TV-Kritik: "Maybrit Illner" Lafontaine - links wie alle im Land
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Es wirkte, als würde hier ein Finanzminister reden - Oskar Lafontaine im TV-Streitgespräch mit Friedrich Merz.
Gegeben werden sollte das große Kapitalismus-Tribunal. Das ZDF hatte die Stühle gerückt für den finalen Countdown: Rechts der unverbesserliche Sozialist Oskar Lafontaine, links der notorische Kapitalist Friedrich Merz, dazwischen die Frau aus der Anstalt im großkarierten Sakko mit den herbeigelesenen Zitaten.
"Mehr Kapitalismus wagen" möchte Friedrich Merz in seinem Buch - Oskar Lafontaine hat es gelesen und hält erwartungsgemäß wenig davon.
(Foto: Screenshot: maybritillner.zdf.de)Irgendwann aber rief Lafontaine aus: "Es sind alle links geworden!", um dann wieder den konservativen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zu loben - spätestens dann musste der TV-Moderatorin Maybrit Illner klarwerden, dass der große Showdown ausfallen würde. Es gab kein Tribunal; dafür ist das Versagen eines deregulierten Kapitalismus in freier Wildbahn zu offensichtlich, andererseits aber die Notwendigkeit marktwirtschaftlicher Elemente unbestritten.
Beide Diskutanten - der langjährige wirtschaftspolitische Lautsprecher der Union genauso wie der einstige sozialdemokratische Tribun, der jetzt sich und der Linken aufhilft - sind viel zu klug, um simpel irgendwelche Pole zu besetzen, die sich eine Fernsehfrau ausdenkt. Sie waren schon groß, als die Republik noch von Bonn aus gelenkt wurde.
Das Tribunal fiel aus
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"Die Überlegenheit der Markwirtschaft ist bewiesen", deklamierte Merz, der gerade eine Buch-Eloge auf den Kapitalismus veröffentlicht hat. Es gehe nicht um die Marktwirtschaft, es gehe um die "Papiermärkte", also um das Finanzsystem und um das Ungleichgewicht der Volkswirtschaft, erklärte dagegen Lafontaine.
Es wurde also im TV-Studio nicht grundsätzlich - und ging dennoch ganz munter zur Sache. Die "Kombattanten", wie die Moderatorin sie nannte, wussten, wo es dem anderen weh tut.
Merz keilte, dass Lafontaine ja 1999 aus der Verantwortung als SPD-Chef und Bundesfinanzminister geflohen sei, während der einstige Saarbrücker Oberbürgermeister und saarländische Ministerpräsident nüchtern befand, der andere habe ja schließlich nie Macht gehabt. Das traf den agilen Wirtschaftsliberalen, der 1985 und 1986 als Richter in Saarbrücken das Wirken des linken Sonnengottes aus nächster Nähe mitbekommen hat. Trotzig beharrte er darauf, 20 Jahre Volksvertreter gewesen zu sein.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso Merz seine Flapsigkeit verliert.