Es ging um zwei Millionen Euro, doch Stefan Raab demontierte den vierten Kandidaten in Folge: Der Herausforderer war bärenstark, aber nicht clever genug. Ist Raab jetzt reif für Olympia?
Schon nach dem dreizehnten von 15 Spielen war Schluss: Stefan Raab traf beim Bierdeckelwurf das Ziel und schickte den Kandidaten Jens ohne die vier Geldkoffer mit insgesamt zwei Millionen Euro - nach Angaben von Pro Sieben die höchste Gewinnsumme, die je im Fernsehen aus eigener Kraft erspielt werden konnte - zurück nach Bielefeld. Der muskelbepackte Englischlehrer (35) hatte sich bei der Telefonabstimmung sogar gegen Lars Albert, den amtierenden deutschen Meister im Zehnkampf, durchgesetzt. Albert sagte in der Show, eine Teilnahme bei Raab wäre ihm wichtiger als die Olympischen Spiele in Peking gewesen, für die er sich ebenfalls zu qualifizieren versucht. Am 31. Mai geht es bei "Schlag den Raab" nun um 2,5 Millionen Euro. Da ihm die Gegner ausgehen, scheint der 41-jährige Gastgeber nach seiner gescheiterten Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City, wo er für Moldawien im Skilanglauf antreten wollte, nun reif für größere Aufgaben. Wir haben ihm deshalb schon mal ein Schreiben aufgesetzt.
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Erfolgreich zwei Millionen verteidigt: Stefan Raab (© Foto: ProSieben/Willi Weber)
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Abs.: Stefan Raab BRAINPOOL TV GmbH Postfach 801069 51010 Köln
Herrn Jacques Rogge International Olympic Committee Château de Vidy 1007 Lausanne Switzerland
Kopien an: Thomas Bach; Peter Danckert
Köln, den 6. April 2008
Betr.: Meine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking
Sehr geehrter Herr Rogge,
zum vierten Mal in Folge habe ich nun den von mir kreierten modernen Fünfzehnkampf "Schlag den Raab" gewonnen und erfülle damit offensichtlich die Qualifikationsnormen für die Olympischen Spiele 2008 in Peking: "Schlag den Raab" muss mit sofortiger Wirkung olympische Disziplin werden!
Ich weiß, das Wort "Peking" löst bei Ihnen momentan Migräne aus: Menschenrechte, Doping, Boykottdrohungen, gewiss lauter unschöne Dinge, und dann muss am Ende auch noch die Kohle stimmen. Doch meine Teilnahme wird für positive Schlagzeilen sorgen, und das IOC in einem innovativen Licht zeigen. Die Gewinnsumme von, sagen wir, zehn Millionen Euro bekommen wir locker durch TV-Werbung und Telefonspiele wieder rein: Wir können z.B einen einzigen Anrufer 20 Autos auf einmal gewinnen lassen. Zudem muss die Gewinnsumme nur im unwahrscheinlichen Fall ausgezahlt werden, dass ich verliere.
Wir sollten liebgewonnene olympische Sportarten in "Schlag den Raab" integrieren. Ich stelle mir den Kombinationswettberb wie folgt vor: 1. Springreiten, 2. Croquet (wie 1900), 3. Grammgenaues Leberwurstabwiegen 4. Ringen (griechisch-römisch), 5. Ich packe einen Koffer und nehme mit, 6. Snowboardslalom (Haben die Chinesen eine Skihalle? Wenn nein: Können wir die bis zum Sommer bauen?), 7. Reckturnen, 8. BMX, 9. Blamieren oder Kassieren, 10. Autoball, 11. Gewichtheben, 12. Scrabble, 13. Bogenschießen, 14. Stabhochsprung und 15. Ziehen einer Fahrkarte am DB-Automaten (mit BahnCard 50 und Sitzplatzreservierung Fenster).
Organisatorisch ist es wichtig, dass ich am Wettkampftag bis mittags schlafen kann. Tragen Sie bitte Sorge, mir einen gleichwertigen Gegner zu stellen. Sie denken jetzt bestimmt: "Da nehmen wir einfach unseren Zehnkampfweltmeister und Weltrekordhalter Roman Sebrle." Doch so einfach ist das nicht, auch mein Publikum traut Zehnkämpfern keinen Sieg gegen mich zu. Wenn, dann sollten Sie Sebrles Gene dopen, mit einem Schuß Stephen-Hawking-Logik, Pokerprofi-Coolness und einer großen Portion Huber-Buam-Schwindelfreiheit.
Denn wir wollen ja nicht, dass es bei Olympia zu solch hilflosen Szenen kommt wie beim Autorallye-Spiel in meiner Sendung vom 5. April d.J., als dem Kandiaten Jens die Cleverness fehlte, in zehn Runden die Ideallinie zu finden und er sich immer wieder an der selben Stelle im Schlamm festfuhr. Da fiel unserem Moderator Matthias Opdenhövel der lustige Spruch ein: "Sah aus wie bei Willi Herren, als er Chips klauen wollte." Den Witz erkläre ich Ihnen dann in Peking.
Wissen Sie, Herr Rogge, vielleicht nehmen wir diesen Kerviel, der bei "Schlag die Société Générale" gewonnen hat. Der würde mich als Gegner reizen, weil er dieses Gespür dafür, wie man aus einer schwierigen Situation das Beste macht. Und motiviert wäre er bestimmt auch.
Ich bitte Sie, mich umgehend über das weitere Prozedere zu unterrichten, denn wie man hört, werden in Peking die Hotelzimmer knapp.
Mit olympischem Gruß Ihr Stefan Raab
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(sueddeutsche.de/ihe)
Irgendwie werden die Jungs die Herrn Raab herausfordern füfen immer sprotlicher und durchtrainierter. Wenn ich die Sendung richtig verfolgt habe, gab es aber nur ein echtes Kraft-Ausdauer-Spiel. Es bleibt die Fesstellung, dass da liebe Publikum hier wohl immer ziemlich zielsicher den perfekten Body, aber eben nicht den perfekten Herausforderer.