TV in der Krise "Wir müssen über Qualität reden"

Medienkontrolleur Thomas Langheinrich fordert ein Umdenken der TV-Sender in der Krise. Wird jetzt das Dschungelcamp abgeschafft?

Interview: C. Tieschky

Wenn Unternehmenserlöse schrumpfen, trifft das im Rundfunk besonders die privaten Sender, die sich aus Werbeeinnahmen finanzieren. Seit Einführung von Privat-TV verantworten kommerzielle und öffentlich-rechtliche Sender im sogenannten dualen System gemeinsam das Fernsehen in Deutschland. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten führt die Aufsicht über den privaten Rundfunk. Thomas Langheinrich, 55, ist ihr Vorsitzender.

Was macht das Dschungelcamp in der Krise?

(Foto: Foto: RTL)

SZ: Herr Langheinrich, Sie befürchten, das duale System könnte durch die Wirtschaftskrise auseinanderdriften. Warum?

Thomas Langheinrich: Wir haben in Deutschland einen privaten Rundfunk, der sich durch Werbeeinnahmen finanziert, und ein öffentlich-rechtliches System, das über Gebühren gesichert ist. In außergewöhnlichen wirtschaftlichen Krisenzeiten, wie jetzt, ist damit klar, dass das privatwirtschaftlich finanzierte System erhebliche Einbußen hat - während der gebührenfinanzierte Teil des dualen Systems vernünftig weiterlaufen kann. Wenn sich das zu einer dramatischen Schieflage auswächst, ist das auch nicht gut für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

SZ: Erweist die Krise, dass das duale System falsch konzipiert ist?

Langheinrich: Wir glauben nach wie vor, dass es ein kluges System ist. Aber man muss kritisch nachfragen, ob wir nicht an einigen Stellschrauben korrigieren müssen. Etwa darin, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine zusätzliche Refinanzierung aus Werbung braucht.

SZ: Diese Frage ist oft gestellt worden.

Langheinrich: Man hat es am Ende immer auf sich beruhen lassen. Dabei wäre es durchaus möglich, in einem Stufenprogramm zu vernünftigen Regelungen zu kommen. Eine Überlegung ist etwa, auf Sponsoring nach 20 Uhr zu verzichten.

SZ: Ein Werbeverzicht von ARD/ZDF würde den Privaten nur dann helfen, wenn Einnahmen an das Kommerzfernsehen gehen, die jetzt an die Öffentlich-Rechtlichen fließen. Das ist aber nicht gesagt.

Langheinrich: Klar ist aber, dass Firmen ihre Werbebudgets aufsplitten, wenn sie Zuschauer über private ebenso wie über öffentlich-rechtliche Sender erreichen können. Vielleicht werden Hersteller von Zahnhaftcreme nicht so gerne bei den Privaten werben - obwohl dort die Fixierung auf die junge Zielgruppe auch nachlässt. Aber selbstverständlich würden so die privaten Anbieter eine erhöhte Chance auf zusätzliche Werbeeinnahmen erhalten. Wichtig ist mir aber auch, dass wir gerade in schwierigen Zeiten den publizistischen Beitrag des privaten Rundfunks zum dualen System einfordern müssen. Ansonsten wäre das der Beweis, dass nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk wertvoll ist und der private nur ein handelbares Wirtschaftsgut, das keinen besonderen Regelungen unterliegen muss und keines besonderen Schutzes bedarf.

SZ: Sie fordern eine Qualitätsdebatte für die Privatsender. Wollen Sie das Dschungelcamp abschaffen?

Langheinrich: Nein, darum geht es überhaupt nicht. Es ist auch völlig klar, dass von den gebührenfinanzierten Sendern ein ganz anderer publizistischer Beitrag erwartet werden kann als vom Privat-TV, das auf Quote und Zuschauerakzeptanz ausgerichtet ist, um Geld zu verdienen. Aber wir müssen mit den Privatsendern über Qualität reden - und darüber, wie sie sich messen lässt. Dafür können Anreizsysteme geschaffen werden - wie zum Beispiel gute Positionen im Programmangebot von Satellit, DVB-T oder Kabel, die Zuschauer leichter finden.

SZ: Glauben Sie, dass der private Rundfunk diese Fragen gerne diskutiert?

Langheinrich: Nein.