"Titanic"-Filmkomponist gestorben Gnadenloser Überwältigungskünstler

(FILES) This file photo taken on February 15, 2010 shows composer James Horner arriving at the 82nd annual Academy Awards Nominee Luncheon at the Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills, California. James Horner, the celebrated composer of several Hollywood smash-hit films including 'Titanic' and 'Avatar,' died on June 22, 2015 in a plane crash at the age of 61, US media reported. AFP PHOTO / FILES / GABRIEL BOUYS ; (FILES) This file photo taken on February 15, 2010 shows composer James Horner arriving at the 82nd annual Academy Awards Nominee Luncheon at the Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills, California. James Horner, the celebrated composer of several Hollywood smash-hit films including 'Titanic' and 'Avatar,' died on June 22, 2015 in a plane crash at the age of 61, US media reported. AFP PHOTO / FILES / GABRIEL BOUYS

(Foto: AFP)

James Horner schrieb die Musik zu den bisher größten Blockbustern - darunter "Titanic" und "Avatar". Ein Flugzeugabsturz riss ihn nun aus Leben und Arbeit.

Von David Steinitz

Kurz vor Ende der Dreharbeiten zu "Titanic" herrschte am Set miserable Stimmung. Der Film hatte sich, obwohl noch nicht mal fertig, in Hollywood bereits zum Treppenwitz entwickelt. Weil das Budget immer gigantischer, der Regisseur immer manischer und die Produzenten immer panischer wurden. Als James Horner von seinem Kumpel James Cameron, der tagsüber mit reichlich schlechter Laune und Gummistiefeln über sein Wasserbecken-Set platschte, eine erste Fassung gezeigt bekam, dauerte diese: 30 Stunden.

Mit diesem Materialmonster im Rücken schickte der Regisseur seinen Komponisten heim ans Klavier - und warnte ihn: "James, ich will richtige Filmmusik, keinen Popsong!" Horner machte sich an die Arbeit, schrieb einen klassischen, melodramatischen, pompösen Soundtrack - und dachte sich: Aber vielleicht ganz zum Schluss, so ein klitzekleiner Popsong...

Der "Titanic"-Soundtrack wurde zum meistverkauften der Filmgeschichte

Also dachte er sich mit seinem Kompositionspartner Will Jannings ein romantisches Liedchen aus, geschrieben für eine weibliche Solostimme, unterlegt mit den zarten Klängen einer irischen Penny Whistle-Flöte. Mit dem Song im Gepäck fuhr er nach New York und traf sich dort heimlich im Aufnahmestudio von Sony mit einer kanadischen Sängerin namens Céline Dion, um ein Demotape aufzunehmen. Als er sich schließlich traute, seinem Regisseur das Lied vorzuspielen - "My Heart Will Go On"! - rief sogar der skeptische Cameron: "Yes!".

Klugerweise hatte Horner sich vertraglich mit 1,20 Dollar pro verkaufter CD an den Einnahmen beteiligen lassen - der "Titanic"-Soundtrack wurde zum meistverkauften der Filmgeschichte. Außerdem brachte er ihm zwei Oscars ein, für den besten Song und die beste Filmmusik. Das untermauerte seinen Status als einen der gefragtesten Filmkomponisten der Gegenwart kräftig.

Horner, geboren 1953 in Los Angeles, begann mit fünf Jahren, Klavier zu spielen. Später lernte er am strengen Royal College of Music in London und, in den Siebzigern, an der etwas lockereren, weil bekiffteren Universität von Kalifornien, wo er in Musiktheorie promovierte.

Pathos und Frauenchöre - das war Horners Sound

Die Praxis der Komposition brachte er sich erst durch Gefälligkeitsarbeiten für die Kommilitonen des Filminstituts bei. Anschließend arbeitete er für die Trash-Ikone Roger Corman, für den er einige verruchte B-Movies vertonte. Mit dieser Arbeit machte er die großen Hollywood-Studios auf sich aufmerksam, bald durfte er für einige Teile der "Star Trek"-Reihe die Musik schreiben. Danach haben ihm die Urväter des Blockbusterkinos - George Lucas, Steven Spielberg, James Cameron, Ron Howard - regelmäßig ihre Projekte anvertraut.

Über Horners Sound konnte man natürlich leicht die Nase rümpfen: über das Pathos und die lamentierenden Frauenchöre, die er sich bei seinem Vorbild Ennio Morricone abgeschaut hatte. Aber Horner hat auf diese Weise das moderne Kino mit seinem gnadenlosen Überwältigungsimperativ genauso miterfunden, wie seine Regisseure. Die Zuschauer zu stimulieren, die immer imposanter werdenden Spezialeffekte mit seiner Effektmusik noch zu übertreffen - das konnte in Hollywood kaum einer wie er.

"Apollo 13", "Braveheart", "Avatar" - allesamt Meisterstücke des Entertainment-Kinos, deren Musik nicht nur von Horners Übertreibungskunst profitierte, sondern auch von seinem Gespür für Stille an der richtigen Stelle. "Manchmal", sagte er, "wollen Regisseure viel zu viel Musik in ihre Filme packen. Aber ganz ehrlich: ich finde zu viel Musik gar nicht gut." Am Montag kam James Horner beim Absturz seines kleinen Privatflugzeugs , das er nach bisherigen Angaben selbst steuerte, im Alter von 61 Jahren ums Leben.