Thomas Mann Bundesrepublik kauft Thomas-Mann-Villa in Los Angeles

Thomas Mann im Garten seiner Villa in Pacific Palisades, mit Ehefrau Katia und Enkelkindern - ein Bild aus den Vierzigerjahren.

(Foto: AP)

Das Haus, das der Schriftsteller im amerikanischen Exil bewohnte, stand zum Verkauf, mit der Möglichkeit zum Abriss. Nun hat es die deutsche Regierung gekauft - und hat Großes damit vor.

Von Peter Richter und Andrian Kreye

Die Bundesrepublik hat Thomas Manns einstiges Haus am Rande von Los Angeles gekauft und damit vor dem wahrscheinlichen Abriss gerettet. Das haben sowohl die Maklerin Joye Rey in Kalifornien als auch deutsche Stellen am Mittwochabend der SZ bestätigt.

Auf den Schildern der Makler und auf den Anzeigen in den Immobilienportalen war zu diesem Zeitpunkt plötzlich das Wort "closed" aufgetaucht: Der Kauf ist demnach abgeschlossen, der Preis betrug 13 250 000 Dollar. (Dazu kommen Steuern und Maklergebühren.) Das sind fast zwei Millionen Dollar weniger, als noch im August dafür verlangt wurden, als das Haus auf den Markt kam. Die vorherigen Besitzer wollten fast 15 Millionen. Dass sie am Ende davon abgerückt sind, mag mit dem Verhandlungsgeschick der deutschen Seite zu tun haben, es deutet aber auch auf die Gründe hin, aus denen befürchtet werden musste, dass ein Abriss des Hauses droht, in dem Mann den "Dr. Faustus", "Lotte in Weimar" sowie Teile von "Joseph" und von "Felix Krull" geschrieben hat.

Bald schon könnten die ersten Stipendiaten in das Haus geschickt werden

Angeboten war ein "Einfamilienhaus" mit 489 Quadratmetern aus dem Baujahr 1941, was in dieser Wohnlage einerseits nicht besonders groß und andererseits für kalifornische Verhältnisse schon sehr alt ist. Wirtschaftlich erschien Beobachtern der Preis für das Grundstück nur unter der Bedingung, dass der Bau durch mehrere Neubauten ersetzt würde. Vermutlich war auch deshalb bei den Maklern vom kulturhistorischen Wert des Objekts von vornherein nie die Rede. In den Anzeigen wurde weder der prominente Bauherr erwähnt noch sein Architekt, der moderate Modernist Julius Ralph Davidson, ebenfalls ein Immigrant aus Deutschland. Abgesehen von seinem Wert für die Literatur- wie für die Architekturgeschichte, steht der Bau für den damals unter den deutschen Exilanten seltenen Willen, in Kalifornien wirklich Wurzeln schlagen zu wollen. Dass das deutsche Außenministerium nach dem Kauf der Villa, in der Lion Feuchtwanger einst seine Exiljahre hier verbracht hat, nun auch Thomas Manns Haus erworben hat, ist bemerkenswert. Der Vorlauf war dabei länger, als allgemein bekannt.

Auf nostalgische Weise deutsch

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Der ehemalige Bundesminister Gerhart Baum hatte mitgeteilt, dass er schon Anfang der Siebzigerjahre beim Außenamt den Erwerb des Hauses angeregt habe. Damals waren die Bemühungen allerdings gescheitert. Auch diesmal war es nicht einfach, heißt es aus der deutschen Botschaft in Washington. Die Nachricht vom Verkauf in Berichten der SZ erreichte den politischen Betrieb mitten in den Ferien, der Bundestag musste die Gelder erst einmal bereitstellen, und in Kalifornien war nicht nur mit dem Verkäufer zu verhandeln, sondern auch mit den Anwohnern im feinen Pacific Palisades, denen das Verkehrsaufkommen einer deutschen Kulturinstitution am Ende wohl doch lieber war als die drohende Baustelle. Federführend waren die Kulturabteilung des Außenamtes und am Ort der deutsche Generalkonsul in Los Angeles, Hans-Jörg Neumann. In den nächsten rund zwei Jahren wird es vor allem darum gehen, die gerettete Substanz zu sichern und zu renovieren, dann aber sollen schon die ersten Stipendiaten in das Haus geschickt werden.

Denn sicher ging es erst einmal darum, ein Denkmal vor dem Zugriff des erbarmungslosen amerikanischen Immobilienmarktes zu schützen. Aber jetzt gehört das Haus nun mal der deutschen Regierung, und weil es sehr gut möglich ist, dass es in der nahen Zukunft verschärften transatlantischen Redebedarf gibt, soll genau der am San Remo Drive gedeckt werden.