Rechnen nach Adam Krise: Die letzte Folge von Stefan Raabs "Schlag den Star" liefert die Erkenntnis, dass wir den Großteil der deutschen Promis schmerzfrei einsparen können - so auch Wigald Boning.
Alles neu macht der Frost, der Kälteeinbruch auf dem Kaufparkett: Wer momentan jeden Cent zweimal umdreht, weil er muss, oder weil es ihm einfach Spaß macht, der braucht sich in diesem Frühjahr ausnahmsweise mal nicht zu schämen. Denn Knausern ist die neue, auch in großen Hochglanzmagazinen verfochtene Trendsportart.
Bild vergrößern
Perfekt getarnt: Wigald Boning punktet im Pusteball. (© Foto: Pro Sieben)
Anzeige
Wer hingegen die Stillosigkeit besitzen sollte, sich als hemmungslose Scheinschleuder, als konsumgeile Göre zu gerieren, muss im mildesten Fall mit einem "total Neunziger"-Grunzer aus dem Lager der Sparschweine rechnen. Mit steinharten Cherrytomaten aus dem Bio-Discounter attackiert zu werden ist ein ebenso unschönes, jedoch denkbares Szenario.
Doch zu Recht werden in diesen Zeiten kostenintensivere Anschaffungen kritisch hinterfragt, Orgien jedweder Art eingeschränkt, die Haushaltsbücher am Monatsende beflissen nachgerechnet. Haben sich die mit dem Kauf verbundenen Erwartungen auch erfüllt?
Haben die Investitionen an der Gattin, gemeinsamer Opernbesuch und Aromamassage, sich sichtbar in der Beziehungsbilanz niedergeschlagen? Ist Rüde Brutus weniger aggressiv, seitdem er einen eigenen Flachbild-TV hat?
Auch Promis bleiben folgerichtig von Rationalisierungsfragen nicht verschont: Welche brauchen wir noch, und welche können wir uns sparen? Sind sie ihr Geld wirklich wert? Knallt zum Beispiel das Waldi-Hartmann-Weißbier in dem Umfang, dass dadurch ein sonntäglicher Aufenthalt im Englischen Garten zu einem gemütlichen Erlebnis werden könnte?
Oder haben wir vom letzten McWow-Heidi-Klum-Happy-Meal nicht sofort einen ganz üblen Durchfall erfahren, jedoch kein nachhaltiges Sättigungsgefühl? Vermissen wir die wohlfeile Verona Feldbusch, seitdem wir sie uns nicht mehr aufs Brot schmieren können?
Ähnliche Fragen wird sich auch Stefan Raab nach vier Folgen von "Schlag den Star" stellen, der Jubiläumsedition der Erfolgssendung "Schlag den Raab", in der nicht der Formatvater selbst, sondern externe Prominentenstatutsträger gegen Kandidaten aus dem Volk antraten: Hat es sich wirklich gelohnt, das Schlachtfeld angeheuerten Legionären zu überlassen?
Bevor sich am Freitagabend Wigald Boning dem Wettkampf gestellt hat, lagen die Promis nach Siegen zurück. Zwar konnte sich in der ersten Sendung Stefan Effenberg gegen Containerbrückenfahrer Oliver profilieren und dank schmucker Shirts ein himmelhoch loderndes Prollfeuer der Eitelkeiten entfachen.
Doch seine beiden Nachfolger holten sich Niederlagen ein: So blieb Ex-Handballer Stefan Kretzschmar nicht nur bei einer Kletter-Challenge saft- und kraftlos; der an einem Tierpuzzle scheiternde Boris Becker bewies, dass er keine großen Worte in den Mund zu nehmen braucht, um beim Zuschauer Fremdschämen zu provozieren.
Letzter Retter der Promi-Ehre
Wigald Bonings Aufgabe war es nun, ein Unentschieden zu erkämpfen. Raab beschwor ihn als "letzte Hoffnung" im Kampf um die "Promi-Ehre" - leider ohne diesen diffusen Ehrbegriff eingehender zu erläutern.
Der letzte Star erschien tatsächlich als Joker in Raabs Promiarsenal, Killerkarnickel à la Monty Python und heilige Handgranate in Personalunion. Denn Boning gilt als clever und tough zugleich.
Dagegen müssen seine Vorgänger, alle Ballsportler und atavistische Jäger eines - freilich abstrahierten - Beutekörpers, täglich viel Kraft und Energie aufwenden, um gegen Vorurteile anzukämpfen: etwa dass Ballerspiele asozial, aggressiv und doof machen, ja sogar die Hirnstruktur verändern.
Multiperformer Boning musste sich solchen Vorwürfen nie stellen, kann seine Energien anderweitig verpulvern: Er moderiert ein Wissenschaftsquiz und betreibt exzessiven Ausdauersport, joggt über die Alpen oder fährt vierundzwanzig Stunden Rad.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
- Thema
- Nachtkritik RSS
- Stefan Raab: "Wok WM" Die wahrscheinlich längste Reklame der Welt 06.03.2009
- TV-Kritik: Song Contest Warten auf den Wetter-Werner 14.02.2009
- TV-Nachtkritik: "Schlag den Raab" Also sprach Raabathustra 18.01.2009
- Stefan Raab im Interview "Kein Mitleid für Gottschalk" 04.04.2008
- FC Bayern: Einzelkritik Robben, der Regelbrecher 15.05.2010
- TV-Kritik: Germany's Next Topmodel Cindy-rella und der Ritter 14.05.2010
- TV-Kritik: Maybrit Illner Als Josef Ackermann die Kernschmelze entdeckte 14.05.2010
Partnersuche zum Valentinstag