Ungezuckert und eindeutig überkalauert: Mathias Richling und sein neues politisches Kabarett in der ARD. Stark war nur eine New Yorker Erscheinung namens Guttenberg.
Es gibt bekanntlich Krisengipfel, Wirtschaftsgipfel, Berggipfel - und nun auch einen "Satiregipfel". Das ist der Gipfel an politischem Kabarett, den die öffentlich-rechtliche ARD ihrem Publikum und den Parteien in ihren Gremien zumutet, und den nun auch Dieter Hildebrandt aushalten muss, der jahrzehntelange Gipfelkabarettist des Senderverbunds.
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Matador Richling und mühte sich mit lachproletarischer Kraft um politisches Kabarett. (© Foto: ddp)
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Weil ihm gar nicht gefiel, in welche Richtung sein ernannter Nachfolger Mathias Richling vermutlich künftig kalauern will, hat er unter lautem öffentlichen Getöse dem Satireklassiker den Titel "Scheibenwischer" weggenommen, da Hildebrandt hieran Rechte hat.
So also hatte am Donnerstag der "Scheibenwischer" mit neuem Namen und Anstrich Premiere - als "Satire Gipfel". Um es gleich zu sagen: Matador Richling und seine Gäste mühten sich mit lachproletarischer Kraft um politisches Kabarett. Die Befürchtung des alten Gipfelkönigs Hildebrandt, hier breite eine bunte Truppe Comedy à la RTL auf dem geheiligten Sendeplatz aus, löste sich schnell auf. Eine ganz andere Frage ist, ob dieses politische Kabarett gelungen war. Vielleicht waren Frank Lüdecke, Matthias Seling, Philipp Weber und Ingolf Lück einfach in ihrem Drang übermotiviert, Angriffslust zu beweisen.
Jedenfalls bot diese Gipfelei den Höhepunkt erst zum Schluss, als Gastgeber Richling vor einem großen Bild des New Yorker Times Square mit ausgebreiteten Armen als Karl-Theodor zu Guttenberg erschien, mit gegeltem Haar und lila Einstecktuch, wie deus ex machina - und dann auch noch mit der Schlafwagenstimme des Michael Glos erzählte, er stelle sich wieder "wirtschaftspolitischen Fangfragen".
Das war Doppelherz, die Kraft der zwei Parodien, und als Parodist war Richling ja bekanntlich schon zu "Scheibenwischer"-Zeiten auf seinem persönlichen Gipfelniveau.
Die Metamorphose des Ministers
Dann wechselte der Mann leider die Stimme, klang nicht mehr wie Glos, aber auch nicht wie Guttenberg, der vielleicht noch nicht lange genug im Amt ist, um anständig imitiert zu werden. Jedenfalls riet die Kunstfigur an "opelster Stelle", Deutschland solle auch General Motors kaufen und noch etwas drauflegen, um Amerika gleich mitzuverstaatlichen. Das ist mal eine Antwort auf die systemische Frage! Zum Auftakt der Sendung hatte Richling noch gewitzelt, Michael Glos habe nicht einmal gewusst, dass er Wirtschaftsminister war.
Man kann wirklich nicht behaupten, dass es der Premierenfolge an Boshaftigkeit fehlte. Allein fehlte die Tiefenschärfe und Feinheit des politischen Witzes, der den "Scheibenwischer" zu besten Zeiten ausgezeichnet hatte, die Sendung jenes Mannes, den Richling jüngst als "SPD-Kabarettisten" tituliert hatte.
Rasch wechselten im neuen "Satire Gipfel" die erwartbaren, zu laut und zu krachend vorgetragenen Provokationen, Sketches of Pain, die davon lebten, auch wirklich nichts aussparen zu wollen: Taliban, islamistische Selbstmordattentäter, Abwrackprämie, Amokläufer, Banker und Mehdorn. Die ganze deprimierende Nachrichtenabfolge einer "Tagesschau" wurde als absurdes Horrorkabinett vorgeführt, eine Kammer des Schreckens, auf dass dem Bürger das Lachen auf den Lippen erstirbt.
"Gleichstellung von Frau und Vieh"
Das ging so in dem Stil, dass man bei einem Zwischenfall froh gewesen sei, dass es wirklich Terroristen waren und nicht irgendein "unzufriedener Bahnkunde". Da wurde, überaus ironisch, die Gleichstellung von "Frau und Vieh" gefordert, und dass jede Frau doch bitteschön "eine eigene Box im Stall" bekommen solle. Zum Wiehern!
