer beim Brunchen von Giovannis italienischem Clan ganz kuschelig nah dabei ist. Eine wirklich coole Schwester gibt es da zum Beispiel, die mal Giovannis Hamster umgebracht hat.
Der Gipfel der Gemütlichkeit ist aber erreicht, als die Sprache auf die bemerkenswerten Toilettengewohnheiten des werdenden Vaters kommt. "Jeden Abend um halb acht musste er", erzählt die Mutter kopfschüttelnd. "Ja, mit Stuhlgang hat er wirklich keine Probleme", bemerkt die glückliche Gattin, laut prustend.
Spätestens an diesem Zeitpunkt fühlt man sich dann doch gezwungen, abzuschalten. Weil das einfach nicht mehr zu ertragen ist. So viel Glück.
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(sueddeutsche.de/bica)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
"also stillschweigend hinnehmen waere die alternative? hoffen das es sich von alleine aendert? oder warten bis die SZ von alleine drauf kommt, weil die pageviews zurueck gehen?"
Mein letzter Kommentar zu diesem Thema war ein spöttischer, der (wohl gar zu subtil) darauf aufmerksam machen wollte, dass einige der "Gralshüter des Niveaus" der Onlineausgabe der SZ von ebendiesem nicht genug zu besitzen scheinen, um eine Glosse von einem tiefsinnigen Kommentar zu unterscheiden. Das ist dann amüsierlich-peinlich (und umgekehrt).
Also, noch einmal: Mit diesem Artikel hat man versucht, eine beliebig-belanglose Sendung durch den Kakao zu ziehen. Als Reaktion darauf ging ein Teil der Leserschaft, die vermutlich zum Lachen in den Keller hinabsteigt, auf die Barrikaden, schien man doch ob der - nur dem Anschein nach ernsthaften - Beschäftigung eines so seriösen Blattes wie der SZ mit einem gar zu trivialen Sujet sofort zumindest den Untergang des Abendlandes zu wittern. Ganz offensichtlich hat man von Seiten der Online-Redaktion der SZ die Intelligenz (und damit auch den Humor) eines Teiles ihrer Leserschaft überschätzt.
... wo ist jetzt der widerspruch?
und trotzdem mag ich mich euber den schmarrn aufregen duerfen. und ich mag auch mal tv.kritik ueber sendungen lesen die ich tatsaechlich gesehen habe. ...?... aber wenn ich kaum tv glotz ist das auch schwierig. egal... schade um die zeit.
ich muss Horst Hörnerhelm zustimmen.
Dinge verschwinden nicht, indem man davor die Augen verschließt. Man muss sie beim Namen nennen, mit dem Finger darauf zeigen.
Und es ist eine traurige Tatsache, dass mitten unter uns Millionen Menschen leben, die derartige Sendungen bewusst und gerne einschalten. Natürlich beschreibt der Artikel letztendlich nur ein Symptom, nicht die Ursachen. Aber ein Symptom, dass Veränderungen in unserer Gesellschaft plakativ illustriert und mich nachdenklich macht. Dass die Süddeutsche auch derartige Themen aufgreift, ist richtig es sind Zeitzeichen unserer Gesellschaft.
Erschreckend auch, dass die Macher hinter diesen Sendungen oftmals intelligente Köpfe sind, die mit einem unglaublichen Zynismus die Wünsche ihrer Zuschauer bedienen. Die Frage bleibt, was zuerst da war: Die Wünsche der Zuschauer oder die Macher der Sendungen.
Statt sich über ein fehlendes Niveau aufzuregen, sollten die Kommentierenden lieber einmal darüber nachdenken, wo die Ursachen zu suchen sind, anstatt mit pesudo-intellektuellen Erhabenheit laut pfui zu schreien. Einige Ansatzpunkte hat die Autorin übrigens genannt.
Zur Sendung kann ich leider nichts sagen, ich habe sie nämlich nicht gesehen,
also stillschweigend hinnehmen waere die alternative? hoffen das es sich von alleine aendert? oder warten bis die SZ von alleine drauf kommt, weil die pageviews zurueck gehen?
interesante einstellung.
Die Online-Redaktion der SZ sieht sich immer wieder oft beißender Kritik von Seiten ihrer Leserschaft ausgesetzt; besonders das "niedrige Niveau" wird bemängelt. Dann liest man sowas:
"Nichts gegen Frau Roche, aber sie als "großen Romancier" zu bezeichnen, läßt sehr tief in das Wissen der Verfasserin des Artikels blicken."
Und dann möchte man der Leserschar zurufen:"Leute, ihr bekommt, was ihr verdient." Ausgerechnet in einer Glosse sich an der Passage zu reiben, die am augenfälligsten allein ironisch zu verstehen sein muss, ist nicht frei von ... Ironie.
Kurzum, das Niveau hier ist noch viel zu hoch...
Paging