Da ist es kein Trost, dass ihr Rolf Scheider, der in einer GNTM-Verfilmung von Udo Kier gespielt würde, vorführt, wie man "geil guckt". Und wenn dann die 16-jährige Aisha tatsächlich Persönlichkeit zeigt und sich weigert, "sexy zu tanzen" ("Ich bin doch kein Go-Go-Girl!"), ist das optisch wie intellektuell um Haltung ringende Jury-Quartett auch nicht zufrieden.

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Obwohl als Talentbühne gescheitert, ist GNTP als Entertainment sehr erfolgreich. Vor allem funktioniert es als Reality-Telenovela über kasernierte "Mädchen", garniert mit Prosecco, viel nackter Haut und Intrigen: In einem tränenreichen Streit ging es darum, dass sich ein Mädchen mit breiten Hüften von einem Mädchen mit schmalen Hüften eine Hose leihen wollte, und ihr deshalb "unsoziales Verhalten" vorgeworfen wurde. Völlig wertfrei betrachtet hat die Show also enormes Potential - in alle Richtungen und Untiefen des Menschenverstandes.

Kein Format bietet momentan mehr Lesarten und Andockmöglichkeiten ans öffentliche Gespräch: Schönheitsideal, Ernährung, Selbstdarstellung, Fernreisen, Starkult, Überwachen und Strafen in einer Lagersituation und die subjektiven Kriterien eines ästhetischen Wettbewerbs sind nur einige der nachdenkenswerten Aspekte. Sicherlich kein Romanstoff, aber in jedem Fall mehr, als in einer einzigen TV-Kritik bewältigt werden kann.

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(sueddeutsche.de/mako/gal)