Von Senta Krasser

Im Durchschnitt 18 Minuten täglich schauen immer mehr Menschen Fernsehen auf ihrem Handy. Drei-Minuten-Krimis, Serien oder Frühstücksfernsehen - kreativ sind die Macher schon, nur die Vielfalt wächst zu langsam im Mäusekino.

Muss man sich sorgen um die Qualität des morgentlichen Spiegeleis von Henrik Rinnert? Der Chef der Kölner Start-up-Firma Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) bekannte auf den Münchner Medientagen: Ich gucke beim Spiegeleibraten Fernsehen auf meinem Handy. Rinnert ließ indes offen, in welcher Hand er Gerät und Pfannenschieber hält.

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MFD ist bisher Deutschlands einziger Plattformbetreiber, der seit der Fußball-WM die mobile Fernsehtechnik DMB kommerziell und bundesweit nutzt. Das TV-Verhalten von MFD-Manager Rinnert ist repräsentativ: Erste Umfragen haben ergeben, dass Taschenfernsehnutzer sich vor allem zu Hause und vornehmlich morgens bespaßen und informieren lassen. Sie widerlegen somit Erwartungen, die Glotze to go setze sich im Wartezimmer oder an der Bushaltestelle durch.

Weitere Ergebnisse: Die tägliche Nutzungsdauer von Handy-TV liegt bei ordentlichen 18 Minuten - für ein Angebot, das noch an Vielfalt spart. MFD vertreibt in seinem Programmbouquet Watcha nur vier TV-Sender. Einer davon ist neuerdings ProSiebenSat1Mobile: Dort zeigt die Mediengruppe eine Art Best-of ihrer vier Kanäle, angefangen vom Sat-1-Frühstücksfernsehen über Galileo und Quiz Taxi bis Verliebt in Berlin und N24-News. "Resteverwertung" nannte das ein Medienforscher in München.

Experten sind uneins, ob es reicht, TV-Sendungen 1:1 ins Mäusekino zu übertragen oder ob das Mini-Medium nach speziellen Mini-Formaten verlangt, die so lange dauern wie die Zubereitung eines Spiegeleis.Der Produktionsriese Ufa nimmt viel Geld in die Hand, um Drei-Minuten-Krimis zu entwickeln wie "Kill your Darling".

Auch MTV und Discovery experimentieren. An Erotik im Handy-TV scheint sich keiner zu wagen - das Risiko wäre groß, dass kurz vor dem Höhepunkt der Handy-Akku abschmiert. Entwicklungsbremse Technik. Mit DMB konkurriert der Standard DVB-H: 2007 beginnt der Verteilungskampf um Frequenzen. Vom Massengebrauch ist Handy-TV Jahre entfernt.

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(SZ vom 21.10.2006)