Solo für Steinmeier: Der SPD-Kanzlerkandidat quälte sich durch das Assessment-Center des TV-Talkers Beckmann. Er muss sich noch steigern.
So ein Bewerbungsgespräch ist eine ziemlich strapaziöse Sache. Der Kandidat sitzt etwas angespannt am Tisch, er versucht, zu lächeln und Sicherheit zu gewinnen, aber am Ende wirken die Haare fast feucht. Hat es gereicht, um für den Job zu überzeugen?
Bild vergrößern
Außenminister Frank-Walter Steinmeier musste bei TV-Moderator Reinhold Beckmann antreten. (© Foto: dpa)
Anzeige
Frank-Walter Steinmeier hatte sich für seinen Eignungstest als deutscher Bundeskanzler wieder jene dezent gestreifte Krawatte angezogen, die auch auf dem Titel seines aktuellen Buchs "Mein Deutschland" zu sehen ist. Damit macht man nichts falsch, scheint er zu denken. Doch in einem Assessment-Center tragen solche Formalia nur über die ersten Minuten.
Der alerte Kandidatentester für Steinmeiers Wunschjob hatte sich offenkundig vorgenommen, den Bewerber nicht zu leicht davonkommen zu lassen, nicht mit leichten Plauderfragen, warum denn die Rolling Stones besser als die Beatles waren, oder was es damals im alten Westberlin im "Slumberland" zu erleben gab.
Das steht ja alles im Buch. Nein, Fernsehtalkmaster Reinhold Beckmann gab sich in der ARD als fast übermotivierter Herz-und-Nieren-Prüfer.
Nach einer Stunde Politiker-Grillen versteifte sich Beckmann, sonst Spezialist für leichtes Politikerhätscheln, auf den Fall des Murat Kurnaz, der viele Jahre in Guantanamo einsaß und meint, er hätte schon 2002 von den USA nach Deutschland freigelassen werden können, wenn es der damalige Kanzleramtsminister Steinmeier nur gewollt hätte. Erst 2006, auf Betreiben der Kanzlerin Angela Merkel, war es so weit.
Je hartnäckiger Beckmann danach fragte, desto stärker wirkte die Antwort des Bewerbers, es habe seinerzeit kein Angebot der USA in dieser Art gegeben, wie eine Schutzbehauptung. Steinmeier schien in dieser Frage wahlweise fast unsicher oder verdruckst.
"Bin kein roher Geselle"
Hätte Beckmann doch nur nach den Stones gefragt oder beispielsweise danach, ob der jetzige Außenminister in seiner Jugend vielleicht einmal inhaliert hat! Doch er insistierte auf Kurnaz, und da half dem sichtbar Leidenden auch nicht der weiterführende Hinweis: "Sie wissen, dass ich kein roher Geselle bin!"
Am Ende des Kanzler-Assessment-Centers ließ sich Steinmeier tatsächlich auf die konkrete Zahl ein, er wolle, dass seine SPD bei der Bundestagswahl im Herbst mindestens 35 Prozent erreiche. Klar, sie soll ja stärkste Partei werden und Frank-Walter Steinmeier Regierungschef.
Auf der nächsten Seite: Beckmann verunsichert Steinmeier mit Fragen nach Angela Merkel.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Nachtkritik RSS
- Steinmeier: Buchvorstellung Mensch, "Prickel!" 12.03.2009
- Kandidat der SPD Steinmeier probt Kanzler 06.09.2008
- Der private Kandidat Steinmeiers Menschwerdung 22.02.2009
- SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier Der Frank und sein Walter 12.02.2009
- TV-Kritik: Maischberger Kann "Frankie" Kanzler? 18.02.2009
- FC Bayern: Einzelkritik Robben, der Regelbrecher 15.05.2010
- TV-Kritik: Germany's Next Topmodel Cindy-rella und der Ritter 14.05.2010
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Leider hat das deutsche Polit-System keine anderen, keine eindrucksvolleren, keine "besseren" Kanzlerkandidaten als diese Beiden hervorgebracht.
Alleine daran zeigt sich überdeutlich, dass Gabor Steingarts Kritik daran nur allzu berechtigt ist.
Bei Steinmeier kommt erschwerend hinzu, dass ihm die Ochsentour -aus Mangel an anderen SPD-Bewerbern- zwar erspart blieb, er aber persönlich nicht aus den ihm einzig angemessenen "Kleidern" eines ausgezeichneten Spitzen-BEAMTEN raus kann.
"Armes Deutschland" ist das Einzige, was mir zu den beiden deutschen Kanzler-Kandidaten noch einfällt!
Immerhin wird der Cleverere, die im Osten sozialisierte Pfarrerstochter (mit dem ansich ja falschen Namen, denn der, den sie weshalb auch immer trägt, stammt vom geschiedenen ersten Ehemann) uns weitere voraussichtlich 4 Jahre erhalten bleiben, DENN auch in Deutschland zählt inzwischen weniger die fachliche Qualifikation, sondern, ebenso wie in den USA, die möglich engen Beziehungen zu den wirklich Mächtigen; und ^hier liegt Frau merkel eindeutig vorn!
Wieso verraten diese Figuren eigentlich immer ihre Ideale, je mehr sie alte Männer werden? Und zwar diametral.
Gibt es dafür irgendeinen vernünftigen Grund? Ist das Wasser im Bundestag irgendwie behandelt? Werden die Abgeordneten mit irgendwelchen Strahlen hypnotisiert? .... anders ist die totale US-Vermurksung nicht zu erklären.
Entweder D ist ein souveräner Staat, oder nicht. Falls nicht, bauchts auch keinen Kanzler/Kanzlerin. Spart euch den Quatsch, diese DemokratieShow.
Das stelle ich mir aber öde vor.
Das ist ja eine noch größere Schlaftablette als Frau Merkel.
Ohne Temperament und ohne Charisma. Über Schröder kann man sagen was man will.
Aber der hatte Dampf! Aber Steinmeier wird es sowieso nicht.
Vor allem, wenn sein Vorsitzender die Wähler weiter verschreckt mit der Ankündigung, bei den Linken anzudocken.
Im Gegensatz zu den meisten Leuten bin ich der Meinung, dass die Bedeutung des jeweiligen Kanzlers für die Politik deutlich überschätzt wird.
Die jetzigen Kandidaten bestätigen das meines Erachtens eindrucksvoll. Jeder von beiden sondert nur beliebige Allgemeinplätze ab.Bei Frau Merkel weiss man nach über 3 Jahren immer noch nicht, wofür sie in welcher Frage wofür steht.Heute hier morgen da.
Das man bei Herrn Steinmeier Rückgrat erwarten kann wird wohl keiner behaupten wollen,außer Münte.
Wenn Deutschland den nächsten Superstar wählt, könnte einem schon ein bischen mulmig werden
"Am Üben sein" ist hier im Rheinland völlig normal. Sach hührens ist ja auch völlig üblich. Genau wie die Umschiffung des Genitivs: "Wo es däm Nicolle sing Täsch sing Riemen?".
:-)
Paging