Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest leisteten sich 16 Bands einen erbitterten Wettstreit. Nach einem spektakulären Kopf-an-Kopf-Rennen fiel die Entscheidung knapp und überraschend aus.
Es sollte alles nicht so ernst sein, eine harmlose Parodie. Doch was Stefan Raab in die Hände nimmt, mutiert zum Quell unerschöpflichen Erfolgs. Auch dieses Jahr war der Bundesvision Song Contest, der nicht zufällig an das europäische Original erinnert, ein Garant für hochgradig fesselnde Abendunterhaltung.
Bild vergrößern
Die Rockgruppe "Subway To Sally" hat den Bundesvision Song Contest gewonnen (© Foto: dpa)
Anzeige
Dass die künstlerische Qualität einer solchen Veranstaltung alle denkbaren Stufen durchstreift, schmälert den Genuss nicht im Geringsten. Denn das Live-Erlebnis, in dem sich der Zuschauer über unerwartete Patzer vergnüglich erfreut, wird um den köstlichen Klamauk peinlich-performender Pseudo-Artisten erweitert.
Als erster Stargast in der ausverkauften Arena in Hannover sorgte der Schirmherr der Veranstaltung Christian Wulff für Aufmerksamkeit. Teile des Publikums buhten den Staatsmann aus und provozierten Raab zu einem kurzen Schmunzeln, das abrupt dem gebotenen Anstand wich. Kurator Wulff jedoch ließ sich nichts anmerken, bewältigte seine Ansprache und spazierte erhobenen Hauptes von der Bühne. Auch das ist der Nervenkitzel eines Live-Events.
Gemischte Gefühle
Musikalisch begann der Abend humorvoll: Der Hamburger Rapper Das Bo empfahl für seinen Auftritt, "die Birnen" kurzzeitig auszuschalten - mit Fug und Recht. Auf der Bühne übte er stumpfsinnige Gehirnwäsche und erfand einen völlig neuen Stil der eigenen Lancierung, indem er seine Sängerinnen "Ohne Bo gehen wir hier nicht raus" skandieren ließ. Es fehlte noch eine Choreographie der ihm zugeteilten Voting-Rufnummer oder ein Morse-Tanz der Internetadresse seines Webauftritts.
Mecklenburg-Vorpommern bot mit Jennifer Rostock den ersten überzeugenden und später zurecht goutierten Auftritt. Mit treffsicherer Stimme und rotzigen Texten hinterließ das Nordlicht einen musikalisch überzeugenden Nachklang. Die hessische Truppe Rapsoul hingegen enttäuschte - und performte einen hanebüchenen Motivations-Song über privaten Wirtschaftserfolg. Das Saarland, vertreten durch Casino Zero, erregte mit und einem stimmlich schwer angeschlagenen Frontmann ungewolltes Mitleid.
Die Far East Band feat. Spezializtz wählten eine nicht minder plumpe Dramaturgie und ließen den lässigen Sänger auf einem aufgemotzten Motorrad anbrausen. Seine Texte bestätigten die damit angedeuteten Macho-Allüren. Auch Sachsen-Anhalt - durch Down Below vertreten - bewegte sich im Mittelmaß; wogegen Paulsrekorder für Bremen mit schrulligem Synthesizer-Pfiff und ulkigem Trash der Falle einer konventionellen Schnellnummer entkommen konnte. Das Genre Rock war an diesem Abend, wie es die Band Panik aus Schleswig-Holstein vormachte, beliebteste Zielscheibe schonungsloser Traktierung.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wer den Wettstreit gewann.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
Entspannter Vierbeiner
Meiner Meinung nach gibt es von Subway bessere Songs. Aber immer hin haben sie gewonnen!
Jennifer Rostock gehört wohl zu den wenigen Künstlern,
die "das Beste aus den 70ern, 80ern, 90ern und von heute"
live auch auf die Bühne bringen können.
Daher auch der Hass der Westdeutschen.
