Als dritter Gast hatte Matthias Egersdörfer ebenfalls eine Guantanamo-Folter-Geschichte im Gepäck, die er zwar wunderbar cholerisch, aber dann doch irgendwie an der falschen Stelle auspackte: War da nicht gerade irgendwas mit einer neuen Bundesregierung gewesen, über das es sich aktuell hätte spaßen lassen können?
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Nun war es also an Georg Schramm, die Sendung zu retten. Er tischte prompt brav ein paar Spekulationen auf, wie die neue Bundesregierung gedenke, bis zur nächsten Wahl durchzuhalten: Die hohe Staatsverschuldung komme dadurch zustande, dass ab 2011 das Hauhaltsdefizit jedes Jahr um ein Sechstel sinken müsse. Je höher die Verschuldung zu diesem Stichtag, desto höher könnten auch die Schulden in den Folgejahren sein. "Die sinnlose Schuldenhochtreibung hat Methode", schlussfolgerte er.
Der Geist der Krisenbanken sei in der Bundesregierung angekommen, er laute: Nach mir die Sintflut. "Aber nach uns kommt vielleicht gar keine Sintflut. Wir sind vielleicht schon die Sintflut."
Schließlich erinnerte Schramm daran, dass der neue Arbeitsminister Franz Josef Jung dereinst in der CDU-Spendengeldaffäre für Roland Koch den Kopf hingehalten habe; er persönlich fände es aber gut, dass Bauernopfer nicht unbedingt in der Gosse, sondern manchmal auch in einem Bundesministerium landen würden.
Parade-Satire-Opfer Guttenberg musste selbstredend ebenfalls gewürdigt werden: Endlich habe die Bundeswehr mal einen Oberbefehlshaber bekommen, der seinen Namen verdiene - Karl Friedrich Theodor Freiherr von und zu Guttenberg. Erst mit seinem neuen Amt als Verteidigungsminister bekomme sein weiterer Beiname "Shootingstar" endlich die richtige Bedeutung.
Anstaltsleiter Urban Priol, sonst auf Zack, blieb an diesem Abend eher blass. Ob es daran lag, dass Kollege Schramm ihm - völlig zu Unrecht - ein Kanzlerinnen-Parodie-Verbot auferlegt hatte? Möglich. Möglich ist aber auch, dass die Zeiten einfach noch nicht schlecht genug sind für wirklich gutes politisches Kabarett. Man darf also gespannt sein.
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(sueddeutsche.de/rus/jja)
Partyzone Flußufer
Anstatt über Inhalte nachzudenken, werden Personalien diskutiert. Wie in der Politik.
Wenn solche Sendungen mehr als das erreichen, nämlich das Nachdenken über kritisierte Verhältnisse, dann haben sie ihren Sinn nicht verfehlt. Und das bei allen Schwächen.
Es hat so mancher nichts im Fernsehprogramm zu suchen und wird doch ständig präsentiert.
Mittermeier hat in der Anstalt nichts verloren...
Mundl aus - Ein echter Wiener geht nicht unter - geantwortet ?
No herst, dös san doch eh alle drootteeeln, wannst dene so zu zunehörst. Oba mit woos sollten dann a solchene no ihr Göld verdienen - wanns denn sonst nix glernt ham ... ;-)))
...war auch mein erster Gedanke. Aber hier durfte er mal so richtig bösartig herüberkommen, was ihm ansonsten - um möglichst viele Zielgruppen zu erreichen - als billige Lachnummer abgeht.
Jedenfalls kam sein Auftritt nicht wie jene Spannungs-Zäsur rüber, wie es beim letzten Male dem rheinische Dampfplauderer Jürgen Becker "gelang" (so sehr ich die "Mitternachtsspitzen" auch schätze), den man - als der Spannungsbogen oben war, als "Rausschmeisser" erwählt hatte.
Ergebnis: der Spannungsbogen fiel von 100 auf null, ließ die großartigen Auftritte vor Becker hinter einer Nebelwand verschwinden...
Nun ja, man darf dabei auch nicht vergessen, dass im Vergleich zu den Jahrzehnten, in denen Hildebrandts Politsendungen reiften, die Anstalt gerade erst frisch bezogen wurde. Da darf über annähernde Fehl-Besetzungen schon mal hinweggesehen werden!
Wie auch immer: Diese Sendung ist für mich ein Lebenselexier geworden - wenn Schramm meine eigene Einschätzung der Lage in einer Weise analysiert, deren Schärfe und Weitsicht nur von wenigen Kollegen erreicht wird, dann, ja dann weiß ich, dass ich nicht alleine so denke wie ich denke...
Trotz aller Mittelmäßigkeit der Gäste dieses Mal. Dass Priol und Schramm noch live (!) auf den Sender dürfen - auch wenn wohl u.a. deswegen der Brender gehen muss (dann wird's spannend!) ist mir meine Gebühren wert.
z.B. wie der Sanftleben unseren Gutti shootingstart nass gemacht hat: große Klasse!
Paging