In seinem ZDF-Quiz "Wie schlau ist Deutschland?" wollte Johannes B. Kerner wieder mal die Nation testen. Alle Entertainment-Hoffnungen lagen auf dem Rategast Thomas Gottschalk. Doch dann stahl ihm Ulrich Wickert die Show.
Die Medienfigur Thomas Gottschalk besteht aus vielen amüsanten Erzählungen: Man kennt ihn als begeisterten Musikfan, der einst mit seinen respektlosen Moderationen beim Bayerischen Rundfunk anstieß und heute ein anachronistisches Faible für schlichten Rock pflegt; man bestaunt ihn als Kosmopoliten, der in Kalifornien ansässig geworden ist und den Hollywood-Stars auf Augenhöhe begegnet; man belächelt ihn als Fashion victim, das unabbringlich einen neobarocken Kleidungsstil vorführt. Und vor allem bewundert man ihn für seine Kernkompetenz, die darin besteht, gnadenlos alles in Grund und Boden moderieren zu können, was sich ihm in den Weg stellt. Schon als Jungspund meisterte er in "Na sowas!" den K2 allen Interviewens, Klaus Kinski ("Äh, ich verstehe die Frage nicht."). Da waren später Cher oder Götz George nurmehr leichte Wiesenspaziergänge.
Durch Dauerfernsehpräsenz zur unentrinnbaren Marke geworden: JBK. Er talkt, moderiert, rapportiert, kocht. Und jetzt testet er wieder. (© Foto: ZDF)
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Warum weit ausholen zum Thema Gottschalk, mag man fragen, wenn es doch um eine Sendung geht, die von Johannes B. Kerner moderiert wurde? Nun, weil Gottschalk der Faktor ist, der die Kerner-Show retten könnte. Denn analog zum semantischen Bündel der Gottschalk-Biografie besteht Kerners Image aus Fußball, Wurst- und Fluglininienwerbung sowie einem jahrzehntelangen Talk-Gangbang, der im Mittagsprogramm von Sat 1 begann und seit Jahren abends im ZDF fortgesetzt wird: Da wird alles durchgetalkt, was die Klappe nicht halten kann.
Nach diversen Bildungstest-TV-Veranstaltungen in Folge der PISA-Studie schickte sich Kerner am Donnerstagabend wieder mal an, das Wissen der Nation zu prüfen. Bei der neuesten öffentlich-rechtlichen Wissensshow nach "Pilawas großem Geschichts-Quiz" in der ARD handelte es sich im Grunde nur um eine Coverversion: Eine Show mit gleichem Titel moderierte Günther Jauch bereits im Jahre 2001 in RTL. Um es kurz zu machen, Thomas Gottschalk rettete Kerner nicht. Es war eine dieser Sendungen, die man in dem Moment vergessen hat, in dem der Fernseher ausgeschaltet ist. Hätte man sich keine Notizen gemacht, hätte man nach der um 55 Minuten überzogenen und viel zu langen Live-Show sofort nach Hause gehen können.
Gottschalk und die Blondinen-Klasse
"Wie schlau ist Deutschland?" - das wollte Johannes B. Kerner heraus finden, indem er vier Prominente und Rateteams und die Fernsehzuschauer (die Telefongesellschaft gewinnt immer) 18 Fragen im Multiple-Choice-Verfahren beantworten ließ. Von der seltsamen Fragestellung, die das Kollektiv statt des Individuums im Blick hat, mal ganz abgesehen, verhält es sich mit der Schlauheit wohl eher so wie wie in Ulrich Wickerts Definition: "Schlau ist der, der ohne viel zu wissen durchs Leben kommt." Der Testcharakter der Show, von der weitere Ausgaben geplant sind, ist also nachrangig - was zählt ist die Frage, wie gut sie unterhält.
