Hilfe, das Internet verschwindet nicht! Im TV-Studio findet Buchautor Schirrmacher zusammen mit Günther Jauch ein Mittel gegen die Informationsfluten. Am Ende siegt immer der Wahnsinnige.
Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann: eines Tages als ein anderer aufzuwachen. Eines Morgens nicht mehr Mensch, sondern - sagen wir - Käfer zu sein, so wie Gregor Samsa in Kafkas "Die Verwandlung".
"Das Internet vermatscht unser Gehirn" - Frank Schirrmacher diskutierte bei Beckmann mit Moderator Jauch über die digitale Informationswelt und sein neues Buch "Payback" (© Foto: dpa/iStock)
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Dass sich das menschliche Gehirn in der digitalen Informationswelt ändere, dass all dies Bombardement aus Online-News, E-Mails, SMS, Tweets und Telefonaten zu viel sei für das bisschen Inhalt in der Schale namens Schädel, dessen ist sich Frank Schirrmacher sicher.
Und so schreibt der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in seinem neuen Buch "Payback": "Wir bleiben Käfer." Oder: "Ich werde aufgefressen." Aufgefressen offenbar, weil er selbst ein gieriger "Informationsfresser" ist, mutiert zum Informavores rex, der im neuen darwinistischen Überlebenskampf glänzen will.
Vermanschungsgefahr, Bildungsbürger und Glückskäfer
Die bisher wirkungsvollste Warnung von der Käfer-Gesellschaft emittierte der Autor am vorigen Freitag, kurz nach Veröffentlichung des Buchs, im Groß-Interview in Bild. Es gipfelte kafkaesk in der Schlagzeile: "Das Internet vermanscht unser Gehirn." Schirrmacher warnt, wir gäben das Denken an Computer ab, es wandere "buchstäblich nach außen". Multi-Tasking zum Beispiel sei Körperverletzung.
Nun diskutiert Deutschland trotz der Apokalypse Käfer derzeit eher über Wettbetrüger beim Fußball oder Steuergelder für Opel. In solchen Momenten intellektueller Defizite tritt gerne der oberste Informationsgrundversorger der ARD auf, Reinhold Beckmann.
Zum Talk über die Vermanschungsgefahr, die Attacken aufs Gehirn, hatte er neben Schirrmacher mit Günther Jauch einen weiteren "Bildungsbürger" aus Potsdam geladen. Der TV-Moderator darf schon deshalb als Kapazität auf diesem Gebiet gelten, weil er seit mehr als zehn Jahren Wissensfragen stellt, deren Beantwortung einfache Deutsche in Millionäre verwandeln kann - was ein richtiges Glückskäfergefühl sein dürfte.
Jauch: Einmal Porno, immer Porno
RTL-Gehirn Jauch sprach von einem "bahnbrechenden Buch". Das Internet sei eigentlich ein Paradies, aber es erschöpfe einen wirklich, wenn andauernd etwas blinke. "Und dann ist man leer", erklärte Schirrmacher einmal. Während der Mann vom Fernsehen zum Besten gab, dass der Online-Versender Amazon ihm regelmäßig Porno-Literatur vorschlage, nur weil er ein einziges Mal - nicht für sich - etwas Erotisches bestellt habe, gab der Mann von der Zeitung die steilsten Thesen seines Buchs wieder. Wie wir alle Angst haben, etwas zu verpassen. Wie Google die Macht über unsere Informationsauswahl übernommen hat. Wie Computer Profile erstellen. Wie sich das Gehirn, "dieser Muskel", anpasst.
Irgendwo ist immer ein Trend, der sich zur gesamtgesellschaftlichen Schlüsselfrage verdichten lässt. Hatte Schirrmachers erster Bestseller "Das Methusalem-Komplott" noch das wichtige Thema der Überalterung in die Medien gebracht, so war dem Nachfolgewerk "Minimum" - Gegenstand: die Auflösung der Familie - schon weniger Erfolg beschieden. Die digitale Überforderung in "Payback" wiederum dürfte vordringlich das Problem jener imaginären "Info-Elite" sein, die ihr Wohlergehen tatsächlich von der jeweils aktuellen Nachricht abhängig macht. Allen anderen genügt der Ausknopf.
Im Übrigen: Schon immer gehörte es beispielsweise zu den Grundweisheiten einer Redaktion, dass der Papierkorb eines der wesentlichsten Mittel zur journalistischen Qualitätskontrolle ist. Das gibt es inzwischen eben auch elektronisch. Es ist kein Verbrechen, unverlangte Mails nicht zu beantworten.
Auf der nächsten Seite: Schirrmachers Alarmismus ist wenig mehr als ein Hinweis auf persönliche Defizite - den Willen, es besser zu machen, nimmt ihm keiner ab.
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Schlechter Datenschutz
Pardon. Aber ich komme erst heute dazu, so einen überflüssigen Kommentar zu setzen, weil ich vor Lachen die Tastatur nicht traf.
So so! Der Herr Jauch! Hat etwas Erotisches bestellt! Bei Amazon! Für einen Freund! -
Für einen Freund? - Natürlich, für einen Freund, was denken Sie denn? - Ääääh...nichts! - Na also, das wär ja noch schöner. - War da etwa Schleichwerbung mit drin? - Aber, ich bitte Sie, Herr Jauch doch nicht! - Nicht? - Niemals!
"Herr Doktor, ich hab da einen Bekannten, der hat ein Alkoholproblem. Wie kann man dem helfen?" - Ääääh...?
