Außenminister Westerwelle staunt über sein neues Amt und bemüht sich wieder einmal um ein neues Image. Diesmal: der nette Weltpolitiker von nebenan. Eine kleine Nachtkritik.
Da saß er wieder, der frisch gekürte Außenminister. Gerade mal knapp zwei Wochen im Amt, und schon packte Guido Westerwelle wieder eine alte Leidenschaft: Talkshows besuchen. Hier fühlt er sich wohl, hier kennt er sich aus. Sabine Christiansen, Maybrit Illner - so manches Mal führte er die Hitliste der häufigsten Talkshowgäste an. Auch bei Reinhold Beckmann war er schon sieben Mal. Doch dieses achte Mal ist ein Novum, ein Abend ohne weitere Gäste, ein Solo für den Außenminister und Vizekanzler.
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Mit ihr versteht sich der neue Außenminister besonders gut: Guido Westerwelle nennt das Verhältnis zu Hillary Clinton "herzlich". (© Foto: dpa)
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"Warum sind Sie ein guter Außenminister?", will Moderator Beckmann wissen. Westerwelle mit violetter Krawatte, die Hände pennälerhaft verschränkt auf der Tischplatte abgelegt, spricht von Friedenspolitik, von Verantwortung und Ehre und davon, dass er die kleinen Mitgliedsstaaten der EU besuchen will. Ernst ist er da, unterstreicht seine Sätze mit bedeutsamer Mimik. Den Kopf leicht vorgeneigt, Stirn und Augenbrauen nach oben gezogen, der Blick geht nach oben.
Ganz Chef, ganz Diplomat
"Es geht gut los", sagt Westerwelle über sein neues Terrain und das ist auch so etwas wie sein Leitmotiv für diesen TV-Abend. Nett sein, souverän sein, Chefdiplomat sein.
Viel Kritisches ist in den ersten Tagen seiner Amtszeit gesagt, seine Kompetenz angezweifelt worden. Nun soll die Mission Beckmann den Chefdiplomaten in Westerwelle hervorkehren, den Mann mit dem Fingerspitzengefühl fürs internationale Parkett. Und so spricht er gleich Afghanistan an, das er noch in diesem Jahr besuchen will.
"Spricht jetzt der Außenminister?"
Die Wiederwahl des Präsidenten Hamid Karsai beschreibt er - diplomatisch-außenpolitisch - als "unglücklich" und lässt sich auf keinen konkreten Termin für einen möglichen Abzug der Bundeswehr festlegen.
Dann lobt er US-Kollegin Hillary Clinton und verteidigt die US-Regierung, sie habe von den Entwicklungen bei General Motors hinsichtlich Opel sicher nichts gewusst. Geradezu "herzlich" sei ihr erstes Gespräch verlaufen - und obwohl beide vor dem Termin ganz viel reisen mussten, hätten sie sich anderthalb Stunden unterhalten, schwärmt Westerwelle.
"Spricht jetzt der Außenminister?", fragt Beckmann bei so viel diplomatischen Sprachschlängeleien. Und Westerwelle, fasziniert von seinem neuen Amt, greift das Stichwort begeistert auf.
Mit großen Augen erzählt er immer wieder von seinen ersten Amtstagen, von seinen Reisen nach Paris und Washington, von seiner Aufgeregtheit: "Ich will nicht verschweigen, dass das für mich eine ganz große Freude in meinen Leben war." Der Welpe in der großen weiten Welt - so hat ihn ein Kommentator beschrieben. Westerwelle hat offenbar Gefallen an diesem Bild gefunden, an dem leicht Naiv-Unterschätzenden.
Freude an der Strebsamkeit
Da ist auch Beckmann in seinem Element und fragt noch schnell die jüngsten Westerwelle-Klischees ab. Wegen seiner sexuellen Orientierung rechnet der Außenminister nicht mit Problemen - er habe schon als FDP-Chef viele islamisch geprägte Länder bereist. "Wir dürfen uns unsere Liberalität nicht verbieten lassen", sagt der 47-Jährige. In vielen Ländern spielten Frauen keine Rolle in der Politik - dies halte die Deutschen nicht davon ab, eine Kanzlerin zu wählen.
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Westerwelle, der Alles-Duzer.
Die aktuelle Wochensatire vom HR:
mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/hr2_tretter/hr2_tretter_20091109.mp3
Warum soll Frau Steinbach keinen Platz im Stiftungsbeirat erhalten, bloß weil sie 1990 die polnische Grenze nicht anerkennen wollte? Mehr Selbstbewusstsein täte uns gut, fragen uns die Polen, was wir von ihrer "Personalpolitik" halten? Also Frau Steinbach endlich in den Stiftungsbeirat, diese Debatte soll endlich ein Ende haben!
Im- für mich- besten Café in Town. Es liegt dort immer eine Auswahl an Tageszeitungen aus.
Im stockkonservativen Lokalblatt ein Kommentar mir der Überschrift:
"Es geht eine Träne auf Reisen";
zum Thema Westerwelle auf Auslandsmission.
So weit sind wir schon. Das ist für dieses Blatt revolutionär.
Immerhin war der steinewerfende Taxifahrer bedeutend besser angesehen als der frühere Streber und vor seiner Wahl als Marktschreier auftretende Westerwelle es je werden wird. Das ist meine Voraussage, welche sich auch auf sein Ansehen in der Welt bezieht. Er wird auch dort nie das gleich hohe Ansehen des "Steinewerfers" erreichen, dazu ist er zu verkrampft, wie es bei Strebern oft so üblich ist. Die Aussenpolitik eines Staates der EU ist vorgegeben, dennoch braucht der jeweilige Minister schon Format, da reicht es nicht nur, stolz darauf zu sein, diesen Posten endlich erreicht zu haben. @Marcello50, wer sollte einem Streber seinen Posten nicht gönnen, haben Sie das schon mal erlebt? Da er sich aber bei seiner Marktschreierei ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hat, oftmals einen miesen Ton angeschlagen hat, wird er deshalb auch kritischer beobachtet, dies mit Recht. Er meint ja der Grösste zu sein, der von den Bürger volle Akzeptanz erfährt, wie er öfters bei beckmann betont hat. Seine Kritiker gehören nicht zu diesen Bürgern, also muss das eben hier geschehen. Er macht auf viele nicht den Eindruck, wie er sich diesen vorstellt. Dieser Irrtum muss immer wieder gesagt werden.
Und ausserdem - wer sich hier so schrecklich darüber aufregt, dass man am Westerwelle kein gutes Haar lässt, sind diejenigen, die das bei Politikern anderer Couleur das auch nicht gelassen hatten. Warum soll das denn jetzt anders sein, meine Damen und Herren? Also, wenn schon, denn schon - bei allen die gleiche Messlatte anlegen. Das wurde von Ihnen, @Marcello z.B., nicht so gehandhabt, also können Sie sich jetzt nicht künstlich berührt fühlen. Scheinheilig, wie der grosse Westerwelle.
Ihrer Meinung nach ist Westerwelle einer der Verursacher der Krise ?
Können Sie das näher erläutern? Nur zur Erinnerung: die letzten 11 Jahre sass er auf der Oppositionsbank...
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