Wolfgang und Anneliese ließen gottseidank solcherlei Spielchen bleiben und konzentrierten sich auf das, was sie können: Den reaktionär-sexistisch-volksverblödenden Charakter von Volksmusik-Shows zu parodieren und nebenbei ein paar aktuelle Seitenhiebe auf das TV-Geschäft loszulassen - wunderschön ihr schräg-hysterischer Historienfilm-Trailer "Wir sind die Volksmusik" in Anlehnung an den hier ausgezeichneten Mehrteiler "Wir sind das Volk", passend auch die Seitenhiebe auf Schauspielerin Veronica Ferres: "Für mich ist das eher die Hausfrau."
Anzeige
Am gelungensten aber - und dafür lohnte es sich dann tatsächlich, auch zwischen der Moderation mal hinzuhören - war der Auftritt der für das beste Drehbuch ("Wir sind das Volk") ausgezeichneten Autorin Silke Zertz: "Mich gibt es wirklich", verkündete sie fröhlich - eine gelungene Anspielung auf den kürzlich offen gelegten Skandal, dass beim NDR, und damit auch bei der ARD, Drehbücher der ehemaligen Fernsehspielchefin Doris J. Heinze unter falschem Pseudonym für viel Geld eingekauft wurden.
Die frisch ausgezeichnete Jungschauspielerin Anna Fischer, zusammen mit Florian Bartholomäi für die beste Nebenrolle prämiert, erinnerte mit ihrer pseudo-spontanen Dankesrede ("Eigentlich muss ich pullern") eher daran, dass man nicht immer dabei sein muss, wenn Filmschaffende von Gefühlsregungen überwältigt werden.
Immerhin: Man hat sich Mühe gegeben, nicht zu enttäuschen - was gar nicht einfach war. Die Erwartungen waren hoch, ein neuer Skandal wäre zu billig gewesen, aber weitermachen wie bisher, das konnte der unter Beobachtung stehende Fernsehpreis nun auch nicht mehr. Sat 1 hat das Beste daraus gemacht - auch wenn nach der ohnehin schon zu lang geratenen Live-Übertragung im Anschluss noch der unvermeidliche Backstage-Bericht folgen musste, wo die eben ausgezeichnete Prominenz schon wieder in die Niederungen des Roten-Teppich-Tumultes hinabstieg.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Thema
- Nachtkritik RSS
- Anke Engelke "In Afrika habe ich mich zum Vollhorst gemacht" 26.09.2009
- Herbst und Pastewka "Ich finde dich schlimmer als Stromberg" 18.12.2008
- Anke Engelke ist wieder da "Der Pocher brennt" 06.11.2008
- Eklat-Rede von Reich-Ranicki ".... nicht diesen Blödsinn" 12.10.2008
- Deutscher Fernsehpreis Eine Parade von Peinlichkeiten 12.10.2008
- FC Bayern: Einzelkritik Robben, der Regelbrecher 15.05.2010
- TV-Kritik: Germany's Next Topmodel Cindy-rella und der Ritter 14.05.2010
(sueddeutsche.de/rus/cmat)
Bundespräsident Gauck in Israel
Mit 5,2 % Quote hinter "Willkommen bei Carmen Nebel", "Verstehen Sie Spaß?", "Die 25 schrägsten Dokusoap-Helden" und der "TV total Bundestagswahl" als fünfter durchs Ziel.
Was für ein Erfolg ...
Huch ! War da was ?
Anke und Bastian sehr gut.
Aber Fernsehpreise und Filmpreise besser ganz abschaffen. Mir geht dieses rote Teppich-Getue auf die Nerven. Ich hab nichts davon, wenn sich die sog. Film- und Fernsehprominenz selbst inszeniert. Diese öden Reden und Ansprachen sind derart einfältig, da bleibt einem nichts anderes mehr übrig als zu sagen: Aufhören!!!!
Obwohl sie alle vorher nominiert wurden!
Also, warum sich immer wieder den gleichen Schwachsinn antun? Bei einer Zuschauerzahl von ca 1,5 Millionen (Minderheitenprogramm) sollte man besser diese Herrschaften unter sich feiern und die Kameras ausgeschaltet lassen. Als Ehrenrettung für diese Sendung war das Moderatorenpaar Anke Engelke und Bastian Pastewka - ein Lichtblick im dunklen Raum des Deutschen Fernsehpreis.
KHJ aus Köln