Natürlich besteht während eines solchen Drehs keine echte Gefahr für Leib und Leben der Kleinkinder. Den Streit um die Sendung daran aufzuziehen, ist erstens vergebene Liebesmüh und zweitens grundweg falsch.

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Wäre etwas passiert, oder hätte RTL nicht für genügend Sicherheit gesorgt, wäre aus dem "Projekt" nie eine Fernsehsendung geworden. Und auch die Sorge vieler Kinderschützer, ein Baby für vier Tage von seiner Mutter zu trennen, sei unverantwortlich, weil darunter die Bindung leide, ist ein eher schwaches Argument: In deutschen Krippen werden tagtäglich Babys und Kleinkinder abgegeben. Auch hier sind manche Betreuer erst in der Ausbildung, und sie werden nicht von einem mehrköpfigen Filmteam beobachtet.

Auch aus unterhaltungstechnischen Gesichtspunkten hat RTL schon sehr viel schlechtere Formate aufgetischt. Jungen Paaren dabei zuzusehen, wie sie den Ernst des Lebens entdecken, hat durchaus seine unfreiwillig komischen Seiten.

Der Sender hält sich dabei noch verhältnismäßig zurück, schließlich sind ja Kinder im Spiel. Aber vielleicht gerade deshalb konzentriert sich das Format mehr als andere auf diesen einen Gesichtspunkt, der es dann doch unerträglich macht, die Sendung zu schauen: diese unendliche Häme. Es ist schlicht herablassend, immer wieder dramaturgisch lähmend darauf hinzuweisen, dass es sich die Teenager eben doch noch mal überlegen sollten, mit der eigenen Familie - auch wenn es stimmt.

Herablassung

Was bewirkt diese Herablassung in den Köpfen von Millionen Jugendlicher, die diese Sendung dank der großflächigen Protestbekundungen gesehen haben und noch sehen werden? Wie werden Jugendliche mit Kinderwunsch darauf reagieren, nachdem sich das wohlige Vergnügen über die Sendung gelegt hat? Mit einer Jetzt-erst-recht-Mentalität? Kinder bekommen trotz RTL?

Glücklicherweise bleibt wenigstens die "Erziehungs-Expertin", Dieter-Bohlen-Biographin und Bild-Chefredakteurs-Gattin Katja Kessler, die früher die berühmten Mädchen von Seite 1 betextet hat, in der ersten Doppelfolge eher im Hintergrund. Ansonsten trägt sie Pali-Schal aus modischem Bewusstsein und entscheidet, dass das Problem-Paar sein Probe-Baby erst später bekommen darf. "Kinder sind eben nicht nur das größte Glück dieser Erde. Genauso regelmäßig denkt man: 'Jetzt bring ich dich ins Tierheim und tausch dich gegen ein Meerschweinchen'"", lässt sich "Dr. Katja Kessler" in der RTL-Ankündigung zitieren.

Mit Tiershows aber lassen sich längst nicht mehr so viele Emotionen aus der Reserve locken wie mit Menschenbabys. RTL hat es geschafft, die vermeintlich letzte Hürde guten Gewissens zu stürmen. Mit einem Format, das besser ist als sein vorauseilender Ruf - und gut genug, endlich eine Grundsatzdebatte darüber auszulösen, was das Privatfernsehen darf und was nicht. Welche moralische Verantwortung auch die privaten Medien tragen, und wie die Gesellschaft mit ihren Kindern umgeht - unabhängig davon, welches Alter sie haben.

Wenn der Wirbel um die Sendung endlich einmal diese Debatte auszulösen vermag, und damit gleichsam viel menschenverachtendere Formate auf den Prüfstand gestellt werden, dann hat RTL damit ein wirklich gutes Werk und sehr viel mehr für den Fernseh-Nachwuchs getan, als ursprünglich beabsichtigt.

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  1. Ich will ein Kind von RTL
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(sueddeutsche.de/jja)