Von Hans-Jürgen Jakobs

Solo für Steinmeier: Der SPD-Kanzlerkandidat quälte sich durch das Assessment-Center des TV-Talkers Beckmann. Er muss sich noch steigern.

So ein Bewerbungsgespräch ist eine ziemlich strapaziöse Sache. Der Kandidat sitzt etwas angespannt am Tisch, er versucht, zu lächeln und Sicherheit zu gewinnen, aber am Ende wirken die Haare fast feucht. Hat es gereicht, um für den Job zu überzeugen?

Bild vergrößern

Außenminister Frank-Walter Steinmeier musste bei TV-Moderator Reinhold Beckmann antreten. (© Foto: dpa)

Anzeige

Frank-Walter Steinmeier hatte sich für seinen Eignungstest als deutscher Bundeskanzler wieder jene dezent gestreifte Krawatte angezogen, die auch auf dem Titel seines aktuellen Buchs "Mein Deutschland" zu sehen ist. Damit macht man nichts falsch, scheint er zu denken. Doch in einem Assessment-Center tragen solche Formalia nur über die ersten Minuten.

Der alerte Kandidatentester für Steinmeiers Wunschjob hatte sich offenkundig vorgenommen, den Bewerber nicht zu leicht davonkommen zu lassen, nicht mit leichten Plauderfragen, warum denn die Rolling Stones besser als die Beatles waren, oder was es damals im alten Westberlin im "Slumberland" zu erleben gab.

Das steht ja alles im Buch. Nein, Fernsehtalkmaster Reinhold Beckmann gab sich in der ARD als fast übermotivierter Herz-und-Nieren-Prüfer.

Nach einer Stunde Politiker-Grillen versteifte sich Beckmann, sonst Spezialist für leichtes Politikerhätscheln, auf den Fall des Murat Kurnaz, der viele Jahre in Guantanamo einsaß und meint, er hätte schon 2002 von den USA nach Deutschland freigelassen werden können, wenn es der damalige Kanzleramtsminister Steinmeier nur gewollt hätte. Erst 2006, auf Betreiben der Kanzlerin Angela Merkel, war es so weit.

Je hartnäckiger Beckmann danach fragte, desto stärker wirkte die Antwort des Bewerbers, es habe seinerzeit kein Angebot der USA in dieser Art gegeben, wie eine Schutzbehauptung. Steinmeier schien in dieser Frage wahlweise fast unsicher oder verdruckst.

"Bin kein roher Geselle"

Hätte Beckmann doch nur nach den Stones gefragt oder beispielsweise danach, ob der jetzige Außenminister in seiner Jugend vielleicht einmal inhaliert hat! Doch er insistierte auf Kurnaz, und da half dem sichtbar Leidenden auch nicht der weiterführende Hinweis: "Sie wissen, dass ich kein roher Geselle bin!"

Am Ende des Kanzler-Assessment-Centers ließ sich Steinmeier tatsächlich auf die konkrete Zahl ein, er wolle, dass seine SPD bei der Bundestagswahl im Herbst mindestens 35 Prozent erreiche. Klar, sie soll ja stärkste Partei werden und Frank-Walter Steinmeier Regierungschef.

Auf der nächsten Seite: Beckmann verunsichert Steinmeier mit Fragen nach Angela Merkel.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Der Kandidat übt noch
  2. Steinmeier ist jetzt "Mister 35 Prozent"
Leser empfehlen