Die Google-Tochter YouTube steht aber selbst unter Druck, und zwar durch den neuen Konkurrenten Hulu.com. So heißt ein Joint-Venture des TV-Networks NBC aus dem Großkonzern General Electric mit dem Medienriesen News Corporation des Tycoons Rupert Murdoch. Hulu stellt Serien und Filme von 130 Partnern wie Sony Pictures und Warner Bros. kostenlos in hoher Qualität ins Netz. Theoretisch kann jeder den Hulu-Player in seine Homepage oder seinen Blog integrieren.

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Schon knapp ein Jahr nach dem Start macht Hulu mehr Gewinn als YouTube - trotz deutlich niedrigerer Nutzerzahlen. Es dürften mehr als zehn Millionen US-Dollar Profit aufgelaufen sein. Von rund 100 Millionen Video-Abrufen pro Monat kann Hulu offenbar 80 Prozent vermarkten, weitaus mehr als YouTube. Die Werbekunden wollen ihre Produkte lieber im Umfeld hochwertiger Fernsehserien als bei privaten Rülpswettbewerben sehen.

Aus mit der Romantik

"Wer im Internet Erfolg haben will, muss sich von der Lagerfeuerromantik des Fernsehens verabschieden", meint Daniel Knapp, der als Analyst bei der britischen Forschungsfirma Screen Digest arbeitet: "Man kann nicht erwarten, dass sich die Zuschauer auf einer Plattform versammeln, man muss die Inhalte über virale Verbreitungsmodelle zu ihnen bringen."

Im Vergleich zur USA ist die deutsche Fernsehwelt im Großen und Ganzen in Ordnung - noch. Einen starken Aggregator wie Hulu gibt es nicht, vor allem der eigene Vorgarten wird gepflegt. "Wer kann mehr professionelle Bewegbildinhalte im Internet anbieten als die TV-Sender selbst?", fragt RTL-Chefin Anke Schäferkordt selbstsicher. Lizenzserien und Eigenproduktionen laufen - wenn man vom RTL-Shop bei iTunes absieht - auf den RTL-Plattformen im Internet.

"Wir wollen auf allen Distributionswegen und Endgeräten vertreten sein", betont Marcus Englert, Vorstand New Media und Diversifikation bei Pro Sieben Sat 1. Verpasste Folgen und Clips des aktuellen Casting-Wettbewerbs "Germany's Next Top Model" können die Fans auf den eigenen Senderseiten, bei Myvideo und bei Maxdome sehen, einem Portal für den Abruf von Filmen gegen Bezahlung ("Video-on-demand").

Seit Monaten streiten Pro Sieben und RTL mit den deutschen Verlagen auch über die Online-Nutzung des Fotomaterials zu ihren Shows. Zuletzt hatten zum Beispiel Welt Online und Spiegel Online mit ausladenden Fotogalerien aus dem "Dschungelcamp" von RTL reichlich Klicks gesammelt. Für Heidi Klums Modelshow ließ sich Pro Sieben nun einen Strafkatalog einfallen, der eine sehr eingeschränkte Nutzung von Bildern vorsieht.

User und Umsätze sollen auf den eigenen Seiten bleiben - auch wenn die Fernsehwerbung nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle der Sender ist. Die großen Vollprogramme erzielen fast 90 Prozent ihrer Erlöse mit den bunten Werbespots für Waschmittel, Fruchtsäfte und Erlebnisbiere. Wer massenhaft verkaufen will, muss diese Massen erreichen. Deshalb werben Konsumgüterriesen wie Procter & Gamble oder Unilever immer noch am liebsten im TV.

Wer die Wahl hat, hat die Qual ...

Vor allem die Älteren lieben die Glotze im Wohnzimmer. Mit der Auswahl, wie sie im Internet Standard ist, sind viele überfordert. Zwar können die Deutschen im Schnitt 77 Sender empfangen, allein 35 gibt es im analogen Kabel frei Haus - doch geguckt wird immer dasselbe. 80 Prozent der Fernsehnutzung konzentrieren sich auf zehn Sender, 50 Prozent sogar nur auf die fünf großen RTL, Sat 1, Pro Sieben, ARD und ZDF.

Die Vorteile der Digitalisierung - Hunderte Spezialkanäle, Video-on-demand, Interaktivität - leuchten den meisten Zuschauern noch nicht ein. IP-TV, das Internetfernsehen aus dem Telefonkabel à la Telekom, gilt mittlerweile sogar als Digitalisierungsleiche.

Das Marktforschungsinstitut TNS Infratest schätzt das Potential bis Ende 2009 auf nicht einmal eine Million Haushalte. "In der analogen Welt herrscht Ordnung und Übersichtlichkeit", sagt Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer des Satellitenbetreibers Astra Deutschland in Unterföhring. Mehr Auswahl sähen die wenigsten als Vorteil. "Die Anreize für den Umstieg fehlen", so Elsäßer.

Gerade mal 45 Prozent der deutschen Haushalte empfangen derzeit digitales Fernsehen; im Kabel, dem wichtigsten deutschen Empfangsweg, ist nur jeder Vierte dabei. Anfang 2008 wies in Europa lediglich Slowenien einen noch schlechteren Digitalisierungsgrad auf. Die Abschaltung der analogen TV-Übertragung, eigentlich für 2010 geplant, ist in weite Ferne gerückt.

Die meisten Fernsehmacher beruhigen sich selbst mit der Erkenntnis, dass ihr Medium eben etwas für den Passiv-Genuss, also zum Zurücklehnen sei. Das werde es noch lange geben. Doch das Vertrauen in dieses "Lean-back-TV" ist für die Verantwortlichen gefährlich. Denn es gibt eben die junge Generation YouTube, die selbst Fernsehen im Netz veranstaltet, im Internet surft, twittert und über die ARD spottet, die mal eben über Samstag mit einer "Echo"-Preisverleihung hip werden will. Nach den Ergebnissen der jährlichen ARD/ZDF-Onlinestudie verbringen die 14- bis 19-Jährigen mittlerweile mehr Zeit im Internet (120 Minuten täglich) als vor dem Fernseher (100 Minuten). Zwar steigt der Medienkonsum in dieser Generation insgesamt an, doch der Nachwuchs würde lieber auf Presse und Fernsehen verzichten als auf das Web.

In einer aktuellen IBM-Studie benennen 50 Prozent der Teens und Twens das Internet als wichtigstes Medium. "Fernsehen entwickelt sich wie Radio zum Hintergrundmedium", sagt Niko Waesche, zuständig für Media & Entertainment bei der Unternehmensberatung IBM Global Business Services in Stuttgart. "Die werberelevante Zielgruppe ist unterwegs zu neuen Ufern."

YouTube Sperrbereich für Bohlen

Die Folge: erste allgemeine Verunsicherung in den Senderzentralen. Der Lack ist ab beim normalen Fernsehen. Die Nervosität steigt.

Deshalb hat RTL Ende Januar alle Mitschnitte seiner Superstar-Suche DSDS mit Dieter Bohlen bei YouTube sperren lassen. Der genannte Grund: Urheberrechte. Das Internet-Publikum soll dem Casting-Gebalze auf den Senderseiten RTL now, RTL.de und Clipfish beiwohnen.

Ähnlich humorlos zeigte sich zuletzt der MDR: Er ließ das Bekenner-Video der Entführer von "Bernd das Brot", der Werbefigur des Kinderkanals KiKa, wieder aus dem Netz entfernen. Da bleibt eigentlich nur die Frage: Why is MDR doing such a shit?

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