Wenn der Helikopter das Röckchen hochbläst, schlägt die Stunde von Gina-Lisa: Sie ist der Star in Heidi Klums "Germany's Next Topmodel" und beweist zugleich das Scheitern des Formats.
Gina-Lisa, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele, Gi-na-Li-sa, die Zungenspitze geht auf Reisen, zischt nach vorn und schlägt dann vor die unteren Schneidezähne: Gi-na-Li-sa. Mit diesen Sätzen würde einer der berühmtesten Romane beginnen, hätte Vladimir Nabokov, verehrter Meister stilsicherer Altherrenprosa, seine Heldin nicht "Lolita" sondern "Gina-Lisa" getauft.
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Gina-Lisa und der Kampfhubschrauber. (© Foto: Pro Sieben)
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Aber schon klanglich passte Gina-Lisa nicht in Nabokovs so feinsinnige wie dekadent-pathologische Welt. Eher klingt bei diesen vier I-A-Silben eine Mischung der Italienromantik der 1950er-Jahre und des soliden deutschen Provinzlebens an, Marke: "Bauer sucht Frau".
Genauso gut könnte man sich vorstellen, dass Soldaten diesen Namen auf ihren Kampfhubschrauber pinseln: Foxtrot, Uniform, Charlie, Kilo, Gina-Lisa. Denn mit schwerem Geschütz harmoniert Gina-Lisa bestens, wie sie am Donnerstagabend bei "Germany's Next Topmodel" (GNTM) bewies: Auf einem Salzburger Flughafen mussten die 19 verbliebenen Kandidatinnen vor einem wenige Meter über dem Boden schwebenden Helikopter für ein Foto-Shooting posieren.
Lustig, wie der Wind des "Propeller-Dings" (Next-Topmodel-O-Ton) die Haare zersauste und die Kleidchen hochblies. "Der Wind kam von allen Seiten, dann ist halt mein Röckchen hochgeflogen - egal!", befand Gina-Lisa: "Ich hab mein Ding durchgezogen und mich nicht ablenken lassen." Das ist professionell, das ist cool, das würde Hanoi-Heidi nicht anders machen.
Doch die Sache hat einen Haken, und da es in Klums Model-Show um Oberflächlichkeiten geht, muss man es so sagen: Die gut gebräunte Gina-Lisa erinnert mehr an Ballermann als an Balenciaga. Sieht man sie mit ihrer Freundin tuscheln, denkt man, die "Fussbroichs" liefen jetzt auf Pro Sieben. Setzte sie sich durch, stünde sie für den neuen Model-Typ WCB, Working-Class Beauty: wasserstoffblonde Extensions mit Herz.
Gina-Lisas Model-Ambitionen werden vom Zuschauer als Witzmotiv konsumiert, so wie die Führerscheinversuche des Horst Schlämmer. Nur leidlich versucht Klum, die 21-Jährige zu entprollen: "Weniger Glitzer-Make-up, wir suchen nicht Miss Einkaufszentrum."
Cross-Promotion von Pro Sieben
Dass man Gina-Lisa, die auf dem Modelmarkt keine großen Chancen haben dürfte, zum Star der Show aufbaut, lässt vermuten, dass Pro Sieben die schrillsten Szenen als Cross-Promotion direkt für die Ausschlachtung in Stefan Raabs "TV total" produziert. Bezeichnend, dass am Ende keine Kandidatin rausflog: GNTM ist eine Castingshow ohne eigentliches Casting - die Sendung ist vielmehr ein Comedy-Zulieferer-Format.
Wenn Frau Klum ihren früheren Beruf ernst nimmt, ist dieser Wandel der Show innerhalb von drei Staffeln ein Verfall. Wenn sie sich allerdings als weibliche Dieter-Bohlen-Variante begreift, hat die 34-jährige Trägerin bewundernswert maisgelben Haares Karriere gemacht: In jeder Folge durchläuft sie die Genese vom verständnisvollen Kumpel über die hartherzige Freundin ("Versteh' ich auch alles, will ich aber nicht hören. Wenn du dich nicht weiterentwickelst, bist du draußen.") und Antreiberin ("Ihr müsst hart werden. Ich will nichts schwabbeln sehen.") zur eiskalten Zuchtmeisterin, die sich bekanntlich zutraut, auch Britney Spears "zurechtzubiegen".
