Ein Gefühl der Sehnsucht, irgendwo zwischen Brit-Pop und Siebzigermusik. Selbstbewusst spüren ihm die fünf Briten nach und halten sich seit sechzehn Wochen in den britischen Top-Ten.
Blaue Scheinwerfer durchstreifen den dunklen Raum. Die Band ist nicht zu sehen. Die Vollblutmusiker stellen sich zunächst nur Acapella und aus dem Off vor. "Klar, das ist wie Queen", ruft ein Fan wenige Sekunden nach Beginn des ersten Liedes in München. Zu Recht. Die Stimmlage und der leicht schwülstige Gesang erinnern sofort an "Bohemian Rhapsody".
Virtuose Musiker, seit sechzehn Wochen in den britischen Top-Ten. "The Feeling" präsentieren mit ihrem Album "Twelve Stops and Home" einen hörbaren Flickenteppich aus Brit-Pop und Siebziger. (© Foto: Island Records (Universal))
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Der gelungene, virtuose Auftakt der Briten aus Sussex und London sagt schon vieles über "The Feeling" aus: Chorpassagen von allen Beteiligten sind ihr Markenzeichen, das sich in vielen Refrains wieder findet. Auf diese Weise bekommen "I want you now", "Fill my little world" und "I love it when you call" von ihrem aktuellen Album "Twelve Stops And Home" die besondere Note. Auch wird gleich zu Beginn des Konzerts klar: "The Feeling" sieht sich in einer Kontinuität mit Bands aus den Siebzigern, Elemente klassischer Popmusik machen ihre Songs zu Hits. Doch was ist das Besondere daran?
Versetzen wir uns in das Jahr 1991. Im Radio wird ein Preisträger von "Jugend musiziert" interviewt, der mit einem Stück von Bach gewonnen hat. Was er denn sonst für Musik höre, wird der pubertierende Junge gefragt. So in der Freizeit, wenn er sich von den Zwängen der ernsten Klassik befreien kann. "Genesis und Supertramp", antwortet der aufgeweckte Pianist. Die jugendlichen Zuhörer vor dem Radio krümmen sich vor Lachen. "Das sind doch die Bands unserer Eltern!" rufen sie und legen kopfschüttelnd "Use your Illusion I" von Guns 'N' Roses auf. Nur einer von ihnen schweigt, weil er versteht, wovon der junge Musiker spricht. So wie er fühlte sich einst Dan Gillespie Sells, der das Gefühl des musikalischen Außenseiters nur zu gut kennt.
Gute Musik und ein ständiges Gefühl der Sehnsucht
"Heute hingegen gibt es keine 'pleasure guilty' mehr", sagt Sänger von "The Feeling". Es brauche sich niemand mehr "schuldig" zu fühlen, Musik zu lieben, die bei den Freunden nicht angesagt ist. "Everybody knows you're strange, everyone knows we're different" singen sie auf ihrem zweiten Album, das sich mittlerweile seit sechzehn Wochen in den britischen Top-Ten hält. Auch in Deutschland haben "The Feeling" mit "Sewn" ihren festen Platz auf den Playlists der Radios erreicht.
Jeder Musikstil der letzten sechzig Jahre sei heute noch überall präsent, sagt Gillespie Sells. "Gute Musik hat sich eben durchgesetzt und wird weiter gehört." Doch wie will man angesichts dieser Omnipräsenz aller Richtungen und Stile wirklich neue Ideen entwickeln?
Rockmusiker wie "The Feeling" sind zu der Erkenntnis gekommen, dass sie keine neue Musik erschaffen, sondern nur Vorhandenes auf geniale Weise verfeinern können. An Vergleiche muss man sich heute gewöhnen. Daher ist es wohl eher ein Kompliment, wenn dem Publikum auf der Deutschlandtournee der Band gleich mehrere Gruppen einfallen: "The Rifles", "America", "Supertramp", "Keane" und "The Waterboys" stehen auch noch im CD-Regal der Fans. Wenig erstaunlich ist es also, dass sich Menschen von sechzehn bis Ende vierzig für "The Feeling" interessieren. "Das Verbindende ist das ständige Gefühl von Sehnsucht, dass die Musik ausdrückt", sagt ein Mittdreißiger vor dem Konzert in München.
Bei ihrem Live-Auftritt beweisen die fünf Briten, dass sie neben den Choreinlagen breiten Gitarrenriffs und spärlich, aber doch effektvoll eingesetzten Soli von Kevin Jeremiah nicht abgeneigt sind. Der lebendige Bass von Richard Jones rundet die schnellen Stücke ab und bringt das Publikum in Bewegung. In den langsamen Passagen zeigt sich die musikalische Größe Dan Gillespie Sells, wenn er sich selbst mit gebrochenen Akkorden begleitet. Ciaran Jeremiahs Piano vollendet den Fächer der Klangfarben in jedem Lied.
Unvollendeter Flickenteppich des Vorhandenen
Doch beim Hören der Band springen einem etwas zu deutlich die Anleihen der Songs ins Ohr und ziehen sich wie ein roter Faden durch das Repertoire. Zu lange sind die Briten als Cover-Band aufgetreten, als dass sie sich von ihrem Erbe trennen könnten. So erinnert die akzentuierte E-Gitarre in "I loved it when you call" sofort an "I want it all" von Queen. "Fill my little world" und "Helicopter" bewegen sich irgendwo zwischen Blur und Supertramp. "Kettle's on" und "Sewn" könnten auch von anderen einschlägigen Britpop-Bands stammen.
Virtuos sind die fünf Briten. Keine Frage. Aber leider wenig originell. Ob sie sich dauerhaft eine eigene Nische reservieren können, muss fraglich bleiben. Zu vage ist der eigentliche Charakter der Band, der sie vom bekannten Radio-Mainstream unterscheidet. Sie präsentieren einen Flickenteppich des Vorhandenen, weben ihn aber nicht weiter.
Auf der Suche nach sich selbst, garnieren sie auf der Bühne ihren melodischen Softrock mit übermütigen Fußtritten gegen die Splash-Becken und heroischen Gesten auf dem Marshall. Solider Musiker oder Rebell? Offenbar ist "The Feeling" auch nach dem zweiten Album noch nicht klar, wer sie sein wollen.
(sueddeutsche.de)