Unterhaltung darf einfach Spaß machen, leicht sein und nicht belasten. Genau das ist jedoch bei "Wetten, dass..?" immer seltener der Fall. Die krampfhafte Fixiertheit der erwachsenen Moderatoren, die sich auf jede schlüpfrige Pointe stürzen wie kleine Kinder auf Schmutzworte in ihrer fäkalverbalen Phase, liegt dann doch schwer im Magen.
Thomas Gottschalk schien stellenweise von seiner eigenen Show überfordert. (© Foto: getty images)
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Doch auch die Produzenten der Sendung, die für den Abend den Anbieter der "Po-Abdruck-Wette" einluden, tragen zum unverdaulichen Gesamteindruck bei. Der 25-jährige Student Marlon wettete, dass er fünf von zwanzig jungen Frauen anhand eines Paintbrush-Abdrucks ihres Pos erkennt. "Musste das jetzt unbedingt sein", echauffierte sich Michelle Hunziker dann doch über ihren Kollegen, als der die Reihe der paintgebrushten Damen abschritt, um zu kontrollieren, ob auch alle ihren Namen ordentlich hinten aufgemalt hatten.
Die Lösung wäre Charlotte Roche
Solch kritische Zwischenfragen werfen natürlich noch weitere auf: Etwa ob das Recht auf - wenn auch bemalte - Hinterteile in Großaufnahme irgendwie im Rundfunkvertrag verankert ist? Oder ob man solche Wetten, wenn man sie schon anbietet, nur von Experten hätte moderieren lassen dürfen. Aber Charlotte Roche ist ja leider schon beim NDR.
Es gab durchaus unterhaltsame Momente, die überhaupt nicht übel aufstießen: die zweite Wette mit dem 21-jährigen Pascal etwa, der sich spidermanhaft über fünfzehn fahrende Autos hinwegsetzte. Filmreife Leistung. Sogar die gefühlsmäßig tausendste Baggerwette verblüffte angesichts der spielerischen Leichtigkeit, ganz ohne Rangieren oder Millimeterarbeit, mit der der Baggerführer und spätere Wettkönig Ralf Basketbälle ins Netz beförderte.
In die unvermeidliche Freak-Sparte waren hingegen die erste und letzte Wette einzuordnen: Physikstudent Oliver, der Sätze von schnell rotierenden Rollen entzifferte sowie Yao aus China, die mit Essstäbchen Eier in Eigelb und Eiweiß trennte. Hunziker gewann die Stadtwette gegen Gottschalk, weil sie mehr als tausend Braunschweiger zusammentrommeln konnte, die mit ihr in Zombiekostümen Michael Jacksons "Thriller" tanzen wollten.
Schattenspiele auf Höhlenwänden
"Musste das jetzt unbedingt sein?", war jedoch eine Frage, die man sich gestern öfter stellte. Musste man Sebastian Vettel unbedingt mit seinem Rennboliden Pirouetten drehen lassen, das Fahrzeug zugekleistert mit dem Logo derjenigen Firma, die sich bereits ohne das ZDF eine nervtötende Marketingstrategie leistet? Musste man Nazan Eckes reden lassen, damit sie erzählen kann, sie würde im nächsten Leben gerne als Mann geboren werden, dann könnte sie auch eine so tolle Karriere wie der Sebastian machen?
Manchmal zeigte die Kamera Harald Schmidt, der sich auf der Couch rechtsaußen wohl unbeachtet fühlte. Sein Blick war leer und abwesend, so als würde er sich gerade zurückwünschen in ein unschuldiges Zeitalter ohne Farb- und Tonfernsehen, nur farblose Schattenspiele an den Höhlenwänden, sonst nichts. Oder zurück aufs Traumschiff. Zwischen beiden Vorstellungen besteht womöglich kein großer Unterschied.
Schutzradius in den Hosenbeinen
Für einen unverhofftes Aha-Erlebnis sorgte dagegen kurz vor Schluss der Sendung der Auftritt des Gesamtkunstwerks Lady Gaga. In einer voluminösen Pluderhose, die aussah, als ob in den Hosenbeinen die Drahtgestelle von Reifröcken aus dem Rokoko verarbeitet wären, steuerte sie auf Gottschalks gefürchtete Grapsch- und Kuschelcouch zu und machte gleich klar: "Ich brauche Platz!" Das Kleidungsstück mit aktiviertem Hüftairbag schuf um sie herum einen Schutzradius von etwa einem halben Meter, der Moderator musste draußen bleiben.
Wenn du zu Tommy und Michelle gehst, so ließe sich für zukünftige Sendungen folgern, vergiss den Seitenaufprallschutz nicht.
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(sueddeutsche.de/ehr/mel)
Partyzone Flußufer
........seit ca. 5 Jahren von Sendung zu Sendung. Seit der Assistanz der Michelle Hunziger scheint wohl der Anfang vom ende eingeleutet worden zu sein. Abgesehen, dass diese Dame dochn ein bischen zickig privat auftritt, läuft alles durcheinander, diese infantilen Aufdringlichkeiten werden natürlich immer peinlicher. Schade drum, es war eine gute Unterahltungssendung, auch und gerade mit Gottschalk. Nun ist wohl alles abgenuddelt. Bye, bye Thomas.
An den Autor dieses Artikels: Ich sehe den Abend komplett anders. Ich habe mich gut amüsiert und fühlte mich mit Wetten dass...? gut unterhalten. Tolle, spannende Wetten, interessante Gäste (in welcher deutschen TV Show bekommt man sonst eine solche Dichte von internationalen Stars geboten) und vorallem ein gut aufgelegter Thomas Gottschalk, der mit großer Schlagfertigkeit und Witz punkten konnte. Für mich war es ein wirklich kurzweiliger Tv Abend.
Übrigens: Charlotte Roche arbeitet nicht beim NDR, sondern bei Radio Bremen!!! (es wird immer wieder falsch behauptet)
Einziger Höhepunkt der Sendung war Harald Schmidt, der die kleine Papierrollmaschine als österreichischen Laptop bezeichnete. Ansonsten ist es jetzt wohl das Konzept, das sich Thomas Gottschalk als Nichtsblicker positioniert und seine blonde Assistentin kommt ihm dann zu Hilfe.
Leider haben sich viele Zuschauer an den überflüssigen Klamauk gewöhnt und lassen sich von der Spannung bei der Wetterei übertölpeln.
Eine Sendung, die vor 10 Jahren schon überholt war. Das einzige, was sich da weiterentwickelt hat, ist die Zotigkeit der "Witze". Diese Sendung ist mehr als flüssig, sie ist überflüssig.
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