Waldi und Harry sind nicht unbedingt langweilig. Ihr verhaltenes Pingpong-Entertainment ist ein faszinierendes Symptom der deutschen Medaillen-Depression. Eine Innenansicht.
Draußen, auf der frisch asphaltierten Landstraße nach Peking, vor dem olympischen ARD-Studio:
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Harald Schmidt übt sich in der Disziplin des Kampf-Wartens. (© Foto: dpa)
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Harald: Komm, wir gehen! Waldimir: Wir können nicht. Harald: Warum nicht? Waldimir: Wir warten auf Gold. Harald: Ach ja.
Waldimir und Harald streifen sich ihre Spitznamen über und betreten das Studio, wollen sich abkühlen. Waldi reagiert schon wieder allergisch auf das penetrante Raumparfüm. Überall synthetisches Jasminöl. Die Langnase läuft. "Hätt' ich doch den Bart noch", seufzt Waldi, ein Gedanke, der ihn in letzter Zeit immer öfter und hinterrücks befällt. Ein Göttinger Sinologiestudent, der seit Tagen nutzlos rumlungert, kommt mit einer Rolle Klopapier angesprungen. Das ist die Rettung. Gleich beginnt die Show.
Die Stimmung ist gedrückt an diesem Tag, immer noch kein olympisches Gold für Deutschland. Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen für die Quotenhoffnungsträger der ARD, und die beiden wissen das. Sie sind Profis.
Aber Harry ist genervt, würde am liebsten lauthals rezitieren, aufschreien. "Nach Golde drängt ... ach, wir Armen ..." Waldi ahnt den Anfall voraus, zieht dem melancholischen Entertainer liebevoll und neckisch am Mikrofonkabel, das aus dem Jackett hervorlugt. Er würde ihm gerne die Schulter tätscheln, aber weiß, die Geste sähe ungelenk aus; wie ein Dachs, der eine Giraffe umklammern will. "Geh, Harry, denk doch an die Leut' da draußen ..."
Das ist das Stichwort, plötzlich die Lichter, der Applaus. "Doch immer wieder toll, diese strahlenden Gesichter", denkt Harry. Sie sind unschuldig, wollen nur froh und munter sein. Wo im deutschen Fernsehen sieht man noch derartig glückliche Menschen? "Und das alles wegen mir." Harry vergisst für einen Moment, dass er den ganzen Tag mit Lang Lang beschallt worden ist. Wunderkinder sind doof.
Und der Waldi schmeißt die Show. Bringt das Publikum erst mal runter von seiner Euphorie. "Bitte, beruhigen Sie sich, wir sind nicht zum Spaß hier." Gut gesagt, Waldi, nur keine allzu großen Erwartungen schüren. Wir sind hier in Peking, nicht beim ZDF-Wunschkonzert! Womöglich gewinnen wir fast überhaupt keine Goldmedaillen, dann müssen wir trotzdem weiterleben!
"Der Pocher kann viel lernen vom Waldi", denkt Harry, "zum Beispiel dieses mentale ESP-System, wenn nach einer Pointe keine Sau lacht im Publikum. Da gerät der Pocher immer ins Schlingern, redet schneller, verpulvert noch mehr Pointen und grinst schief." Dem Waldi ist das wurscht. Ob das vom graugrünen Trachtenjanker kommt, diese Bescheidenheit? "Vielleicht kauf ich dem Pocher auch einen, wenn ich wieder daheim bin."
"Was mach ich bloß mit den Gästen?" Waldi würde viel lieber Fußballer interviewen. Die sind zwar manchmal ungehobelt, dafür ist da mehr Dramatik drin. Aber hier ... Man ist ja selber nicht so 'ne Stimmungskanone. Erst der einsame Synchronspringer mit Trainer, dann zwei semi-erfolgreiche Handballerinnen und ein zum Verzweifeln sympathischer Tischtennisspieler.
Da hilft nur eins: lustige Folklore. In einem exotischen Kostüm bekommen bleiche Hallensportler ein wenig Farbe. "Wahrscheinlich ist es besser so", denkt auch Harry. Insgeheim hält er Verkleidungsspielchen für zynisch und menschenverachtend.
Symbole sind so wichtig, vor allem in China. "Hat irgendjemand den Sack Reis bemerkt, der neben meinem Pult steht?" Der ist Harrys Lieblingsrequisit. Ein Lichtblick im Studio, das den heute erfolgreichen Showmaster an einen billigen China-Imbiss erinnert. Der Gedanke an das Glutamat im Chop Suey verursacht bei ihm immer spontanen Brechreiz. "Vielleicht fällt der Reissack ja mal um, hier, in China,", versucht er sich abzulenken, "das fänden dann natürlich alle sehr lustig."
Kurzer Stimmungs-Check beim Publikum: Die Gesichter sind blasser, haben an Glanz verloren, die Blicke glasig. Endlich. Jetzt sind sie bereit.
