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Trauer um Gitarren-Legende Johnny Winter Man of the Blues

Er liebte den Blues: Johnny Winter.

(Foto: PR-Bild)
Er gehörte zu den großen Gitarristen seiner Generation. Nun ist Johnny Winter im Alter von 70 Jahren gestorben. Bis zuletzt arbeitete er noch an einem neuen Album.

Johnny Winter ist tot. Der Blues-Musiker ist im Alter von 70 Jahren in Zürich gestorben, wie die Schweizer Polizei bekanntgab. Mehr als vier Jahrzente lang war Winter als Gitarrist und Studioproduzent aktiv. Als einer der größten Blues-Gitarristen und ist einer der wenigen weißen Musiker, die in der Ehrengalerie der Blues Hall of Fame aufgenommen wurden.

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Vor allem gehörte er zu jener Garde von Rockgitarristen, auf die das Attribut "außergewöhnlich" zutrifft. Neben Jimi Hendrix, Jimmy Page oder Eric Clapton hatte der Albino Johnny Winter herausragende musikalische Fähigkeiten, die ihn, gepaart mit einer exzellenten Bühnenshow, zu einer unumstößlichen Größe in der Rockgeschichte machten.

Winter, geboren 1944 in Leland, Mississippi, wuchs in gut situierten Verhältnissen auf - sein Vater besaß eine Baumwollplantage. Im Alter von fünf Jahren lernte er bereits, Klarinette zu spielen. Später kamen Ukulele und Gitarre hinzu. Als Teenager imitierte er mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Edgar die Everly Brothers. Als Winterbrothers gewannen sie einen lokalen TV-Talentwettbewerb und wurden 1959 nach New York zu Ted Mucks "Original Amateur Hour" eingeladen.

Zusammenarbeit mit Muddy Waters

Diese ersten Erfahrungen im Showbereich veranlassten den Teenager, die Band Johnny and the Jammers zu gründen. Die erste Single erschien 1963 beim lokalen Label Dart Records. Die Existenz der Band währte jedoch nicht lange. Ende des Jahres ging Winter nach Chicago und versuchte sich in der dortigen Bluesszene zu etablieren. Es entstanden Kontakte und gemeinsame Auftritte mit Größen wie Bobby Bland, B. B. King und Muddy Waters.

Doch der Durchbruch gelang Winter 1967, als er nach Houston ging. In der texanischen Bluesszene fühlte er sich sehr wohl. Ein Bericht im Rolling Stone über einen Auftritt Winters mit Tommy Shannon am Bass und "Uncle" John Turner am Schlagzeug brachte ihm ob seiner Explosivität und Progressivität erste größere öffentliche Anerkennung.

Einige Plattenfirmen horchten auf. Winter unterschrieb schließlich bei Columbia und erhielt einen Fünfjahresvertrag mit einem Vorschuss von 300 000 Dollar. Nachdem er bereits Anfang 1969 bei Imperial das Album "The Progressive Blues Experiment" veröffentlicht hatte, sollten bei der Major-Company bis 1974 sechs weitere Alben folgen. 1969 gehörte Winter zu jenen Musikern, die beim Woodstock-Festival auftraten.

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Mit seiner Vorliebe für Blues enttäuschte Winter bewusst die Erwartungshaltung der Fans, die in ihm den legitimen weißen Nachfolger von Jimi Hendrix sehen wollten. Die LP "Second Winter", die er mit einer neuen Band einspielte, überzeugte restlos und bot mit der Chuck-Berry-Cover-Version "Johnny B. Goode" einen ultraschnellen Rockklassiker, der seitdem zum Synonym für den Slide-Gitarristen und Sänger wurde.

Winter war nun auf der Höhe seines Erfolges und mit seiner Band unaufhörlich auf Tournee. Nach zwei weiteren Veröffentlichungen brach er Ende 1971 auf Grund der nervlichen Überbeanspruchung und wegen Heroinkonsums zusammen und nahm eine längere Auszeit. Insgesamt neun Monate verbrachte in einer Entzugsklinik, im Juni 1972 konnte er als "relativ geheilt" entlassen werden. Nur ein Jahr später meldete er sich zurück - mit einem Album, das den sprechenden Titel "Still Alive And Well" trug. Es überzeugte Kritiker und Fans gleichermaßen und erklomm in den US-Charts Platz 22

Nach der LP "Saints And Sinners" unterschrieb Winter beim Muddy-Waters-Label "Blue Sky" und veröffentlichte bis 1980 sechs Alben. Außerdem produzierte er die Muddy-Waters-LP "Hard Again", die 1977 für den " Grammy" nominiert wurde. Besonders herausragend war die Zusammenarbeit mit Waters auf dem Album "Nothin' But The Blues" (1977). Die Presse überschlug sich mit Lobeshymnen: "Schlicht und einfach spektakulär" ( Rolling Stone).

Neues Album war schon geplant

Obwohl er Anfang der Achtzigerjahre viele Live-Konzerte gab, veröffentlichte Winter erst 1984 sein nächstes Album "Whooper", dem bis 1986 drei weitere LPs folgen sollten. In den Verkaufscharts war er allerdings nicht mehr präsent, obwohl seine Veröffentlichungen "Serious Business" (1985) und "Third Degree" (1986) jeweils für den "Grammy" vorgeschlagen wurden.

In den folgenden Jahren gönnte sich der Ausnahme-Gitarrist eine Ruhepause. Erst im Sommer 1991 meldete er sich mit dem neuem Label "PointBlack" und der neuen Platte ("Let Me In") zurück. Bis 1994 veröffentlichte Winter drei weitere Alben, von denen sich besonders "Hey, Where's Your Brother" positiv hervortat.

Mitte der Neunzigerjahre begann Winter es etwas langsamer angehen zu lassen, doch er blieb ein gern gesehener Gast auf Rock-Konzertbühnen. Anfang Juli hatte Winter noch getwittert, dass am 2. September 2014 sein neues Album namens "Step Back" herauskommen werde. Sollte es dazu noch kommen, wird er selbst es leider nicht mehr miterleben können.

Mit Material von dpa

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