Der Finanzminister in spe wirkte unsicher, was freilich bestens zum Holperstart der schwarz-gelben Koalition passte. Der Zuschauer jedenfalls wurde beim Anblick des Manns in Schwarz das Gefühl nicht los, es werde bald in der Nation zu unangenehmen Abgabenerhöhungen kommen.

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Nur Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt durfte sich in der eitlen Gewissheit sonnen, hier werde unter Schwarz-Gelb seiner Lobby gedacht. Schäuble radebrechte, es werde vielleicht 2011 zu den versprochenen Steuersenkungen kommen, andererseits wüsste man ja nicht, wie sich die Wirtschaftskrise entwickle.

Gesamtdeutscher Watschenmann

"Wir fahren auf Sicht", gab der Minister kund. Diesen Satz gebraucht er derzeit oft.

Wo es Schäuble bei "Anne Will" an Eloquenz fehlte, wollte dies der Jungliberale Johannes Vogel im Stil der neuen Angeber-FDP mit Schnellrednerei ausgleichen, was fatal an Haustürgespräche von Staubsaugervertretern erinnerte.

Unbarmherzig legte dagegen die Zeit-Journalistin Elisabeth Niejahr die Anfangsschwächen der neuen Koalition bloß - und sah überall Inszenierung und wenig Vertrauen. Warum denn nicht ganz einfach angekündigt werde, die Hartz-IV-Sätze für Kinder zu erhöhen?

Schäuble hielt das genauso aus wie die boshaften Einspielfilme. Seine Chefin hat ihn, den ewigen Rivalen, den Star der Helmut-Kohl-Zeit, in die Verantwortung abgeschoben. Seine Rolle ist die des gesamtdeutschen Watschenmanns.

Und so saß er also da, der Schuldenminister im Studio, und sagte allen, wie ernst die Lage ist. Verknöchert, blass, müde.

Schäuble kann nicht anders, er muss sich diese Bürde am Schluss der Karriere noch einmal zumuten. Fürs Fernsehen gibt's Schmerzensgeld.

Die Pflicht rief, auch im Ersten. Da wollte der Badener nicht "Nein" sagen. Irgendeiner muss ja am Ende all die Milliarden addieren, die fehlen.

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  1. Die Leiden des Wolfgang Schäuble
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(sueddeutsche.de/jobr/odg)