"The Danish Girl" im Kino Ein Film wie eine Überdosis Lebkuchen

Gefangen im falschen Körper: Eddie Redmayne und Alicia Vikander als Malerpärchen im jahr 1926 in "The Danish Girl".

(Foto: Universal)

Eddie Redmayne spielt in "The Danish Girl" einen Mann, der die Geschlechtsumwandlung wagt. Es wäre erfrischend, würde er mal etwas ganz anderes machen.

Filmkritik von Susan Vahabzadeh

Einmal, bei einer Ausstellung, fragt jemand die Kopenhagener Malerin Gerda (Alicia Vikander), ob ihr Modell da ist - alle sind begeistert von den Frauenakten, die sie gemalt hat. Gerda antwortet, sie sei leider nicht da, aber das stimmt nicht ganz. Ihr Mann ist dabei, Einar, selbst Maler, bis dahin eigentlich erfolgreicher als sie, und in den Porträts, die Gerda gemalt hat, finden beide das Kostbarste ihrer selbst: Gerda hat endlich etwas gefunden, dass sie nur in ihren Bildern ausdrücken kann. Und Einar sieht sich selbst darin: Er hat ihr Modell gesessen, nicht als Einar Wegener, sondern als Lilli Elbe, und diese Frau in seinem Innern, die er nach außen nicht zeigen darf, begreift er als seine eigene, unterdrückte, unaussprechliche Persönlichkeit. Ein dänisches Mädchen. Gut, Hauptdarsteller Eddie Redmayne hat auch mädchenhafte Züge, wenn er einen Männeranzug trägt, aber dennoch: Er verwandelt sich.

Tom Hooper, der "The King's Speech" gemacht hat, erzählt in "The Danish Girl" eine Geschichte, die sich so ähnlich vor hundert Jahren tatsächlich zugetragen hat. Es ist die Vorgeschichte zum ersten Versuch einer Geschlechtsumwandlung, in einer Zeit, als jemand wie Einar sich noch sehr allein fühlen musste mit seiner Vorstellung, im falschen Körper gefangen zu sein.

Wir befinden uns im Jahr 1926, und die Boheme von Kopenhagen gibt sich entspannter, als es gleichzeitig die in, sagen wir mal: London täte. Trotzdem ist Einar zunächst einmal ein Mann, der sich nicht selbst eingestehen würde, wie er fühlt. Er ist erfolgreicher als Gerda, sie befinden sich in einem freundschaftlichen Wettbewerb, von jugendlicher Lust und Verliebtheit übertüncht. Eine Konkurrenz, die der jungen Ehe mehr zusetzen würde, wäre es Gerda, die die Nase vorn hat.

Auf nach Paris, in der Hoffnung, dort unbehelligt leben zu können

Einar malt Landschaften, die Fjorde seiner Kindheit, und die Menschen lieben seine Bilder. Gerda attestiert der Galerist, sie habe noch nicht so recht gefunden, was sie als Künstlerin ausmache. Es wird der Schmerz sein, ihren Ehemann zu verlieren. Es ist ihr erst nur ein Spaß, als sie ihm ein Kleid überwirft, weil die Freundin (Amber Heard), die ihr hätte Modell sitzen sollen, nicht da ist. Aber Einars Widerstand ist nur halbherzig; er spürt schon, wie es ihn reizt, die Pose der Tänzerin nachzuahmen.

Ein Doppelleben entspinnt sich für beide daraus, bis es nicht mehr geht und sie die Stadt verlassen müssen. Sie machen sich auf nach Paris, in der Hoffnung, dort unbehelligt leben zu können. Was so einfach nicht ist.

Alles war matt und sanft im pastellfarben Kopenhagen. Die neue Pariser Welt ist grell und schrill und viel schärfer konturiert. Einar verschwindet hier, im doppelten Sinn: Er geht kaum noch vor die Tür, der Mann ist für ihn zur Kostümierung fürs Draußen geworden. Gerda lebt daheim also mit Lilli, tut sich schwer mit dem neuen Mann, den sie kennengelernt hat.

Die wenig erfolgreiche Geschlechtsumwandlung Einars, zu der es schließlich kommt, hat es wirklich gegeben, Sebastian Koch spielt den mitfühlenden Leipziger Arzt, der als Erster ein Einsehen hat, dass die Selbstverleugnung Einar/Lilli so viel abverlangt, dass es sich für sie lohnt, ihr Leben zu riskieren. Das ist zunächst einmal eine wunderbare Idee: in der Geschichte zu graben und dabei eine Geschichte aufzutun, die heute kaum noch jemand kannte, bevor der Schriftsteller David Ebershoff sie in einem Roman fiktionalisierte, auf dem nun wiederum das Drehbuch von Lucinda Coxon beruht.