Türkei und Kultur Osman Kavala sorgt sich um kulturellen Austausch

Osman Kavala ist einer der wichtigsten Kulturmäzene der Türkei - und sitzt gerade im Gefängnis.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der inhaftierte Kulturmäzen beklagt Absagen wie die des Gastspiels der Schaubühne beim Istanbuler Theaterfestival. So werde man die Türkei in der internationalen Kulturwelt isolieren.

Von Christiane Schlötzer

Osman Kavala ist einer der wichtigsten Kulturmäzene der Türkei, er fördert mit seiner Stiftung "Anadolu Kültür" seit Jahrzehnten besonders Projekte der Minderheiten - von Armeniern, Griechen, Kurden, oft mit internationalen Partnern, auch dem Goethe-Institut. Kavala liebt das Theater. Im Moment kann der 60-jährige Unternehmer und Philantrop allerdings keine Vorstellung besuchen. Er sitzt im Gefängnis von Silivri. Kavala wurde vor einem Monat in Istanbul festgenommen. Der Mann und seine Großzügigkeit waren der Regierung offenbar schon länger suspekt.

Nun sorgt sich Kavala um die Vielfalt der Kultur in seinem Land, nicht nur, weil es Menschen wie ihm unmöglich gemacht werden soll zu fördern, was sie für fördernswert halten. Sondern auch, weil sich Künstler aus Europa fürchten, in der Türkei aufzutreten. In der Haft kann Kavala Zeitungen lesen, so hat er erfahren, dass die Berliner Schaubühne aus Sorge um die persönliche Sicherheit ihrer Mitarbeiter zwei Vorstellungen von "Richard III.", inszeniert von Thomas Ostermeier, beim traditionsreichen Istanbuler Theaterfestival abgesagt hat. Kavala will dazu nicht schweigen, er dankt Ostermeier und seinem Team für ihre "erste Besorgnis wegen meiner Verhaftung".

Aber der Mäzen macht auch klar, dass er die Absage für "sehr unglücklich" hält, denn sie führe "zum Ausschluss der Türken von der internationalen Kultur- und Kunstwelt". In der schwierigen Lage aber, in der sich die Türkei befindet, habe der kulturelle Austausch "eine außerordentliche Bedeutung, um die Isolation des Landes zu verhindern".

Übermittelt hat Kavalas Kommentar dessen Frau, die ihren Mann nun erstmals in Silivri besuchen durfte. Das Theaterfestival läuft noch bis 26. November. Es wird seit 1989 von der renommierten privaten Istanbuler Stiftung für Kultur und Kunst (IKSV) veranstaltet, die auch Trägerin der Kunst-Biennale ist. In diesem Jahr sind unter anderem Bühnen aus Frankreich, Griechenland, Italien und Portugal dabei. "Kritische Meinungen und Nichtkonformes" zu äußern sei in Türkei derzeit riskant, aber es sei "nicht sehr wahrscheinlich", dass dies auch für Künstler aus Europa gelte, lässt Kavala noch ausrichten. Heißt: Wäre Kavala nicht Türke, ginge es ihm wohl besser.

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