Superlehrer, Jugendcoach, besser essen und schöner lieben: Es herrscht Coaching auf allen Kanälen. Wer zwei Abende lang fernsieht, muss sich ernsthaft fragen: Sind wir noch ganz dicht?
Selig die Zeiten, als wir noch mit Talkshows überflutet wurden. Die Fernsehnation bekam nie geahntes Elend zu spüren: Von den Sofas blühender Fernsehlandschaften plapperten Möchtegern-Selbstdarsteller, jedweglich Geschädigte und andere Plaudertaschen mit einer neuen Generation von Gladiatoren, pardon, Moderatoren, in die Kameras von RTL, Sat 1, Pro 7 und später auch der Öffentlich-Rechtlichen, als ob es kein Morgen gäbe.
Jugendcoach Oliver Lück will Nicole vor dem Jugendarrest bewahren. Sie findet es in der zu diesem Zweck besichtigten Zelle allerdings "besser als zu Hause". (© Foto: Sat 1)
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Impotenz und Katzenphobie
Ob über Impotenz, Politikverdrossenheit oder Katzenphobie in Verbindung mit Klaustrophobie - Thema war egal, Hauptsache, es durfte getalkt werden. Dass dabei Probleme nur gestreift und die Talkgäste zunehmend vorgeführt würden, wurde der ersten Generation grassierender Talkshows vorgeworfen - die fehlende Diskussionskultur in Deutschland ändere sich dadurch nicht. "Die Leute reden nicht mehr miteinander" - diese Binsenweisheit wurde durch die Einführung von Talkshows noch immer nicht beseitigt. Komisch.
Also verschwanden die Talkshows nach etlichen Boomjahren in der Versenkung, in Sonya Kraus' ausladendem Ausschnitt und schließlich wieder dorthin, wo sie hingehören, nämlich in die politische Arena. Ernstzunehmendere Moderatoren mit besser geschnittenen Anzügen kümmern sich jetzt um die ernsthafteren Themen, wenn heute noch von Talkshow die Rede ist. Einige Dompteure von damals haben ins seriösere Fach und ins Öffentlich-Rechtliche rübergemacht. Johannes B. Kerner gehört dazu. Andreas Türck hat einen anderen Weg gewählt. Von vielen hörte man nie wieder.
Alles also noch mal gutgegangen, wir dürfen uns erschöpft den Schweiß von der Stirn wischen, der Untergang des Abendlandes wurde nicht durch die Talkshow begründet. Doch nun droht neues Unheil, denn bei den Privaten grassiert eine neue Mode: die öffentliche Lebensberatung.
Lebensberatung und Öffentlichkeit, das ist eben doch kein Widerspruch, wie uns schon die "Super Nanny" schmerzhaft beibringen musste. Einrichtungs- und Auswanderershows, Kochtipps und Schuldnerberatung, der Traum oder Albtraum vom Eigenheim und die nächtliche Nachhilfe durch Polizisten auf Streife schwappen schon seit Jahren in unsere Wohnzimmer; wer Daumen hat, zu drücken, der schaltete bei dieser Art von billigem Doku-Entertainment bisher eher um.
Doch nun gibt es kein Entrinnen mehr: Seit RTL mit der Ausstrahlung der Sendung "Erwachsen auf Probe" mit an Teenager ausgeliehenen Babys für einen Aufschrei der Empörung und für tüchtig Quote sorgte, gibt es kaum noch Halt: Überall schießen aufdringliche Beratungs-Formate aus dem televisionären Boden.
Nehmen wir nur mal den Sonntagabend: Sat 1 startete vergangene Woche mit dem Doppel "Besser essen" und "Nachhilfe in Sachen Liebe" vor dem "Tatort", und lieferte am Montagabend zur besten Sendezeit mit dem Doppel "Die Superlehrer" und "Der Jugendcoach" noch hinterher. Eine Ernährungs-, eine Erziehungs-, eine Paar- und eine Jugendberatung - alle vier neuen Formate sollen bei Sat 1 jetzt erst mal wöchentlich laufen.