Schwarzenegger:" I had never taken anabolic drugs." - "Sure, Arnie, sure!"
HerrJauch! Nicht wahr?
Gruß
Mulholland
Es ist doch immer wieder die gleiche Masche von diesen Volksverdummern des
Blödstreams.
Da werden Thesen aufgestellt, die mit nix belegt werden können, um etwas ungeliebtes zu verteufeln. Dazu nehme man ein paar prominente Einfaltspinsel, die sich daran einen goldenen @r$ch verdienen.
Nirgendwo finde ich so schnell ungefilterte Informationen für eine Erklärungskette wie im Internet. Das wichtigste um mir ein Urteil bilden zu können.
Man muß es nur lernen und wenn man es einigermaßen beherrscht hat man auch die Argumente sofort wieder an der Hand oder sich ins Gedächtnis geholt.
Alles Sachen die der Blödmeinungsbildung nicht in den Kram passen, da sie hauptsächlich auf ständige Manipulation von Informationen setzen. Außerdem ist ihr Deutungsstream, der auf ständige Suggestion setzt, nicht mehr so erfolgreich.
Nur gleichgeschaltete Medien verdummen und dies wissen diese Pharisäher auch.
Ich habe den guten Herrn auch kurz im Fernsehen gesehen.
Er kritisiert eine Allvereinahmung und Schädigung durch das Medium Internet, betont aber immer wieder, dass man sich ja gar nicht dagegen wehren könnte.
Ich persönlich kenn 4 Leute, die freiwillig auf Fernsehen und Internet verzichten, und die sind auch noch am Leben.
Ich nutze das Internet täglich mehrere Stunden zu Unterhaltungs- wie zu Studienzwecken.
Wenn er sich beschwert, man würde dauernd von neuen Mails überflutet. Ich habe mein Mailprogramm gar nicht mit meinem PC verbunden. Will ich also meine Emails abrufen, entscheide ich mich bewusst dazu, genauso wie man eben auch zum Briefkasten geht. Es gibt reichlich Spam-Filter, man muss keine Mail öffnen, die man nicht erbeten hat und übrigens, man muss sich nicht bei jedem Portal für den Newsletter anmelden (von wegen Buchtipps von amazon).
Tatsächlich ist man ohne das Internet als Student inzwischen quasi nicht konkurrenzfähig in sofern, dass man im Internet die Möglichkeit alle Datenbanken zu Fachartikeln in ganz Deutschland und Europa zu durchforsten und so entsprechend möglichst alle relevanten Artikel zu einem Thema zu bekommen, ohne durch ganz Deutschland fahren zu müssen und dort auf gut Glück Bibliothekskarteikästen zu durchforsten. Wer nur mit Hilfe seiner heimischen Bibliothek studiert hat fachlich quasi schon verloren. Ich weiß nicht, in wie weit das jetzt mit "Hirnzermanschung" zu tun hat.
Es kommt beim Medium Internet schwer darauf an wie man es nutzt. Die Leute, die wie ich schon mit dem Internet aufgewachsen sind, nutzen es ihrem Alter entsprechend. In der Pubertät war ich auch hauptsächlich und Exzessiv auf sog. sozialen Netzwerkseiten unterwegs. Hab mein Abi trotzdem mit 1,6 geschafft.
Heute ist es hauptsächlich Recherchemittel, Unterhaltung wenn im Fernsehen mal wieder nur Müll läuft und Quelle für schnelle Nachrichten.
Bei jüngeren Geschwistern von Freunden habe ich beobachtet, dass die SEHR viel vorsichtiger mit ihren Daten umgehen, als ich es früher getan habe.
Fazit: Ja, das Medium Internet hat das Leben der Menschen verändert genauso sehr zum Guten wie zum Schlechten. Doch jede neue Generation, die damit aufwächst lernt immer gezielter damit umzugehen. Die Kritik des Buches ist letztendlich die Kritik der noch internetlosen Generation, die dem Medium teils genauso ratlos gegenübersteht wie die überforderte Omi vor dem neuen Fahrkartenautomaten.
Was diese beiden Experten von sich gegeben haben, war beschämend für den Journalismus. Es scheint wirklich schwer zu sein, Deutungshoheit zu verlieren. Da muss man sich dann mit wirren Thesen gehen wehren.
Der lustigste Kommentar zu Payback und Beckmann gestern ist, wie ich finde, übrigens dieser:
http://www.ichwerdeeinberliner.com/25-the-internet
kann es einem fast so wie Schirrmacher ergehen - die Flut der Artikel ist erdrückend, wie im Netz eben, mit dem feinen
Unterschied - alles läßt sich berühren was Interesse weckt. Und das Gehirn nimmt weniger Schaden auch
wenn nicht gleich
das richtige und oder passende gefunden wurde. Egal, besuchen wir morgen einen anderen Baumarkt berühren
die Dinge welche uns bewegen und fördern die Kreativität auf der Suche nach dem passenden Artikel eben
dreidimensional mit allen Sinnen ... Also, der Aufenthalt in einem Baumarkt erster Güte ist allemal gesünder
als Internet ... Suchen, Nachdenken, Schaffen, Machen - befreit ungemein. Und das Internet wird erst dann
zum Leben erweckt wenn die passende Strombiegezange oder Gumminieten eben nicht im Baumarkt der
ersten Wahl gefunden wurde ;-))
Paging