Die Selbstgeißelung erreicht ihren Höhepunkt. Der Medaillenspiegel: "Sind wir noch drauf?" Wow, Waldi, das saß! Deutschland auf Platz 19, hinter Aserbaidschan und Nordkorea! Die quälende Warterei auf die Goldmedaille wird mit Hilfe von Waldi und Harry noch katalysiert, erlangt eine kathartische Dimension, einen Selbstzweck. Das hat im deutschen Fernsehen noch gefehlt. Bitte, mehr!
Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/ssc)
In der Sendugn vom 13.8. hat WH wieder eine Probe seiner Kernkompetenz gegeben: Jede dritte Frage bezog sich darauf, wie intensiv die Geländereiter nach dem Sieg, vor 20 Stunden, vor 10 Stunden und vor einer Stunde gefeiert haben. Veranschiedet wurden sie dann mit dem Wunsch, daß sie noch schön weiterfeiern sollen.
Tja, mit dieser Einstellung würde er durch jeden psychologischen Führerscheintest fallen, aber für die ARD reicht es allemal.
So wie auch die Leistung des Herrn S. mal wieder unter aller Sau war: Mit den Gästen konnte er nicht reden, weil er von deren Disziplinen überhaupt keine Ahnung hat, so hat er sich auf das konzentriert, was er kann: Die Leute für blöd verkaufen. Da wird in epischer Breite der Besuch auf einem Landgasthof gezeigt und zusammen mit der Dolmetscherin werden Hinweisschilder erklärt.
Das war wieder einmal money for nothing, ohne daß jemand rot dabei wird.
Waldi&Harry sind intelligent genug, um sich auch dort sicher zu bewegen, wo sie nicht zu Hause sind. Wir können am besten über Dinge lachen, die uns nichts angehen - jedenfalls solange wir das glauben.
Waldi & Harry sind Kult. An den bisher goldlosen Fernsehtagen waren sie der einzige Lichtblick in all der Olympiatristesse. Und jetzt, ab morgen, haben sie endlich auch Erfreulicheres als den Pekinger Hauptstadtsmog als Thema.
In jedem Fall: Bitte mehr!
Bitte mehr? Nein Danke!
Dass ich mit meinen Gebühren die horrenden Honorare der Herren Schmidt und Hartmann bezahlen soll, finde ich gar nicht lustig.
Zwar schaue ich mir deren Sendungen nicht an. Hartmann ging mir mit seiner schleimigen und unjournalistischen Art schon vor zehn Jahren auf den Wecker. Seit seinem peinlichen "Interview", in dem er von Rudi Völler abgekanzelt wurde, schalte ich den Fernseher aus, wenn "Waldi" angekündigt wird. Und bei gelegentlichen Besuchen (ebenfalls schon einige Jahre her) in Schmidts Late-Night-Show habe ich den Eindruck gewonnen, dass neben seltenen witzigen Einsprengseln vor allem der Stumpfsinn regiert.
Obwohl ich deshalb überzeugter Nicht-Seher bin, muss ich für diesen Schwachsinn zahlen. Und dann noch in meiner Zeitung lesen, dass es mehr davon geben sollte!
Beginnt nun auch schon in der SZ der Triumph des Banalen, Flachen?
Hein Daddel, das ist aber gar nicht nett, was Sie da sagen. Den Schmidt hat man ja bei WDR nicht genommen, weil er gut ist, sondern weil ein Oberer der Meinung war, ihn haben zu müssen, obwohl Schmidt bereits im letzten Drittel seiner Sat1-Zeit klar gezeigt hat, daß er ausgebrannt ist. Bei den ÖR geht es nicht um den Willen der Zuschauer, sondern um die Befriedigung des eigenen Egos.
Nachdem man nun diesem Schmidt einen Rentenvertrag gegeben hat, ist dann doch einer darauf gekommen nachzurechnen, was die ARD fürs Geld eigentlich bekommt. Und so muß S. eben diese Auftritte absolvieren. Vielleicht sind es ja in Zukunft die Auftritte als Loszieher vor einem Möbelhaus - natürlich für die ARD.
Ähnliches gilt für diesen Hartmann. Da weiß auch niemand, warum der BR an diesem Freiberufler festhält. Der muß irgendwelche Qualitäten haben, die sich nur einigen Entscheidungsträgern erschließt. Vielleicht gibt es ja cash-back. Offensichtlich war unter den 3.000 BR-Mitarbeitern niemand zu finden, der Hofberichterstattung beim FCB macht. Und nachdem Waldi der Tätschler in seinen Sendungen gezeigt hat, wie man auf der eigenen Schleimspur nicht ausrutscht, hat man ihn zum Lustigen des BR ernannt. Mag vielleicht bei den Weihnachtsfeiern so gewesen sein. Aber fürs Abendprogramm reicht das nicht, außer man will für den Rentenvertrag wenigstens etwas Leistung sehen.
Also geht es eigentlich nur darum, zwei Kostenverursacher irgendwie einzusetzen. Daß beide nur lokale Bedeutung haben, haben sie dann mit vielen unserer Olympiateilnehmern gemeinsam: Das Abenteuer Beijing als GEZ- bzw. steuerbezahlte Kaffefahrt, quasi als Auflockerung des Lebens im Austragshäusl.
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