Türkei Exil-Schrifstellerin zu lebenslanger Haft verurteilt

Pinar Selek im Januar an der Universität Strasbourg. Ein türkisches Gericht hat die Soziologin zu lebenslanger Haft verurteilt.

(Foto: AFP)

Das Verfahren war umstritten, mehrmals wurde sie freigesprochen. Nun hat ein türkisches Gericht die im Exil lebende Frauenrechtlerin Pinar Selek zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie soll 1998 an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen sein.

Ein türkisches Gericht hat die im Exil lebende Schriftstellerin Pinar Selek in einem international umstrittenen Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Entscheidung sei am Donnerstag nach mehrstündiger Verhandlung verkündet worden, berichteten türkische Fernsehsender. Die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland erklärte: "Der PEN protestiert aufs Schärfste gegen diese Gerichtsentscheidung, die massive Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der Türkei nährt"

Der türkischen Soziologin, die zeitweise in Deutschland lebte, war vorgeworfen worden, an einem Sprengstoffanschlag auf einen Markt in Istanbul im Jahr 1998 beteiligt gewesen zu sein. Die Vorgänge sind weiter heftig umstritten, auch weil Gutachter einen Unfall mit einer Gasexplosion für wahrscheinlich hielten. Bei der Explosion waren damals sieben Menschen tödlich verletzt worden, darunter mehrere Kinder. Selek wurde festgenommen, als Bombenlegerin angeklagt und zweieinhalb Jahre inhaftiert. Nach eigenen Angaben wurde sie damals schwer misshandelt.

Istanbuler Richter hatten sich 2001, 2006 und 2011 für Freisprüche in dem Prozess entschieden. Das Oberste Gericht hatte diese Entscheidungen jeweils aufgehoben. Menschenrechtler sprechen von einem politisch motivierten Verfahren. Selek beschäftigt sich seit Jahren mit der Kurdenproblematik, der Minderheitenpolitik und den Geschlechterrollen in der Türkei. Sie lebt inzwischen in Straßburg in Frankreich.

Am Donnerstag gab es am Rande des Prozesses in Istanbul erneut Proteste gegen das Verfahren. Der deutsche Journalist und Autor Günter Wallraff, der als Beobachter angereist war, kritisierte die Entscheidung als "Willkürurteil erster Güte". Der Richter habe sich offensichtlichen Vorgaben höherer Stellen gefügt. Damit werde die völlig gewaltfrei agierende Selek als Terroristin abgestempelt, sagte Wallraff der dpa. Tatsächlich werde sie für ihr Engagement für Frauen- und Minderheitsrechte abgestraft. "Das war ein Schauprozess."