Verbale Hinrichtungen
Die Urteile, die Klums autoritäres Jury-Regime mit den Schergen Peyman Amin, Casting-Direktor Rolf Scheider und einem Gastjuror fällt, sind nicht härter als das Leben selbst, aber weil sie vor Kameras von Stärkeren über Schwächere gefällt werden, geschmacklos, unverschämt und entwürdigend: Wenn einer jungen Frau mit brutal-allmächtigem Unterton attestiert wird, sie komme "langweilig rüber" und habe "keine Persönlichkeit", ist das eine verbale Hinrichtung, die zwangsläufig in Tränen endet.
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Man muss der Sendung immerhin zugestehen, dass die Top3 und noch ein paar andere Mädels der ersten beiden Staffeln den Einstieg ins Geschäft geschafft zu haben. Soviel Erfolg kennt man von anderen Casting-Shows wohl eher nicht.
Das wir Normalbürger das nicht wissen, ist verständlich. Aber wer innerhalb der Mode-Industrie arbeitet ... ob nun als Designer oder als Mode-Journalist ... der dürfte immer mal wieder über ein paar Gesichter der ersten beiden Staffeln stolpern.
Macht Spaß den "Scheiß "zu gucken , und manchmal hat Klumpi auch recht mit ihren Schönheitstips .Durchtrainiert und nicht einfach dünn sollte ein Topkörper sein , das kostet Kraft und Disziplin .Klumpi hat das GANZ GUT IM GRIFF ; ABER WAS SOLL SIE AUCH ANDERES TUN ; ALLES IN IHREM lEBEN DREHT SICH UM POSING UND DIE SCHÖNHEIT :
kINDER HAT SIE JA AUCH ; NATÜRLICH SCHÖNE kINDER :
Am schlimmsten fand ich die Heulboie , die die Schlechtigkeit ihrer Mitstreiterinnen nicht ertragen kann und immer heult vor lauter Seelenschmerzen .Das fand ich schlimm und zog es vor einzuschlafen .
Dass das Format GNTM nicht unter die Top10 intellektueller Abendunterhaltung fällt steht hier außer Frage, dennoch möchte ich anmerken, dass ich eher das Gefühl habe, das der Autor vielmehr versucht, seine durch Witz und Charm für pseudointellektuelle Afterwork-Gänger verfaßten Lyrik - Kamellen dazu zu benutzen, sich seines Frustes über die Kategorie Frau zu entledigen die Er und die applaudierenden Unkenrufer nie bekommen.
Sorry, aber ich weiß weder wer Nabokov ist, noch welch dekadent pathologischen Welten dieser aufzeigt.
Da habe ich sicher was verpasst, hmm schade,
dann muss ich mir wohl meinen Spass in der Gosse suchen.
Aber wenn ich an dieser Stelle Pinkert zitieren darf wer sich selbst liebt, hat Konkurrenz nicht zu fürchten.
Passt nicht?
Genau, weil jemand der nach diesem Lebensmotto agiert sich keine Zeit nimmt andere Menschen durch den Kakao intellektueller Waschweiber zu ziehen.
So stell ich mir die Fragen warum sich der Verfasser dieses fabulösen Artikels von den 19 Bratpfannen die Eine heraus pickt bei der noch Anzeichen von Ehrlichkeit, Souveränität und Menschlichkeit zu erkennen sind.
Die Antwort finden Sie im ersten Absatz.
Jetzt habe ich keinen Bock mehr in Eurer geflügelten Mundart zu reden! Ich könnte euch doppelt sosehr leiden wenn es nur halb so viele von euch gäbe.
Also spielt weiter die großen Entdecker der sozial schwach gestellten Subkultur und deren Kinder und fühlt Erhaben und Groß dabei.
@Ipodium: Klasse, super Kommentar. Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fuegen. Ich bin wahrlich kein Fan von Sendungen dieser Art, und dieses Maedel ist absolut nicht mein Typ, aber man moege doch jedem das Seine lassen, je nach Geschmack eben. Und die Zusammensetzung der Flugbuchstaben ist tatsaechlich unter der Guertellinie. Schade, SZ, das habt ihr doch nicht noetig, oder?
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