Von Tomasz Kurianowicz

Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest leisteten sich 16 Bands einen erbitterten Wettstreit. Nach einem spektakulären Kopf-an-Kopf-Rennen fiel die Entscheidung knapp und überraschend aus.

Es sollte alles nicht so ernst sein, eine harmlose Parodie. Doch was Stefan Raab in die Hände nimmt, mutiert zum Quell unerschöpflichen Erfolgs. Auch dieses Jahr war der Bundesvision Song Contest, der nicht zufällig an das europäische Original erinnert, ein Garant für hochgradig fesselnde Abendunterhaltung.

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Die Rockgruppe "Subway To Sally" hat den Bundesvision Song Contest gewonnen (© Foto: dpa)

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Dass die künstlerische Qualität einer solchen Veranstaltung alle denkbaren Stufen durchstreift, schmälert den Genuss nicht im Geringsten. Denn das Live-Erlebnis, in dem sich der Zuschauer über unerwartete Patzer vergnüglich erfreut, wird um den köstlichen Klamauk peinlich-performender Pseudo-Artisten erweitert.

Als erster Stargast in der ausverkauften Arena in Hannover sorgte der Schirmherr der Veranstaltung Christian Wulff für Aufmerksamkeit. Teile des Publikums buhten den Staatsmann aus und provozierten Raab zu einem kurzen Schmunzeln, das abrupt dem gebotenen Anstand wich. Kurator Wulff jedoch ließ sich nichts anmerken, bewältigte seine Ansprache und spazierte erhobenen Hauptes von der Bühne. Auch das ist der Nervenkitzel eines Live-Events.

Gemischte Gefühle

Musikalisch begann der Abend humorvoll: Der Hamburger Rapper Das Bo empfahl für seinen Auftritt, "die Birnen" kurzzeitig auszuschalten - mit Fug und Recht. Auf der Bühne übte er stumpfsinnige Gehirnwäsche und erfand einen völlig neuen Stil der eigenen Lancierung, indem er seine Sängerinnen "Ohne Bo gehen wir hier nicht raus" skandieren ließ. Es fehlte noch eine Choreographie der ihm zugeteilten Voting-Rufnummer oder ein Morse-Tanz der Internetadresse seines Webauftritts.

Mecklenburg-Vorpommern bot mit Jennifer Rostock den ersten überzeugenden und später zurecht goutierten Auftritt. Mit treffsicherer Stimme und rotzigen Texten hinterließ das Nordlicht einen musikalisch überzeugenden Nachklang. Die hessische Truppe Rapsoul hingegen enttäuschte - und performte einen hanebüchenen Motivations-Song über privaten Wirtschaftserfolg. Das Saarland, vertreten durch Casino Zero, erregte mit und einem stimmlich schwer angeschlagenen Frontmann ungewolltes Mitleid.

Die Far East Band feat. Spezializtz wählten eine nicht minder plumpe Dramaturgie und ließen den lässigen Sänger auf einem aufgemotzten Motorrad anbrausen. Seine Texte bestätigten die damit angedeuteten Macho-Allüren. Auch Sachsen-Anhalt - durch Down Below vertreten - bewegte sich im Mittelmaß; wogegen Paulsrekorder für Bremen mit schrulligem Synthesizer-Pfiff und ulkigem Trash der Falle einer konventionellen Schnellnummer entkommen konnte. Das Genre Rock war an diesem Abend, wie es die Band Panik aus Schleswig-Holstein vormachte, beliebteste Zielscheibe schonungsloser Traktierung.

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