Wenn es draußen knackt vor Kälte, wärmt drinnen die Glotze die Gemüter. Aufheizer des Abends: Raab und "Tornadotorsten". Eine kleine Nachtkritik
Ein noch früher Samstagabend, im Januar. Der eisige Riegel des Winters hatte sich vor die Menschen und ihre Behausungen geschoben. Viele saßen zwischen Haufen aus Konserven, Vitaminpillen und Flüssignahrung. Sie vermieden es, ihre wohligen Nester zu verlassen, obwohl die heftigsten Schneeverwehungen bereits überstanden schienen. Querfeldein durch deutsche Wohnzimmer spielten sich ähnliche Szenen ab: Der Hausherr sichtete die Vorräte an Brathering, Wurst und Dosenbier. Die Hausherrin thronte etwas einsam auf ihrer Wärmflasche wie eine Prinzessin. Der Hausherr biss genüsslich in ein mit Spiced Ham belegtes Brötchen, während die Hausherrin besorgt von ihrer Lektüre aufsah und fragte: "Und wenn er unterwegs eingeschneit wurde?"
Das Wettrennen um den Zaster geht weiter: Nach der Niederlage von Kandidat Torsten steigt der Jackpot in Stefan Raabs "Schlag den Raab" auf zwei Millionen Euro. (© Foto: dpa © ProSieben / Willi Weber)
Anzeige
Es hatte sich eingebürgert, dass Raab einmal pro Monat im Hause vorstellig wurde, weitere Gäste mitbrachte und für Unterhaltung sorgte. Seitdem altbekannte Freunde wie Thomas G. oder Harald S. an Witz verloren hatten, erwartete das Paar die heiteren Spieleabende mit Raab sehnsüchtig. Offen würden beide dies sich jedoch nie eingestehen. "Raab ist ein vielbeschäftigter Mann", grummelte der Hausherr, Spam-Brocken aus seinem Winterbart pulend. "Aber er hat uns noch nie enttäuscht. Kommt bestimmt gleich, wirst schon sehen." Er räusperte sich. Die Hausherrin begann zur Ablenkung, im Buffet nach gehorteten Nüssen zu stöbern.
Tornadotorsten im Schneegestöber
Und da war er endlich! Raab erstürmte die Wohnung - im Schlepptau des stets feixenden, mit Geldkoffern behängten Opdenhövel. Für diesen Abend war der 31-jährige Tornadopilot Torsten aus Kaisersesch zum Konkurrenten um 1.5 Millionen Euro auserkoren worden. Draußen begann es in diesem Moment wieder heftiger zu schneien. Doch sobald der vertraute Gast den vorfreudig erhitzten Kopf hereingesteckt, mit seinem burschikosen Goldlächeln die Stube erleuchtet hatte, begann die frostige Stimmung gleich dahinzuschmelzen. Erleichtert, trotz widriger Witterung auf das erhoffte Divertimento nicht verzichten zu müssen, machte das Paar es sich auf der Couch bequem.
Allein Torsten, etwas ernst und blass und im echten Leben blitzschnelle Tornadojets manövrierend, schien sich unwohl zu fühlen, er fand nicht ins Spiel. Im Duell mit Raab fehlte ihm von Beginn an die nötige Puste. Im Vergleich zum Mülheimer Blizzard erinnerte der liebenswürdige Torsten die Hausherrin an eine schmeichelnde, aber schwache Brise an Bord eines tuckernden Mississippi-Raddampfers. Nur drei Spiele konnte er für sich entscheiden: Das "Stehen" auf einem Bein sowie die Quizspiele "Musik rückwärts" und "Blamieren oder Kassieren".
Raab hingegen drehte auf, wirbelte durch die Wohnung. Er schleuderte Medizinbälle im Akkord, "Novuss", eine Art Tischbillard und lettischer Nationalsport, erlernte er in Sekundenschnelle und versenkte die Spielsteine, beim Klassiker "Spitz, pass auf!" zeigte er Nervenstärke. Torsten unterlag im Sprachquiz und im Spiel "Der Toaster", bei dem in mehreren Versuchen der stets gleichbleibende Zeitraum, nach welchem der Toast aus der Maschine geschleudert wurde, einzuschätzen war. Der Pilot hatte außerdem massive Probleme, beim "Squash" die Flugbahn des Balls zu erahnen, wodurch sich Kommentator Frank Buschmann zu der trockenen Bemerkung hinreißen ließ: "Von den Rückschlagsportarten scheint Torsten nicht zu kommen."
Hitzkopf Raab beschlägt das Visier
Am spektakulärsten gestalteten sich die Spiele sieben und acht, die draußen in nahezu daisydichtem Schneetreiben stattfanden. Beim "Penalty schießen" in voller Eishockeymontur musste sich Hitzkopf Raab in einer Notaktion das beschlagene Visier abschrauben lassen, dann sah er wieder und siegte. Ebenso gewann er das anschließende "Langlaufen". Torsten, stellenweise bemüht, jedoch für einen Bundeswehr-Dienstgradträger erschreckend untrainiert wirkend, musste nicht nur einmal in die weiße Pracht beißen. "Der Schnee ist nicht des Tornadotorstens Element", flüsterte die Hausherrin, "sein Platz ist über den Wolken."
