Tour-Auftakt in Hannover Wenn es einen Himmel gibt - Helene Fischer kommt rein

Alle lieben Helene Fischer. Warum sie nicht gleich zum Einheitsdenkmal machen?

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Sie singt "Schmetterling, Schmetter-li-hing" und das Highlight des Abends ist ein Kleid aus Wasserdüsen. Aber nach Helene Fischers Auftritt in Hannover muss mal gesagt werden: Die Sängerin ist gut in dem, was sie tut.

Konzertkritik von Juliane Liebert, Hannover

Der Höhepunkt des Konzertes ist klar der Wasserdüsen-Rock. Etwa zur Halbzeit des Auftaktes ihrer neuen Tour "Live 2017/2018" singt Helene Fischer mit einer um ihre Hüfte befestigten Konstruktion aus Düsen. Aus jeder schießt ein Wasserstrahl, sodass es aussieht, als würde sie (pardon) nach allen Himmelsrichtungen zugleich pinkeln. Oder eben wie ein Kleid. Niemand, der das gesehen hat, wird es je wieder vergessen können.

Denn wäre es nicht fantastisch, wenn man Helene Fischer als Bewässerungsanlage mieten könnte? Sie würde, majestätisch zwischen Rüben und Brokkoli schreitend, "Wenn du lachst" singend, Radieschen wässernd, das Abendland auf eine neue Stufe heben. Aber beginnen wir am Anfang.

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Wer an diesem Abend in Hannover ist, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Alle lieben Helene Fischer. Der Briefträger. Der Polizist. Die Backwarenfachverkäuferin. Sogar Hannover hat sich hübsch gemacht, seine Farben angemischt aus Grau und Blau, Regen und Abendsonne, und die Schlange vor der Tui-Arena ist lang und bewegt sich schnell. Es stehen so viele Menschen an, als halte die Tui-Arena das einzige Klo in ganz Hannover bereit. Man lacht. Man scherzt. Freundschaften werden geschlossen, Ehen arrangiert. Alle hier sind Verbündete.

Es wird viel abgeseilt und aufgeseilt, gehoben und geworfen

Endlich drinnen öffnet sich der Vorhang, na ja, die Projektion eines Vorhangs, und Helene Fischer wird in einem Glitzerbody abgeseilt. Das ist symptomatisch für den Rest der Show, es wird viel abgeseilt und aufgeseilt und gehoben und geworfen. Eine Gruppe von Akrobaten unterstützt sie dabei. Helene Fischer unterbricht die Songs nicht mal, sie pendelt einfach über der Menge hin und her, landet, kratzt sich beiläufig den makellosen Unterschenkel und singt weiter.

Viele haben sich gefragt, woher ihr Erfolg kommt. Wenn man sie auf der Bühne sieht, erklärt sich das sofort von selbst: Sie sieht wahrhaftig aus, als würde sie das verdammte Publikum lieben. Nicht nur ein bisschen, sondern bedingungslos. Das Publikum ist ihr Baby. Die Liebe ihres Lebens. Der Typ, den sie immer wollte, Gott, ein Lottogewinn. Wenn sie "Ich mag dich" trillert, will man ihr sofort sein ganzes Geld geben. Und das Geld seiner Kinder und Enkelkinder. Studieren die halt doch nicht. Eh überbewertet.

Helenes Haar weht im Kunstwind, "Schmetterling, Schmetter-li-hing" singt sie. Bemerkenswert: Es gibt offenbar ein Team, das die Länge ihrer Röcke genau so berechnet, dass man ihr immer fast, aber nie tatsächlich in den Schritt schauen kann. Großes Lob an dieses Team. Das ist in Anbetracht der Verrenkungen Millimeterarbeit.

"Ich habe auch Ängste", gesteht Helene. Hinter ihr hängen ihre Tänzer kopfüber von Seilen herab. Die Musik? Welche Musik? Ach so, ja, es werden gefühlt 25 Cover von "Atemlos" dargeboten. Ein langsames, ein schnelles, ein fröhliches, ein trauriges, zwei Country-Cover und so weiter. If it ain't broke, don't fix it. Stampf, stampf, stampf, Schmetterling.

Helene Fischer ist gut in dem, was sie tut

Das Ding ist, und es muss einmal ausgesprochen werden: Helene Fischer ist gut in dem, was sie tut. Wenn es einen Himmel gibt - Helene Fischer kommt definitiv rein. Wer einen Himmel will, den er sich mit Helene Fischer teilen muss? Gute Frage, nächste Frage.

Könnte man Helene Fischer nicht auch einfach als 360-Grad-Pinkelbrunnen vors Stadtschloss in Berlin stellen? Statt der Wippe? Ein besseres Einheitsdenkmal ist kaum vorstellbar.

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