Tanztheater In den Fußspuren von Pina Bausch

Netzwerkerin: Adolphe Binder ist in der internationalen Tanzszene aktiv. Selber choreografiert sie nicht.

(Foto: Joakim Roos)

Adolphe Binder wird neue Intendantin des Tanztheaters Wuppertal. Die Rumänin hat einen ausgezeichneten Ruf.

Von Anne Linsel

Nun ist es so weit: Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch bekommt eine neue künstlerische Leitung. Fast sieben Jahre nach dem Tod von Pina Bausch ist die Tanzkuratorin und Kulturmanagerin Adolphe Binder zur Intendantin des Tanztheaters gewählt worden. Sie wird ab Mai 2017 ihr neues Amt in Wuppertal antreten. Ihr Vertrag läuft bis 2022.

Adolphe Binder, 1969 in Kronstadt (Rumänien) geboren, hat sich in der internationalen Tanzszene einen ausgezeichneten Ruf erworben. Sie arbeitete in verschiedenen künstlerischen Leitungsfunktionen, etwa an der Komischen Oper in Berlin und an der Deutschen Oper Berlin, war Projektleiterin, Kuratorin und Ballett-Rezensentin. Seit 2011 ist Adolphe Binder künstlerische Direktorin der Tanzkompanie am Opernhaus in Göteborg. Dort hat sie mit viel Erfolg Projekte im Bereich des zeitgenössischen Tanzes initiiert.

Für Adolphe Binder ist das Tanztheater Wuppertal "das wichtigste Tanzensemble der Welt". Alles habe für sie "mit dem Sehen von Pina-Bausch-Stücken begonnen", sagte die 46-Jährige bei der Pressekonferenz am Montagabend in Wuppertal. Sie wolle "bewahren, weiterentwickeln und sicherstellen". Selbst choreografieren wird sie nicht. Binder tritt die Nachfolge von Lutz Förster an. Dieser, Protagonist der ersten Stunde bei Pina Bausch, hatte drei Jahre lang mit Umsicht das Tanztheater in der schwierigen Phase der Neuorientierung geleitet. Förster wird zum Ende der Spielzeit 2016 seine Lehrtätigkeit an der Folkwang Universität Essen wieder aufnehmen.

Das Tanztheater Wuppertal hatte sich, allen öffentlichen Rufen und Erwartungen nach Erneuerung zum Trotz, viel (Trauer-) Zeit gelassen für den Schritt zum künstlerischen Leitungswechsel. Es galt zunächst, das Repertoire zu erhalten, die inzwischen elf neuen Tänzer zu integrieren, das Kulturprogramm der Olympischen Spiele in London 2012 mit zehn Produktionen aus dem Repertoire zu bestreiten, Gastspielwünsche in aller Welt zu erfüllen sowie Aufführungen in Wuppertal. Der erste Versuch eines neuen Tanzabends mit drei kleinen Stücken unter fremder Choreografie im vorigen Jahr war enttäuschend, zeigte aber die Tänzerinnen und Tänzer auf höchstem Leistungsniveau. Das will Adolphe Binder nach eigenen Worten mit "Mut, Kraft und Offenheit" nutzen. In dem seit 2013 nicht mehr genutzten Schauspielhaus der Stadt soll das Tanztheater Wuppertal samt einem geplanten Pina-Bausch-Zentrum seine eigene Spielstätte bekommen. Dort will Adolphe Binder weiterführen, was Pina Bausch vorgelebt hat: Neues wagen - und dann konsequent und unbeirrt den eigenen Weg gehen.