So weit, so unschön. Nicht, dass jetzt darüber aufgeklärt würde, wie Babsi nach der Grunderneuerung aussähe, was nun mal das ursprüngliche Interesse des Zuschauers an jeder Vorher-Nachher-Show ist. Nein, der Spannungsbogen muss wohlmeinend-unerträglich ausgedehnt werden über die gesamte Sendung.

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Nun, kurz vor der Verwandlung, kommt Suna ins Spiel. Die 37-jährige Türkin ist auch blond, aber gewissermaßen Babsis Gegenspielerin in der Sendung. Suna nämlich hat nicht nur eine Riesennase, für die sie nichts kann, sondern auch falsche Riesenbrüste, für die sie sehr wohl etwas kann, und kaum noch einen Zahn im Mund. Das Mitleid des Publikums dürfte spätestens dann an seine Grenzen stoßen, wenn sie von der thailändischen Brust-OP erzählt oder nach dem Zahnarztbesuch überrascht ist, dass man Zähne auch putzen kann.

Extrem weinen

Nachdem nun endlich beide Frauen extrem viel in die Kamera geweint und ihre Lebensgefährten den desolaten inneren wie äußeren Zustand ihrer Freundinnen bestätigt haben, nachdem sie bei freundlichen Chirurgen unterm Messer lagen, die alle deshalb Ärzte geworden sind, weil sie "mit Menschen zu tun haben" wollten und nachdem ein ziemlich gruseliges Team von nicht näher spezifizierten "Fachleuten" des Umstylings auf die Protagonistinnen losgelassen wurde, ganz zum Schluss also, da sieht man sie alleine vor dem Spiegel stehen und weinen.

Auch ohne eine Verona Pooth an ihrer Seite, die den "Schwänen" erklärt, dass sie jetzt "schön" seien, ist klar, warum das so sein muss: Diese Frauen erkennen sich nicht wieder.

Natürlich wurde hier mit viel Aufhebens aus einem Äußeren, das nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, eine Figur erschaffen, auf die die Chirurgen und Sendungsverantwortlichen stolz sind. Und auch von den Protagonistinnen scheint in diesem Moment der Verwandlung jahrelanges Leid abzufallen, wie die unangenehme Stimme aus dem Off aufdringlich oft betont.

Der Zuschauer muss sich aber fragen, ob es nicht besser wäre, die Kandidatinnen psychologisch zu betreuen, und zwar vor allem nach der Komplett-Verwandlung. Daraus könnte man eine tolle neue Show machen: "Endlich ein Klon!" oder "Extrem wie mein Stylist!". Die Kamera könnte zeigen, wie der Erstkauf einer Zahnbürste gelingt, und auch für Erotisches wäre viel Platz.

Extrem umoperiert

Ein Mann mit dem wenig geglätteten Namen Kant, der sich zu Lebzeiten mehr Gedanken über Ästhetik gemacht hat als alle Sendungsverantwortlichen bei RTL II zusammen, definierte den Begriff Schönheit einst als "interesseloses Wohlgefallen", weil das Urteil über das Schöne das Einzige sei, welches das persönliche Interesse an dem Gegenstand nicht berücksichtige - und nicht berücksichtigen dürfe, da es sonst verfälscht werde.

Als interesselos aber lassen sich weder die in der Sendung gezeigten Chirurgen noch die quotenorientierten Sendungsmacher bezeichnen. Insofern werden die Kandidaten leider keinesfalls "extrem schön", sondern einfach "extrem umoperiert" nach Hause entlassen.

Natürlich lassen sich mit Hilfe von Chirurgie und Medizin vermeintliche Fehler der Natur besser in den Griff kriegen. Kein Wesen ist zu ewiger Passivität verdammt, und einige schwere Fälle profitieren von Umoperationen mit einem neuen Selbstbewusstsein. Wie viele Menschen aber von Sendungen wie dieser zu Eingriffen verleitet werden, die absolut nicht nötig wären, das wird mal wieder zu spät herausgefunden werden. Hier schon mal die aktuellen Einschaltquoten: 1,8 Millionen Zuschauer ab drei Jahren wollten die erste Ausgabe der neuen Dokusoap sehen, das reichte schon beim Gesamtpublikum für hervorragende 5,9 Prozent Marktanteil. Noch besser lief es aber in der Zielgruppe: Mit 1,29 Millionen 14- bis 49-jährigen Zuschauern kam "Extrem schön!" hier auf extrem gute 10,8 Prozent Marktanteil - ein Volltreffer für RTL II.

Zurück bleibt also erst einmal der Schrecken über eine Sendung, der sich bestimmt noch steigern lässt.

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  1. Endlich ein Klon!
  2. Sie lesen jetzt Extrem wie mein Stylist!
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(sueddeutsche.de/jja/ bgr)