Und auch Landkarten schienen nicht zu Torstens Repertoire zu gehören. Bereits beim zwölften Spiel hieß es "Matchspiel" für Raab. Mit seinem Gewinn im "Länderumrisse" raten konnte er um Mitternacht, mit 15:63 Punkten, den Sieg davon tragen. Der Jackpot für den 10. April liegt damit bei zwei Millionen Euro.
Für die Hausherrin und den Hausherrn brach nun schnell und unverhofft die altbekannte, zweisame Stille über die eigenen vier Wände herein. "Irgendwie kurz dieses Mal", war alles, was der Hausherr in seiner Enttäuschung äußern konnte. "Der gute Raab", seufzte die Hausherrin. "Die Presssack-Schnittchen, die ich für ihn vorbereitet hatte, hat er wieder nicht angerührt." Sie trat ans Fenster und sah der lustigen Gesellschaft nach, wie sie auf ihren Geldkoffern über die verschneite Programmlandschaft davonrodelte.
- Thema
- Nachtkritik RSS
- Weggang von Sat1-Chef Bolten "Es ist Zeit für neues Fernsehen" 13.01.2010
- TV-Kritik: Schlag den Raab Lipgloss-Glamour gegen Grimassenpower 20.12.2009
- FC Bayern: Einzelkritik Robben, der Regelbrecher 15.05.2010
- TV-Kritik: Germany's Next Topmodel Cindy-rella und der Ritter 14.05.2010
- TV-Kritik: Maybrit Illner Als Josef Ackermann die Kernschmelze entdeckte 14.05.2010
- Stilkritik: Samantha Cameron Sexy Sam - die Frau mit dem Tattoo 12.05.2010
- Schlag den Raab Leute, ich brauche Gegner! 10.05.2010
(www.sueddeutsche.de/dgr)
zu meiner bundeswehrzeit (ende 90iger) stand regelmäßig sport auf dem programm. scheint sich mittlerweile doch geändert zu haben.
Abgesehen vom Thema und den redundanten Ausschmückungen (Hausherrin...), ein ziemlich schlecht geschriebener Artikel. Völlig überladene und bedeutungsarme Sätze, unnötig viele Partizipien - erinnert an den Stil mancher Studenten- oder Schülerzeitung.
Wirklich eine Schande so was bei Kultur zu finden.
Hab es mal in Gedanken mit Mammi und Pappi ersetzt, da wird ein schönes Bild draus: Wie die Franzi wie in alten Zeiten mal wieder bei den Eltern zusammen vor der glotze sitzt und sich notizen macht.
"Viele saßen zwischen Haufen aus Konserven, Vitaminpillen und Flüssignahrung."
Viel? Zwischen Haufen? Hää. Oder doch eher sowas wie:
Erst haut sich Pappi Konserven Futter rein, schmeißt vorsorglich ne Vitaminpille hinterher um dann mit Bier abzulöschen.
Klingt so ein wenig nach Schülerzeitungs Niveau. Na dann bis zur nächsten Raab Show... oder gibt's nächstes mal Thomas G. oder etwa der vergessene Harald S.? (ps. Gotschalk und Schmidt sinds ;-)
@ Rhineländer
Über Fernsehen als Kultur schimpfen und dann nichtmal lesen können, das ist schon dumm.
@Löw1860
Volle Zustimmung! Habe mich auch geärgert dass der Kandidat so schwach war. Die Kandidaten sind mir in letzter Zeit auch zu nett, ich glaube man muss ein wenig das A****loch spielen um den Raab aus dem Konzept zu bringen.
@nicknoris
Beeindruckend, wie du die harten Fakten aneinander reihst. Damit ist bewiesen dass nicht nur die FDP, sondern auch pro7 betrügt. Aber schon irgendwie amüsant diese Verschwörungstheorien.
Schonmal überlegt obs nicht vielleicht auch einfach Zufall war?
vorbereiten kann ist unvermeidlich. Schließlich produziert er die Sendung. Kein Wunder, dass er sicherer auf Schlittschuhen oder Langlaufskiern steht als sein Gegner.
Aber auch bei Wissensspielen verschafft er sich eiskalt Vorteile, schließlich muss er sein Kampfschweinimage pflegen, so dass er seinen meist befangenen Gegnern haushoch überlegen ist.
Seine häufigen Siege und die wachsenden Jackpots sind schließlich der Erfolg der Sendung.
Ärgerlich gefaked war das Länderumrissspiel. Hier war er nicht nur allgemein vorbereitet - "ach ja, die Baja California" - sondern er wusste auch, welche Länder aufgerufen wurden. Nur so war Raabs Ärger, als er China und Russland verwechselte, zu erklären.
Paging