Wir sehen also zunächst in "Besser essen - Leben leicht gemacht" auf Sat 1 die dicken Kinder von Lübeck, Landau oder wo auch immer, wie sie vom Fernsehen dabei überrascht werden, wie sie zu viele Gummibärchen naschen. Komischerweise ist ihre Mama noch viel dicker als sie selbst, und ihre Oma könnte glatt als ihre große Schwester durchgehen. Diejenige, die früher die Oma gewesen wäre, ist hier schon Urgroßmutter und hat ebenfalls immer eine Überraschung im Schrank: Gummibärchen.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, wer der Klops der Nation ist.
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In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
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Urteil am Bundesverfassungsgericht
Für mich steckt da ganz klar Premiere mit dahinter.Wieso sonst landen plötzlich alte Serien bei Premiere.Nur damit die mehr Abonenten bekommen.Aber auf der Strecke bleiben wieder mal wie so oft diejenigen die sich PayTV nicht leisten können.Bei den Privaten kann ja man auch nichts mehr aufzeichnen.Ständig wird da was anderes ins Bild hineingeblendet.Nur die Werbung bleibt Textfrei.Ich finde es echt unverschämt von den Sendern die Zuschauer so zu behandeln.Es gibt ja abends die Sender mit dem Ruf mich an Slogan.Da tanzt dann ein Mädchen und das Bild ist zugekleistert mit Telefonnummern.Und wenn da nichts geschieht,sieht bei den Privaten der Bildschirm bei CSI oder einer anderer Serie genau gleich aus.Und dann wundern sich die Politiker wieso ganz normale Bürger plötzlich zu Internetverbrecher werden,wenn sie sich eine Serie runterladen.Zum Glück kann ich französich denn da wird sowas im Moment noch nicht geduldet.Fragt sich nur wieso die Politiker in Deutschland dagegen nichts tun.Ach ja,nichtstun ist ja ihre Spezialität.
Gruss SonyaFan
" Andreas Türck hat einen anderen Weg gewählt."
Das ist mal eine andere PR-Strategie: Sich fälschlicherweise wegen Vergewaltigung anklagen und rufmorden lassen, um dann in der Versenkung zu verschwinden. Können Sie die Nummer seines Managers mal an Bohlen und Konsorten weitergeben?
Apropos GEZ: Ich zahle doch keine GEZ -Gebuehren fuer Allgemein Rechtliche Anstalten, wo Parteien entscheiden koennen, wer als naechster Intendant die gelbe, rote oder schwarze Fahne schwenken darf.
@ LvB schrieb:
"Ein Kommentator hat es bereits erwähnt - dahinter steckt die bewußte Methode der Volksverdummung, hauptsächlich durch CDU/CSU und FDP. Je dümmer der Bürger, desto eher kommen diese Parteien an die Macht. Von diesen Parteien ist daher kein Gesetz zur Eindämmung dieser schleichenden Verdummungsseuche zu erwarten - im Gegenteil."
Vergessen wir nicht, der Haupakteur, dem wir diese allgemeine Volksverblödungsbehämmerunsstrategie zu verdanken haben, heißt Edmund Stoiber.
An dieser Stelle möchte ich aber mal eine Lanze für die Öffentlich Rechtlichen brechen: Wenn man auswählt, so kann man dort immer noch sehr gute Sendebeiträge erwischen. So, wie ich gestern Abend im Bayrischen Fernsehen: Da wurde nämlich dokumentarisch belegt aufgezeigt, mit welchen Tricks und mit wieviel an Finanzspritzen ein Konrad Adenauer von den USA zum Kanzler der jungen Bundesrepublk hinmanipuliert wurde. Auch damal funktionierte bereits diese Belatscherung der Massen via Medium, zu dieser Zeit waren es Druckpresse und Kino ,denen es gelang, den Willen des Volkes, der ursprünglich eindeutig in Richtung SPD ging, umzubiegen und das Ergebnis zu bekommen, das man wollte. - Geschichtliche Tatsachen, die gern unter den Tisch gekehrt werden und das vor allem von der CDU.
"Superlehrer, Jugendcoach, besser essen und schöner lieben: Die privaten TV-Sender haben die Lebensberatung entdeckt. Coaching auf allen Kanälen. Wer zwei Abende lang fernsieht, muss sich ernsthaft fragen: Sind wir noch ganz dicht?"
Ruth du bist eine Poetin. Mehr möchte ich von dem Artikel gar nicht lesen, da alles wichtige bereits geschrieben wurde...
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