Wickert führte das Rateteam der 49 Meteorologen an, Monica Lierhaus die Fußballer, die Schauspielerin Janine Kunze eine Abiturienten-Riege und Gottschalk die Blondinen. Eine der Neben-Erzählungen von Gottschalks Vita handelt von seiner Option, Lehrer zu werden: "Sicherheitshalber macht er wenigstens Examen und die erste Lehramtsprüfung", heißt es in Gert Heidenreichs Gottschalk-Biografie: "Man weiß ja nie. Vielleicht landet man ja doch in irgendeiner Dorfschule in Niederbayern und heiratet die Tochter des Bürgermeisters."
Doch er konnte seine Blondinen nichts lehren, wirkte vielmehr wie ein geschaffter Lehrer kurz vor der Frühpensionierung. Es lag nicht an der mangelnden Gesprächskultur Kerners, der sein angelesenes Wissen im Kurzreferatstil so herunterleierte, dass Gottschalk verbal kaum zum Zug kam - sonst setzt er sich in solchen Situationen ja dank seines Witzes durch.
Was ist grün am Gründonnerstag?
Nein, die Rolle des Klassenkaspers machte ihm an diesem Abend Ulrich Wickert streitig. Der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator plapperte unreflektiert wie selten drauflos, als bekäme sein Äußerungsdrang endlich Auslauf. Er braucht wohl dringend wieder mehr Sendezeit, um ausgelastet zu sein, hoffentlich kümmert sich jemand bei der ARD um seinen Fall. Bei Kerner hampelte und gestikulierte er, redete dazwischen und bestelllte sich erstmal einen stattlichen Kelch Rotwein, um runterzukommen und dann auch noch über dessen Qualität zu schimpfen. Bei der erstbesten Gelegenheit musste der Käseritter mal wieder anbringen, dass er lange in Frankreich gelebt habe. Gesamteindruck: "Ungeduldig wie ein Tertianer, der etwas weiß, aber noch nicht drankommt" - Kerners bester Kommentar.
Dann wurde geprüft: Kerner fragte die Kandidaten etwa, welche Hautfarbe Kühe haben, und Janine Kunze und Gottschalk griffen zu Rasierpinsel und Klinge, um an der lebendigen Kuh ein Stück freizulegen. "Bei mir rasiere ich mit dem Strich", sagte Kunze, ging dem Show-Nutztier ans Fell und überzeugte sich: Die Haut hat die gleiche Farbe wie die Haare.
Später wollte Kerner wissen, wie der Gründonnerstag zu seinem Namen komme, und es zeigte sich der Fehler in der Konzeption des Wissensbegriffs à la ZDF: Es gibt nämlich nicht nur eine Theorie zur Entstehung des Namens, die Quizshow-kompatibel abfragbar wäre, sondern laut Wikipedia mindestens drei konkurrierende Etymologien für "Gründonnerstag" - keine ist eindeutig bewiesen: Wissen ist eben etwas Dynamisches, das steter Änderung und Debatte unterliegt. Erst hinter der Wissensoberfläche beginnt es, interessant zu werden. Das Abfragen von Fakten hat immer auch etwa stumpf Stupides.
Kerner kann alles, auch 9Live
Wissensminiaturen, wie sie seit Jahren vergnüglich in Zeitungskolumnen wie "Stimmt's?" oder "Rätsel des Alltags" behandelt werden, wurden bei "Wie schlau ist Deutschland?" in eine leidlich amüsante Show verpackt. Das hinderte die Teams nicht daran, sich die ganze Zeit über enthusiastisch für die Dinge, die sie wussten und nicht wussten, zu beklatschen. Da werden über die Ostertage einige Schwielen zu kühlen sein. Kerner trug zur Enthemmung des Jubels bei, indem er im besten 9Live-Stil die Fernsehzuschauer zur Teilnahme aufforderte: "Rufen Sie uns an! Holen Sie sich die 5000 Euro ab zu Ostern!"
Kleine Quizfrage zum Schluss: Wer war noch mal zuerst da - der Kerner oder das Ei?
Nächste Ausgabe von "Wie schlau ist Deutschland?" am 24. Mai.
