Gleichzeitig bedient sich der Ex-Die-Doofen-Sänger eines unfassbar tückischen Täuschungsmanövers: Er sieht immer aus wie der ewig-tragische Überzählige beim Schlagball.
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Und auch dieses Mal schien Bonings Tarnung perfekt zu sein. In seinem quergestreiften, gelb-blau-grauen Hemd, zipfelig, verwaschen und großonkelmäßig in die Hose gestopft, bot er das perfekte Gegenstück zu Effenbergs schäumendem Salontiger-Glamour.
Kleine, zitternde Fäustchen
Boning trat nicht als Aggressor auf, sondern versprühte den Elan eines mittleren Verwaltungsangestellten an einem sommerlichen Spätnachmittag. Das sollte dann für den Rest der Sendung so bleiben. Das Hemd war doch keine clevere Tarnung.
Als die Spiele begannen, lief alles noch wie erwartet: Gegen Kai, den 41-jährigen Elektriker aus Düsseldorf, konnte Boning im Pusteball punkten, doch dann erschöpfte sich der Atem des Ausdauersportlers erschreckend schnell. Er presste die Lippen aufeinander, schob nervös den Unterkiefer nach vorne, ballte seine Hände zu kleinen, zitternden Fäustchen. So sehen Jungs im Sportunterricht aus, die sich vor dem Geräteturnen drücke.
"Faul in der Beinarbeit", schalt Kommentator Frank Buschmann Bonings Tischtennis-Leistung. Beim Fechten versuchte der Comedian seinem schweren Helm die Schuld dafür zuzuschieben, dass er gegen den konterstarken Kai keine Chance hatte.
Überhaupt, der Kai.
Kai zeigte sich attraktiv-charismatisch. Eine betörende Erscheinung vom Typ Hans Hansens in Thomas Manns "Tonio Kröger". Trittsicher in Rohbauten als Elektroinstallateur, aber auch grazil den Degen zum Ziel führend im Fechtanzug. Behände wie eine Gämse an der Kletterwand, feste ballernd beim Elfmeterschießen.
Gleichzeitig ein geistvoller Quizpartner, Falkland-Inseln und Knesset sind ihm keine Fremdwörter, ein im Spiel überzeugender Gedächtniskünstler, auch ein total bodenständiger Familientyp wie du und ich mit einem Garten in der Größe eines Handtuchs. Und nach mäßigem Krafteinsatz, mit einem Endpunktestand von 23:5, 50.000 Euro reicher. Wir gönnen es Kai von ganzem Herzen.
Metzger statt Consultant
Allerdings sei dahingestellt, ob Kai gegen Stefan Raab ein ähnlich leichtes Spiel gehabt hätte. Denn der kraftstrotzende Action-Show-Pionier musste sich in fünfzehn Schlag-den-Raab-Folgen nur viermal gegen seine Kandidaten geschlagen geben, während die angeheuerten Promis zu 75 Prozent versagten.
Wie bei traditionsreichen Familienunternehmen gilt auch im modernen Medienbusiness: Der Metzger im Haus ersetzt den Glamour-Consultant, der teuer abrechnet und Effektivitätssteigerung nur gekonnt markiert.
Als Zuschauer vermisste man nicht zuletzt die unvergleichliche physische Präsenz des Vielseitigkeitskämpfers Raab, seine vor Konzentration knallroten Bäckchen, den schwitzenden, leidenden Entertainer auf dem heißen Quizstuhl, bei kniffligen Motorikherausforderungen, im teuflischen Hamsterrad. Manchmal fast die Adern platzend vor Energie, wie Popeye nach einer Euro-Palette Spinat.
Da vereinfachte Darstellungen sich in schlichten Zeiten besonderer Beliebtheit erfreuen, das Fazit des Textes noch einmal als Milchmädchenrechnung zusammengefasst: 75 Prozent der deutschen Promis können wir einsparen, da deren Leistungen im Belastungstest sich zu denjenigen des normalverdienenden Durchschnittsbürgers nicht als hundertprozentig höherwertiger erweisen, sondern mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eher als minderwertig.
Wenn es also bei ihrem nächsten Bummel über die Münchner Maximilianstraße mal wieder so weit sein, das Unvermeidliche geschehen und ihnen Boris Becker - den Blicken der Passanten ausweichend - entgegeneiern sollte, fordern Sie gedeckte Kreditkarten und Genugtuung. Falls die kecken Worte nicht sofort zum Star durchdringen sollten, drohen Sie mit Cherry-Tomaten und Tierpuzzles.
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(sueddeutsche.de/gal/mmk)
Wettmanipulation im Fußball