TV-Kritik: "TV Total" Raabscher Wurstsalat

Zurück aus der Sommerpause: Metzger Stefan Raab schlachtet wieder den deutschen Fernsehzoo aus - und bei Sarah Connor setzt er zum gezielten Schlag an. Eine kleine Nachtkritik.

Von Sarah Stendel

"Zurück nach der Sommerpause, hier ist unser Summer-Boy: Stefan Raaaaaab". Mit überschlagender Kieksstimme liest die blonde Nicole aus dem Publikum tapfer von der Papp-Tafel vor ihr ab. Die leicht peinlich anmutende Szenerie ist bekannt: "TV Total" ist zurück. Und wie immer wird ausgeschlachtet, was ausgeschlachtet werden kann.

Postmodernes Prinzip des Wiederverwertens: TV-Total-Moderator Stefan Raab nach der Sommerpause.

(Foto: screenshot: Pro Sieben)

Diplom-Metzger und selbsternannter Mett-Papst Stefan Raab hat sich immerhin seit zehn Jahren auf das Ausweiden des deutschen Fernseh-Zoos spezialisiert. Die Wurst vom Vortag oder gar der Vorwoche wird umetikettiert und dem Kunden neu verkauft. Natürlich in gewohnt lässiger Manier, in Sakko und Hemd mit einem betont unschuldigen Grinsen im Gesicht.

Nach drei Monaten Sendepause wirkt Raab zwar zugegebenermaßen frischer und motivierter als sonst, dafür scheinen die Zuschauer im Studio noch etwas lustlos. Seine rhetorischen Fragen ins Publikum bleiben unbeachtet, er wartet vergeblich auf Reaktionen und muss zusätzlich feststellen, dass der Eröffnungsgag über die Situation in Georgien ("Meine Redaktion hat heute Südossetien anerkannt ...Die kommen aber auch alle daher.") nicht ankommt.

Hat das postmoderne Prinzip des Wiederverwertens etwa ausgedient? Schnell noch ein paar Kommentare zu Fabian Hambüchens Olympia-Bronze und die Becker-Verlobung und dann ab hinter den altbewährten Schreibtisch, wie immer mit Rollfunktion. Puh, geschafft.

Raabs Erkenntnis: Kleine Boxer sind schneller

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur ersten Werbepause und überhaupt ist Raab schon lange nicht mehr auf sich selbst angewiesen, schließlich kommen noch Gäste. Als Erster tapst der russische Schwergewichts-Weltmeister im Boxen, Nikolai Valuev, samt Simultan-Dolmetscherin die Showtreppe hinunter zu Stefan Raabs lederner Sesselgarnitur.

Der Zwei-Meter-Mann muss, wie zuvor gefühlte zehn Male schon die Klitschkos, Stefan Raab ewige Freundschaft zusichern und darf dann ein bisschen auf Deutsch radebrechen und seine Übersetzerin ignorieren. Das macht aber nichts, Raab hört sowieso nur das, was er hören will und kann sich die Antworten gut selbst zusammenbasteln.

Hier die raabsche Zusammenfassung des Gesprächs: "Die kleinen Boxer sind also eigentlich schneller, aber sie haben Angst vor deiner Größe". Unglaublich, meine Damen und Herren. Zeit für Werbung.

Auftritt Welf Haeger. Der Kabarettist und Anwalt hat schon einige "TV Total"- Auftritte hinter sich - und da Herr Raab bekennender Fan ist, startet heute prompt eine Serie mit Haeger als Protagonisten, schließlich mag man bei "TV Total" Rituale.

Im Club-Urlaub soll der schielende Comedian für Lacher sorgen, was folgt ist ein enttäuschend langatmiger Beitrag über Wasserballon-Spielchen am Hotel-Pool. Morgen mehr davon. Aber hoffentlich mit etwas mehr Biss. Haeger plaudert noch kurz über das Sekt-Trinken in der Garderobe, dann ist auch seine Zeit schon wieder um.

Der letzte Block steht nämlich ganz im Zeichen der Pro7-Familie: Sarah Connor und Schwester Lulu Lewe sind zu Gast, um die noch nicht vorhandene Sangeskarriere der 16-jährigen Lulu kräftig anzukurbeln. Die kennt man bis jetzt nur aus der Pro7-Serie "Sarah and Marc crazy in love", wo die kleine Schwester laut Stefan Raab "doch auch schon so schön gesungen hat, damit die Leute das auch kennen".

Wenn Raab zum Schlag ansetzt

Ganz genau. Trotzdem gibt es noch schnell eine kleine Erinnerungshilfe in Form des lasziven Videoclips zur ersten Single der Schülerin. Aber warum rutscht Sarah Connor eigentlich so unruhig auf ihrem Sessel hin und her? Am kurzen Rock allein kann es nicht liegen.

Als hätte sie es geahnt, bricht bei Stefan Raab kurz vor Schluss doch wieder der Metzger durch: Eiskalt setzt er zum gezielten Schlag an und spricht ohne mit der Wimper zu zucken die Gerüchte über eine Stripperinnen-Affäre von Connors Ehemann Marc Terenzi an. Autsch.

Ihr einziger Kommentar: "Ich war ja nicht dabei". Raab nimmt's locker, schwenkt routiniert auf das neue Album um und Connor darf endlich das übliche Blabla ("sehr persönlich", "Mischung aus Hip Hop und Pop") anbringen. Zum Abschied trällern die Schwestern mit der "TV Total" Band noch einen Connor-Hit und alle sind zufrieden, inklusive Stefan Raab, der freudestrahlend die morgigen Gäste ankündigt. Fazit nach einer Stunde Fleischbeschau: Wer den Raabschen Wurstsalat mag, dem schmeckts auch dieses Mal.