Jennifer Rostock hat mit diesem Auftritt Nena, Extrabreit & Co.
deklassiert.
"Stars" wie Nena vertreiben seit 20 Jahren die immergleichen
Lieder.
Jennifer Rostock wird Nena locker überholen.
Der Osten gewinnt!
Romy Schneider haben wir uns auch schon geholt!
zumindest etwas Sinn gemacht haben.
]Na, Sehen Sie war doch gar nicht so schlimm ..... Tja, wie mans nimmt. ]eigentlich schon, aber eigentlichg auch völlig egal, wie der ganze Abend.
Hab die Kisten dann ausgemacht und mich selber therapiert: Purples Japan-Version von "Strange Kind of Women", dazu drei Grappa und schon hats tatsächlich nicht mehr weh getan.
Schade, alles in allem zähe Soße und leider die Bestätigung des Voruteiles, das die aktuelle Musikszene offensichtlich nichts zu bieten hat. Solche Musik braucht man wie einene Blinddarmentzündung:
Den Diagnoseanfang machte Animations-Schwachfugist Bo mit einem - ja soll man es überhaupt Song nennen ? - Auftritt, der in einem bunten Nachmittag des örtlichen Seniorentreff besser aufgehoben gewesen wäre. Ein Kellner war schon nicht mehr vonnöten, Bo nebst peinlichster W.Petry-Frisur servierte höchstpersönlich: .......................Nein, danke, hab' schon.
Bands wie Jennifer Rostock übernahmen dann die Vorbereitung der Anästhesie: Ein müder Abklatsch von "Ideal", aber ohne Hump'sche blauen Augen und eben auch ganz ohne naiven Großstadtcharme, stattdessen mit biederer Langweile.
Beruhigungstablette für die OP ? ......................... Nein Danke, hab schon.
Dann waren da noch irgendwelche dürftigen Schmaaalspur-Hiphopper, denen offensichtlich noch niemand gesagt hat, dass Sonnenbrillen zu weißen Anzügen nicht mehr wirklich hip sind, egal wer da gerade wen fietschert, es mögen sich noch so viel Tänzerinnen in hohen Absätzen über die Tanzfläche mühen, frauenchormäßiges "Sista"-Geschreie eben auch nicht zwingend für einen ganzen Song reicht, zumal wenn der Gesang gelb ist und überhaupt Rap nach 20 Jahren so langsam nicht mehr darüber hinwegtäuschen kann, dass heutzutage nur noch der hipp-hoppt, der schlicht zu unintelligent ist, sich eine Melodie einfallen zu lassen, und wenns nur eine ist, die man auf dem Kamm pusten kann.
Möchten Sie etwas Musik vor der Narkose ? ...................... Nein, danke, hab schon.
Die Gothic-Normannen waren fashionmäßig putzig - tre chic - egal ob die mit dem falsch singenden Wicki und seinen starken Männern oder die späteren Gewinner mit uns Willy, dem Conquerer, brandenburgischer Nichtschwimmer mit ausgeprägtem Sinn für das Humide: Zum Winnertitel fiel mir eigentlich nur ein "Kiel-holen".
Jetzt könnte es ein klein wenig weh tun: ............... Kein Problem, hab schon.
Nicht zu vergessen die Pop-Punk-New-Wave-Indie-Bands mit Songmaterial aus der Puppenkiste, einem Laith Al-Deen, der seine besten Ideen bereits aufgegessen zu haben schien und Sportfreunde Stiller, die außer einem schwachen Song gesellschaftspoliti
Halb so wild. Trotzdem: Gerade bei einem selbsternannten "Anti-Grand-Prix" würde ich lieber ein paar rotzige Bands oder meinetwegen auch Hiphopper aus dem miefigen Probekeller sehen - egal ob sie ihre Instrumente beherrschen oder nicht - als Schülerbands, die schon ein komplettes Management am Start haben oder 15-jährige Folkrockbands (Originalität hat eine kurze Halbwertszeit) . Die ganzen Xaver-Klone nicht zu vergessen.
Paging