(sueddeutsche.de)
Wettmanipulation im Fußball
wer befreit mich vor dem Anblick morgens, mittags, abends, beim Kochen, Sport schauen, Gesellschaft, Wurst essen und.......... Dabei gibt es angeblich so viele arbeitslose Moderatoren ! Hilfe, rettet Deutschland vor solchen Bolzen !
Oh Gott, wie muss es Dir aufstoßen, was alles an niederfrequenter Strahlung auf der Menschheit am Beispiel dieses Menschen im Mittelteil eines sich Europa nennenden Kontinents lastet? Wie doch ist verkommen dieses Dein Produkt? Vom "Apfel der Erkenntnis" kann dieser Mensch niemals in seiner Vorzeit gegessen haben und wird er wohl auch nicht - zieht ein solcher sich jahrelang diese Qualität eines deutschen Fernsehens ein. Pisa lässt grüßen! Und es sind nicht nur Schulen, die Deutschland verblöden lassen . . . .
Oh Gott, wie muss es Dir aufstoßen, was alles an niederfrequenter Strahlung auf der Menschheitam Beispiel diesen menschen im Mittelteil eines sich Europa nennenden Kontinents lastet? Wie doch ist verkommen dieses Dein Produkt? Vom "Apfel der Erkenntnis" kann er nicht gegessen haben und wird er wohl auch nicht - zieht einer sich jahrelang das deutsche Fernsehen ein.
die sendung war der größte schwachsinn aller zeiten !!
Ich finde man macht es sich ein wenig einfach wenn man Herrn Kerner die alleinige Schuld für die sehr durchschnittliche Sendung gibt. Selten habe ich mehr technische Pannen als in der Sendung gesehen, hier geht der Kocher nicht, da kann die Statistik nicht dargestellt werden, die Bildshcirme funktionieren nicht und die Kandidaten hatten schon Antowrten eingeloggt bevor sie gedrückt hatten.
Außerdem scheitert die Sendung schon am Konzept. Anstatt das man erkennen konnte "wie schlau" die einzelnen Gruppen waren, hat sich jede Gruppe nach einer halben Stunde nur noch komplett abgesprochen und somit lagen die Ergebnisse zumeist bei über 90% oder unter 10% - inwiefern dass dann noch interessant sein soll, weiß ich nicht. Des Weiteren hat es jedes Mal ewig gedauert bis die Frage mal beendet war, was einerseits an der Absprache der Promis mit ihrer Gruppe und andererseits an der Zeit für die Telefonanrufe lag.
Herrn Kerner kann ich persönlich keinen Vorwurf machen, wohl aber Herrn Gottschalk und Wickert. Dass Gottschalk mit seiner grottigen Sendung vom letzten Samstag noch gelobt wurde (uninteressante Wetten, langweilige Moderation) scheint ihm wohl zu sehr in den Kopf gestiegen sein. Mit ständigem Gemeckere, darüber dass die Technik an seinem Scheitern Schuld wäre, einer arroganten Eisntellung und nervigen Kommentaren ging er wohl den meisten Zuschauern nur auf den Wecker.
Von Herrn Wickert hatte ich bisher immer ein positives Bild, allerdings scheint ihm der Entzug der Fernsehpräsenz nicht besonders gut zu bekommen. Wie früher der aufdringliche Streber musste er bei jeder richtig getippten Antwort gleich an den Mann bringen, woher er denn nun die Antwort kenne. Natürlich durfte auch die übliche Frankreich Bemerkung, sowie die Anekdote, dass er sich halt mit den normalen Menschen unterhalte (beim Eierkauf..), nicht fehlen. BEsonders lächerlich wurde das Ganze, als sämtliche Promis bei der Frage nach der Anzahl der Sinne falsch lagen. Während sich die beiden Damen ihrem Schicksal fügten, beschwerten sich die Herren wie beleidigte Leberwürste, dass der aktuelle Wissensstand, nicht mehr dem entspreche was man mal irgendwann gelernt hätte - sagte Herr Wickert nicht anfangs sinngemäß, dass "Intelligenz nichts mit gelerntem zu tun habe" ?
Positiv aufgefallen ist mir der Physiker, der alles sehr anschaulich und verständlich erklärt hat.
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