Zu den Rechtsextremen ging es weiter in dem Stil, dass mancher NPDler seine SS-Tätowierung unter dem Unterhemd trage. Es war natürlich von "brauner Soße" die Rede. So originell können Kabarettisten sein, wenn sie den Gipfel der satirischen Möglichkeiten im Fernsehen erreicht haben. Die Post-"Scheibenwischer"-Combo war politisch so inkorrekt, dass es schon wieder extrem politisch korrekt war. Bei dieser Satireshow galt offenbar das Motto eines ambitionierten Nachwuchswettbewerbs: Jugend forscht!
Über allen Wipfeln aber schwebte Mathias Richling mit seiner roten Krawatte. Seine Von-und-zu-Guttenberg-Nummer war wirklich der einzige Höhepunkt des "Satire Gipfels". Und sein Spruch dazu war nicht ganz so platt wie die anderen Kalauer dieses Abends: "Adel vernichtet". Da hat vielleicht sogar Dieter Hildebrandt gelacht.
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(sueddeutsche.de/segi)
Partyzone Flußufer
Die Anstalt soll der bessere Satire-Gipfel sein? Mal ehrlich: Ich gucke gern & regelmäßig die Anstalt wegen Schramm und manchmal wegen der Gäste Rether und Rebers (die freilich auch in den Scheibenwischer kamen). Aber viele andere "ambulante Anstalts-Patienten" sind nun wirklich keine Beispiele für kabarettistisches Gipfel-Niveau. Und Priol ist zwar eifrig um eine hohe Pointen-Dichte bemüht, aber spätestens beim zweiten Mal nachhören oder -lesen (schon mal probiert?) zeigt sich doch bei Richling deutlich mehr Substanz.
Gewiss war der neue Gipfel noch verbesserungsfähig. Aber einiges hat mich doch positiv überrascht, z.B. die "Beratungen" von Richling und Lück: Vorm Arztbesuch 3 Mrd. Schulden machen, sich teilverstaatlichen lassen, dann Staatshilfe beantragen mit der Begründung, der Ansteckungsstandort Deutschland sei gefährdet... Von Schramms August vielleicht abgesehen, ist solch polemisch-skurrile Übertreibung wohl das einzige satirische Mittel gegen die irrsinnige wirtschafts-getrimmte Entwicklungen der Sozial- und Gesundheitspolitik.
Also bitte nicht zu vorschnell für den Humor-Standort Deutschland, für bestimmte Formen oder Vertreter des Kabaretts kämpfen, sondern Neuem eine Chance geben!
Zitat: "Und Richling, naja, für politisches Kabarett reicht es nun mal nicht, wenn man nur Politiker imitieren kann."
Aber er kann ja noch nicht mal das. Irgendwie klingen alle seine "Politiker" ähnlich - entweder ist es "Stoiber nach 5 Espresso" oder "Stoiber, der nach 5 Espresso versucht Westerwelle zu immitieren".
Schön, das erste Mal ist auch das lustig, aber inzwischen ist sein Repertoire bekannt und hundertmal gehört worden. Es wäre eigentlich an der Zeit gewesen, ihn auf die Wartebank zu schicken, stattdessen wurde er quasi befördert...
Wäre er weiblich und hübsch, würden hier wilde Spekulationen spriesen, wie er das geschafft hat. So ist und bleibt es ein Wunder. Wenn er nun den Papst ein wenig verschont, hätte er noch Chancen auf eine Seligsprechung ;-)
Wenn der Schramm in der Anstalt mal so einen richtig schlechten Tag haben sollte, bereitet er noch wesentlich mehr Vergnügen, als die gestrige Premiere des SatireGipfel.
Ich hatte eigentlich einen Richling in Höchstform erwartet, der es dem Hildebrandt mal so richtig zeigt. Herausgekommen ist bemühte Langeweile. Wie schade...
und so ist es mit der sendung "scheibenwischer". dass nun mal nicht jedesmal ein hammer herausgeholt wird, liegt nicht an "schwibenwischer" sondern am publikum.
die NadA wird überbewertet, da auch hier seit einem jahr die gleichen pointen verwendet werden.
Tafelwein eben.
den furchtbaren Lüdeke mit fuffziger-Jahre-Schmäh gesehen, dann halt aus Nostalgie kurz noch den Richling ausgehalten, wie er sich völlig vergeblich mit seinem Guttenberg abstrampelt...
...dann kurz drauf den Pocher, das arme Würstchen, das den Schmidt gibt!! 30 Sekunden, länger hält das kein Mensch aus!
Liebe ARD, geht's euch nicht gut? Seit Jahren taucht der Scheibenwischer doch schon ab, weil NIEMAND machte Anstalten, die Sendung aufzufrischen.
Stattdessen ging Schramm und machte die Anstalt! Zum Glück!!
Und mir rettete der wunderbare Ringsgwandl gestern die gute Laune, der im BR in der Nachtlinie spazierenfuhr.
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